Borussia Mönchengladbach Dominguez spricht im Radio über seine Depression

Mönchengladbach/Madrid · Álvaro Dominguez hat seine Vorwürfe gegen Borussia Mönchengladbach in einem Interview mit dem spanischen Radiosender "Cadena Ser" wiederholt. Darin spricht der Verteidiger, der am Dienstag sein Karriereende verkündete, auch über seine Depression.

Sportler, die ihre Karriere früh beendeten
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Foto: AP/Andy Brownbill

Im Februar habe es deutliche Anzeichen für eine psychische Erkrankung gegeben, da lag die erste von zwei Rückenoperation bereits drei Monate zurück. "Wenn es morgens Zeit war, aufzustehen, wollte ich nicht einmal aus dem Bett steigen. Es war nicht so, dass ich keine Lust hatte, aber ich fragte mich immer wieder, ob es das wert gewesen ist, jetzt so leben zu müssen, mit gerade mal 27 Jahren", sagte Dominguez. "Ich bin ja nicht 50 oder 60, mir bleiben mehr als 15 oder 20 Jahre zu leben. Ich habe mein Leben noch vor mir."

Bereits in einem Interview mit der Zeitung "Marca" hatte der Spanier gesagt, er fühle sich von Borussia im Stich gelassen. In dem Interview mit "Cadena Ser", das am Mittwochabend aufgezeichnet wurde, wiederholte er seine Anschuldigungen.

Auf der Pressekonferenz am Freitag gab es von Borussias Seite keine weiteren Kommentare zu dem Thema. Sportdirektor Max Eberl war nicht da, Trainer André Schubert sagte nur: "Ich habe den Artikel nicht gelesen. Deshalb kann ich da nicht so viel zu sagen, bin nur darüber informiert worden. Es ist schade, dass er seine Karriere beenden musste. Alles andere ist momentan nicht unser Thema."

Am Donnerstag hatte Eberl über den Verein folgende Mitteilung verbreiten lassen: "Alvaro erhebt leider schwere Vorwürfe, die wir weder verstehen noch nachvollziehen können. Wir haben natürlich vollstes Verständnis für seine Emotionen nach dieser für ihn so schwerwiegenden Entscheidung, aber ich kann so viel sagen, dass unser Ärzteteam medizinisch alles menschenmögliche getan hat, um ihm zu helfen, so wie es auch der Klub in Form von allen Beteiligten getan hat, dort, wo wir es konnten und durften. Und dies gilt auch für die Zukunft. Wir sind für Alvaro da!"

Dominguez wiederum sagte auch, er habe Eberl vor einem Monat mitgeteilt, dass es nicht mehr weitergehe. Danach habe er vom Verein, der sein Mitgefühl auch via Twitter und Instagram öffentlich zum Ausdrück brachte, nichts gehört, keinen Anruf erhalten. "Cadena Ser" spielte während der Sendung Grußbotschaften von alten Weggefährten bei Atlético Madrid wie zum Beispiel Diego Forlan ein, die Dominguez, der zuvor relativ nüchtern seine Geschichte erzählt hatte, sichtlich rührten.

Der 27-Jährige sprach auch noch einmal über seinen Besuch bei Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt im Herbst 2015 in München, der die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen habe, als er hörte, dass Dominguez mit seiner schweren Rückenverletzung noch monatelang gespielt habe. "Seit Februar (2015, Anm. d. Red.) hatte ich starke Schmerzen, die jeden Tag schlimmer wurden. Sie (Borussias Ärzte, Anm. d. Red.) machten ein MRT und sagten mir, ich solle mir keine Sorgen machen, mit einer Spritze würde das weggehen", sagte Dominguez im Interview mit "Marca". "Vor dem Spiel gegen Hertha im Mai war ich komplett blockiert, ich konnte nicht mal gehen. Der Arzt gab mir eine Spritze und sagte, das könne jedem passieren. Ich vertraute ihm völlig, aber ich konnte noch nicht mal ins Flugzeug steigen, also blieb ich zu Hause."

Danach spielte er noch die beiden Partien gegen Bayer Leverkusen und Werder Bremen, in denen Gladbach sich mit zwei Siegen die direkten Champions-League-Qualifikation sicherte. Das letzte Saisonspiel gegen den FC Augsburg verpasste Dominguez und lief erst im ersten Spiel unter André Schubert am 23. September wieder auf. Sein letztes Spiel für Borussia absolvierte er dann am 7. November des vergangenen Jahres gegen den FC Ingolstadt.

Natürlich können Borussias Ärzte aufgrund der Schweigepflicht nichts zum Fall Dominguez sagen. Aus einem Interview mit unserer Redaktion im November 2014 stammt folgende generelle Aussage von Mannschaftsarzt Dr. Stefan Hertl: "Natürlich kann man einen Spieler fit spritzen, aber es schadet auf Dauer mehr, als es kurzfristig hilft. Deswegen machen wir das bei Borussia auch nicht. Ich würde einem Spieler auch immer davon abraten, denn ich bin ja in erster Linie für seine Gesundheit verantwortlich und erst danach für den Erfolg der Mannschaft."

Bei Dominguez und Borussia stehen Aussage gegen Aussage. Allerdings erscheint der Verein zumindest in den spanischen Medien in einem sehr schlechten Licht. "Man muss schon echt ganz schön mies drauf sein, um jemanden so zu behandeln, wie Borussia Mönchengladbach Álvaro Domínguez behandelt hat", sagte Moderator Manu Carreño am Ende der Sendung "El Larguero" (hier gibt es das Interview zum Nachhören auf Spanisch). Dominguez' Vorwürfe wiegen schwer.

(jaso)