Borussia Mönchengladbach beim FC Schalke 04: 0:1-Pleite gegen Beton-Abwehr

Borussia Mönchengladbach : 0:1 — Ideenlose Gladbacher verzweifeln am Schalker Beton

Vor dem Fußball herrschte "Auf Schalke" die Verunsicherung. Die Nachricht von einer Bombendrohung kursierte, später bestätigte die Gelsenkirchener Polizei, der FC Schalke 04 habe eine "Nachricht von einem Bedrohungsszenario" erhalten. Die Einlasskontrollen und die Sicherheitsmaßnahmen wurden verstärkt. Darum begann das Spiel gegen Borussia Mönchengladbach zehn Minuten später.

Als es lief, meldete die Polizei via Pressemitteilung: Eine konkrete Bedrohung für die 61.973 Fans im ausverkauften Stadion habe es nicht gegeben. 5500 von ihnen waren Borussen und guter Dinge angereist. Zwei 1:0-Siege brachte Gladbach mit nach Gelsenkirchen — und Trainer Lucien Favre wollte mit einer durchrotierten Mannschaft auch diesmal etwas mitnehmen. In Stuttgart und gegen Freiburg hatte er demselben Team vertraut, nun wechselte er auf fünf Positionen. Der Erfolg blieb aus. Schalke siegte 1:0 und zog mit nun 34 Punkten an den Gladbachern (33) vorbei.

Ausgerechnet Raffael, der Ex-Schalker, den Favre ins Team rotiert hatte, leitete mit einem bösen Ballverlust am eigenen Strafraum den für sein Team unschönen Verlauf des Abends ein. Kevin-Prince Boateng flankte von rechts und die neuformierte Viererkette war nicht im Bilde — Tranquillo Barnetta durfte ungehindert aus kurzer Distanz einschießen. Elf Minuten waren gespielt, als Gladbach das erste Gegentor der Rückrunde kassierte.

Borussia war danach leidlich bemüht, ins Spiel zu finden. Es gab auch eine optische Überlegenheit, weil die Schalker von nun an tief standen und auf Kontergelegenheiten warteten. Immer dann, wenn sich der Gegner Ballverluste erlaubte, versuchte das Team von Roberto di Matteo schnell nach vorn zu spielen. Zu unkonzentriert jedoch, um wirklich Gefahr zu erzeugen. Nur ein Kopfball von Joel Matip nach einer Ecke kam dem Gladbacher Tor nahe (38.). Da auch die Borussen ihren Ballbesitz (70 Prozent) nicht in Konkretes ummünzten, war es ein Topspiel, das nach dem schnellen Höhepunkt lange vor sich hin waberte.

Das, was es zu besichtigen gab, sah so aus: Borussia ließ den Ball laufen, hin und her, her und hin, meist aber quer statt steil — und die beiden Viererketten, die Schalke gegen den Ball formierte, verschoben sich mit dem Ball. Das taten sie sehr geschickt und konzentriert, weswegen Gladbachs Suche nach der Lücke, nach dem einen Moment, eine Chance zu kreieren, eine Geduldsspiel wurde. Eines, das allzu behäbig daherkam, um Königsblau aus der Reserve zu locken. Nach 60 Minuten verzeichnete die Statistik nur einen Torschuss der Gäste aus Mönchengladbach.

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Rückkehrer Raffael war nicht der erhoffte Ideengeber, die Außen Patrick Herrmann und Thorgan Hazard kamen nicht entscheidend durch und Zentralangreifer Max Kruse fand schlichtweg nicht statt. Zudem gab es immer wieder Ballverluste im Spielaufbau. Ibrahima Traoré, am Dienstag nach dem Viertelfinal-Aus gegen Ghana (0:3) vom Afrika Cup heimgekehrt, kam schließlich für Kruse, um mit seinen Dribbelkünsten Akzente zu setzen. Gleich seine erste Aktion brachte mehr Gefahr als alle Bemühungen der Kollegen zuvor — nach Roels Brouwers‘ Lupfer-Pass wehrte aber Torwart Timon Wellenreuther den Schuss ab (65.).

Ja, dieser Traoré wollte etwas bewegen, das war spürbar. Doch trotz allen Engagements konnte er dem Spiel keine Wende mehr geben. So siegte Schalke an diesem Abend dank einer einzigen wirklich guten Offensivaktion und einer routiniert-gewissenhaften Defensivarbeit verdient mit 1:0.

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