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Borussia Mönchengladbach: Beispiel André Hahn — "chronisch" als Alarmsignal

Borussia Mönchengladbach : Beispiel Hahn — "chronisch" als Alarmsignal

Die Achillessehne zwingt den Borussen zur körperlichen Vollbremsung. Das Szenario "chronisch" ist ein Worst Case für Profisportler.

Es ist nur ein Wort. Ein Adjektiv. Aber es ist eins, das bei jemandem, der als Leistungssportler sein Geld verdient, Alarmglocken schrillen lässt. "Ich muss aufpassen, dass es nicht chronisch wird", erklärte André Hahn in der Vorwoche, als sich sein linker Fuß mit der schmerzenenden Achillessehne plötzlich in grünem Gips wiederfand. "Chronisch" definiert der Duden in seiner medizinischen Bedeutung als "sich langsam entwickelnd und lange dauernd". Heißt: Heilt eine Krankheit oder Blessur nicht aus oder kann die Ursache nicht beseitigt werden, wird sie chronisch. Ein Worst-Case-Szenario für einen Fußballer im Tagesgeschäft Bundesliga. "Das war natürlich alles andere als positiv, denn gerade mit der Achillessehne ist es als Fußballer ja immer so ein Eiertanz, weil hier die Belastung eben immer greift", schildert Hahn seine Reaktion, als ihm die medizinische Abteilung nahelegte, lieber die Reißleine zu ziehen.

Damit war er natürlich einverstanden. Hahn ist schließlich nicht Mitte 30, steht nicht kurz vor dem Karriereende, er ist 24, benötigt seinen Körper noch ein paar Jahre im Zustand des Profifußballers. "Wir haben frühzeitig die Bremse gezogen. Wir hatten ja vorher auch alles probiert. Ich habe im Trainingslager mit Einheiten ausgesetzt, bin dann wieder individuell rausgegangen, aber immer wieder kamen die Schmerzen zurück, sobald die Belastung größer wurde", sagt Hahn, als er gestern seine Einheit im Kraftraum des Borussia-Parks beendet hat. Dort macht er das, was er im Moment darf: den Oberkörper trainieren. "Wir hätten noch ein paar Wochen so weiter machen können, aber es hätte mir nichts gebracht und dem Verein auch nichts. Ich pausiere lieber jetzt zehn Tage als später länger auszufallen", sagt er.

Dabei ist das mit dem Pausieren für ihn keine so leichte Sache - mental vor allem. "Es fällt mir wirklich schwer, den Jungs draußen beim Training zuzugucken und nicht dabei sein zu können", gibt der Flügelflitzer unumwunden zu. Gerade jetzt, wo er mit neuem Schwung in die Rückrunde starten wollte, nachdem zum Ende der Hinrunde der Schwung in seinen Auftritten nachgelassen hatte. Und noch eine Überlegung erschwert ihm in diesen Tagen zuweilen die Akzeptanz des Gips-Fußes: "Wenn man sich das Bein bricht und einen Gips tragen muss, ist es logisch. Aber ich habe beim normalen Gehen ja gar keine Schmerzen und muss den Gips tragen. Das ist dann doch erstmal komisch", sagt Hahn.

So übt er sich in Geduld. Und der stillgelegte Fuß soll ja auch im Optimalfall Ende der Woche schon wieder Geschichte sein, die Schiene entfernt werden. Danach soll die Belastung peu à peu wieder gesteigert werden, der zweite Schritt wäre ein individuelles Training draußen, gibt der Körper positive Signale, steht die Rückkehr ins Mannschaftstraining an. In dieses will er nach dem Schalke-Spiel einsteigen. Denn die Highlight-Spiele gegen Köln, Sevilla und seinen Ex-Klub Offenbach im Pokal will Hahn auf keinen Fall verpassen.

(RP)