Borussia Mönchengladbach: Aufstellungs-Rätsel gegen Hoffenheim

Borussias Aufstellungs-Rätsel: Hecking und die verflixte 13

Bei Borussia sind für die Heimpartie gegen Hoffenheim am Samstag 13 Spieler gar nicht oder nur eventuell einsatzfähig. Das "im deutschen Profifußball einzigartige Verletzungspech" sorge dafür, dass Trainer Hecking "extremste Herausforderungen zu lösen" habe, sagte Sportdirektor Max Eberl, der die Gründe der Misere genau analysieren will.

13 — die Zahl hat generell keinen guten Ruf. Bei Borussia bedeutet sie in diesen Tagen die Anzahl der Spieler, die verletzt oder noch nicht vollständig fit sind. Das sind: Laszlo Bénes (Trainingsrückstand), Mamadou Doucouré (Muskelteilriss im Oberschenkel), Vincenzo Grifo (Kreuzbanddehnung), Christoph Kramer (Verletzung des Hoffa-Fettkörpers), Fabian Johnson (Trainingsrückstand), Raffael (Trainingsrückstand), Reece Oxford (Muskelfaserriss im Oberschenkel), Tobias Strobl (Trainingsrückstand nach Kreuzbandriss), Ibrahima Traoré (im Aufbautraining nach Muskelfaserriss), Jannik Vestergaard (Mittelfußbruch), Julio Villalba (Muskelbündelriss im Oberschenkel), Oscar Wendt (Trainingsrückstand) und Denis Zakaria (Muskelfaserriss im Oberschenkel). Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie sieht die Mannschaft aus, die Borussia am Samstag (15.30 Uhr, Live-Ticker) im Heimspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim auf den Rasen schicken kann?

Trainer Dieter Hecking wusste es am Freitagmittag selbst noch nicht. "Ich kann noch nicht sagen, wer mir zur Verfügung steht. Da wird eine Mannschaft stehen, die so vielleicht noch nie zusammengespielt hat. Da müssen sich alle relativ schnell finden. Die Mannschaft, die ich im Kopf habe, ist von den Namen her noch gut besetzt, aber sie muss Stabilität finden, dann kann man sicher sehr viel bewegen", sagte er. Eigentlich seit Monaten muss der Trainer immer wieder Alternativen für Spieler auf diversen Positionen finden, deswegen sagte Sportdirektor Max Eberl auch: "Wir haben ein Verletzungspech, das einzigartig im deutschen Profifußball ist, und das es dem Dieter und seinem Trainerstab nicht einfach macht. Dieter hat in dieser Saison extremste Herausforderungen zu lösen."

Da hilft Hecking seine große Erfahrung, zumindest sorgt sie dafür, dass er nicht groß klagt: "Sicher fragt man sich da manchmal schon: Was habe ich der Welt getan?", sagte Hecking zwar mit Blick auf die immer neuen Verletzten. Er schob aber sofort nach: "Daraus kann man aber auch eine Mentalität entwickeln. Wir müssen dieses eine Spiel mit diesen personellen Problemen lösen. Ich habe die Überzeugung, dass wir eine Mannschaft auf dem Platz haben werden, die Hoffenheim schlagen kann."

Dass es im Kalenderjahr 2018 nicht rund bei seiner Mannschaft läuft, hat sicher auch mit den vielen Verletzten und immer neuen Plänen der Kategorie B, C und sogar mehr zu tun. "Ich hätte es gerne anders, ist doch klar", sagte Hecking. "Wir gehen am Anfang davon aus: Unser Kader steht zu 100 Prozent zur Verfügung. Wenn das so wäre und wir würden diese Runde spielen, dann würden wir wirklich etwas falsch machen. Aber bei allen personellen Problemen sind bei uns das Läuferische, der Ballbesitzanteil und das Erspielen von Chancen immer noch besser als in der Hinrunde. Das einzige, wofür wir die Mannschaft kritisieren können, ist, dass sie aus den erspielten Chancen zu wenig Tore macht."

Einer, der das ändern könnte, ist Raffael, der Brasilianer hat im Jahr 2018 aber gerade einmal 175 Minuten spielen können: 45 Minuten im Derby gegen Köln — als er zum zwischenzeitlichen 1:1 bei der 1:2-Niederlage traf —, 85 Minuten beim 2:0-Heimsieg über den FC Augsburg und 45 Minuten bei der 0:1-Niederlage gegen Stuttgart. Ansonsten fehlte er mit Wadenproblemen. Nun hat der "Maestro" die Woche über trainiert, was Anlass zur zarten Hoffnung gab, er könne gegen Hoffenheim auflaufen.

Eberl trat da aber auf die Euphoriebremse: "Wir haben Raffael zweimal wieder reingeworfen und beide Male, in Köln und in Stuttgart, hat ihn das zurückgeworfen. Das ist genau das, was so kompliziert zu handhaben ist. Wir haben zu viele Verletzungen und du musst mit verletzten Spielern agieren. Was ist, wenn Raffael gegen Hoffenheim spielt und sich wieder verletzt - dann heißt es: Fehler gemacht. Kann man das Risiko gehen? Wie groß ist das Risiko? Wir würden uns alle in den Arsch beißen, wenn er dann bis Saisonende ausfällt."

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Was für Raffael gilt, gilt auch für Wendt, Johnson, Bénes oder Strobl — sie gelten zwar offiziell nicht mehr als verletzt, haben aber einen teilweise enormen Trainingsrückstand, so dass sie entweder nur eingeschränkt oder noch gar nicht in einem Bundesligaspiel belastet werden können. Zwar hat neben Raffael auch Wendt signalisiert, er fühle sich fit genug für die Partie gegen Hoffenheim, aber Hecking wehrt ab: "Ich freue mich, wenn meine Spieler sagen: Es könnte gehen. Aber wenn man realistisch ist, muss einem klar sein, dass es nicht sinnvoll ist. Das Risiko einer Folge-Verletzung bei Raffael ist enorm. Wenn wir die vier Verletzten aus Leverkusen nicht mitgebracht hätten, würde keiner von ihnen im Kader stehen. Keiner. Dann hätte ich die Länderspielpause abgewartet."

Das heißt nun im Umkehrschluss aber auch nicht, dass alle "Trainingsrückständigen" gegen Hoffenheim im Kader stehen würden. "Ich habe Donnerstag mit Oscar gesprochen, und er hat die drei Trainingstage schon gemerkt", sagte Hecking. "Da müssen wir noch einmal drüber sprechen, ob ein Einsatz sinnvoll ist. Und ich kann wirklich noch nicht sagen, welche Auswirkungen es hätte, wenn ich Raffael von Anfang an spielen lasse. Wer schafft es, wer kann länger spielen? Es ist meine Aufgabe zu gucken: Wem traue ich es zu, uns wieder zu helfen? Sie sind längst nicht wieder bei 100 Prozent. Das heißt nicht, dass ein Raffael oder ein Wendt nicht doch im Kader sind. Aber ich muss abwägen, wer uns zur Verfügung steht. Es kann passieren, dass alle 13 nicht dabei sind. Ich werde mit allen Spielern noch einmal reden, ob sie es sich wirklich zutrauen." Ansonsten bleibt ihm nur die Hoffnung auf die Länderspielpause und "dass ich vor dem Mainz-Spiel wieder sechs Spieler auf die Bank setzen kann, die jetzt noch nicht so weit sind", sagte Hecking.

Da Transfers in dieser Spielzeit nicht mehr möglich sind, ist kurzfristige personelle Unterstützung nur aus den eigenen Reihen möglich. Die aktuelle Misere wird aber nicht dazu führen, dass Borussia ihre Kaderpolitik grundsätzlich ändert. "Wir haben einen Kader, der mit 26 Spielern eine gute Größe hat", sagte Eberl. "Wir wollen Qualität, und die kostet nun einmal Geld. Gladbach muss aber mit dem Geld haushalten. Dann muss ich entscheiden: Hole ich einen Spieler, der mehr nachgewiesen hat oder zwei, drei, die noch etwas zeigen müssen? Die aktuelle Situation führt nicht dazu, dass ich kopflos werde und mir einen Kader von 35 Spielern hole. Das wäre nicht der Weg, der gut wäre, und den können wir uns auch nicht leisten."

Klar ist aber auch: "Ich habe keine Lust, nächste Saison wieder 13 verletzte Spieler zu haben", ergänzte Eberl und stellte in Aussicht: "Wir müssen für den Sommer den Ansatz finden: Was können wir in der Struktur tun? Was ist passiert? Es gibt Verletzungen, wo wir uns fragen müssen, was wir besser machen können. Wir haben aber viele Verletzungen erkannt, die für uns schwer zu verhindern sind."

Auch deshalb habe der Wechsel des medizinischen Partners Medicoreha zu einem anderen Anbieter, dessen Name noch nicht offiziell verkündet wurde, weil der Vertrag noch nicht unterschrieben ist, nichts mit der Verletztenmisere zu tun. "Das ist ein strategischer Wechsel, der seit Monaten geplant ist", sagte Eberl. "Das wäre auch unfair und das Leichteste, das man tun kann: Irgendetwas auszuwechseln und dann wird alles besser."

Stattdessen müsse eine tiefere Analyse erfolgen. "Dass nicht alles rund läuft bei der Vielzahl der Verletzungen, ist nicht der Faktor, es ist ein Faktor", sagte Eberl. "Wir haben Muskelverletzungen, aber deutlich mehr Spielverletzungen. Es wird alles überlegt, aber ich will nicht alles infragestellen. Wenn du alles veränderst, weißt du gar nicht, was den Ausschlag gegeben hat. Wir müssen analysieren, was passiert ist. Selbst wenn du super hart trainiert hast, heißt das nicht, dass die Muskelverletzung daher kommt. Doucouré oder Traoré sind zum Beispiel extrem gebeutelt, aber das hat weniger mit dem Training bei uns zu tun."

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(ame)