Borussia Mönchengladbach: Alexander Zickler soll Offensive stärken

Neuer Co-Trainer : Alexander Zickler ist Borussias neuer Fachmann für Tore

Alexander Zickler kommt mit Cheftrainer Marco Rose aus Salzburg nach Gladbach. Der 45-Jährige ist Co-Trainer mit dem Spezialgebiet Offensive.

Thorgan Hazard ist weg. Und damit einer, der an 22 Borussen-Toren beteiligt war in der vergangenen Bundesliga-Saison. Sportdirektor Max Eberl arbeitet daran, die Torlücke zu schließen. An anderer Stelle indes gibt es bereits Zuwachs beim Thema Tore. Denn einen wie Alexander Zickler hat es bei Borussia noch nicht gegeben. Offiziell ist die Jobbeschreibung des 45-Jährigen, der mit dem neuen Cheftrainer Marco Rose von RB Salzburg kommt, Co-Trainer. Doch er hat einen Spezialauftrag. „Ich kümmere mich vermehrt um die Offensive“, definierte er in einem Interview seine Aufgabe.

Zickler, als Profi vor allem für Bayern München und RB Salzburg aktiv, ist also Borussias neuer Mann für die Tore. 145 hat er selbst erzielt in 531 Spielen als Profi. Zweimal war er Torschützenkönig in Österreich. Und er ist der drittbeste Joker der Bundesliga-Geschichte. 18-mal traf er nach Einwechslungen. Zickler galt zu seiner Zeit als einer der schnellsten Offensivspieler.

Doch er war nicht nur Torjäger, sondern auch Titelsammler. Siebenmal war er Deutscher Meister mit dem FC Bayern, sechsmal Ligapokalsieger, dreimal DFB-Pokalsieger, je einmal gewann er mit den Münchenern die Champions League, den Uefa-Cup und den Weltpokal. Mit Salzburg wurde er dreimal Meister in Österreich.

Was Zickler mitbringt nach Gladbach: Torinstinkt und das Erfolgs-Gen. Das hat einer, der ein Dutzend Jahre beim FC Bayern war. Und Zickler steht für Effektivität und Mentalität. Einer, der ein guter Joker ist, hat die Fähigkeit, auf den Punkt da zu sein, ist ein Teamplayer. Zudem hat er in seiner Karriere Nehmerqualitäten gezeigt: Immer wieder war Zickler verletzt, immer wieder kämpfte er sich zurück.

In der vergangenen Spielzeit hat Borussia schon einen Spezialtrainer dazugenommen: Steffen Krebs erweitert seither das Torwarttrainerteam um Uwe Kamps. Das zahlte sich aus: Yann Sommer spielte seine bisher beste Saison, er hielt 14-mal die Null fest und war gerade in der Rückrunde der Garant für den Einzug in die Europa League.

Dass es zittrig wurde nach der starken Hinrunde, hatte auch damit zu tun, dass im zweiten Saisonteil die Effektivität vor dem Tor schwand. 36 Treffer gab es in den ersten 17 Spielen, nur noch 19 in den folgenden 17 Partien. Mit mehr Nachhaltigkeit vor dem Tor wären Spiele wie zum Beispiel die gegen Hertha BSC oder Wolfsburg (je 0:3) vermutlich nicht verloren gegangen.

Dass am Ende nur wenige Treffer den Unterschied ausmachten zwischen Champions League und Europa League, kann man der Tabelle entnehmen. Acht Tore mehr gab es im Vergleich zur Vorsaison, da schossen die Borussen 47-mal den Ball ins Netz; nochmal eine Saison zuvor 45-mal. Zum dritten Mal in Folge waren die Zahl der erzielten Tore und die erwirtschafteten Punkte gleich. Denken wir die kuriose Statistik weiter, darf man sagen: Vier Tore mehr hätten vier Punkte mehr bedeutet, und mit 59 Zählern wäre es Platz vier geworden.

Die Rechnung ist natürlich pure Theorie, aber sie zeigt: Es sind Kleinigkeiten, die entscheiden in einer Saison. Und eben die soll, was das Offensivspiel angeht, nun Zickler verbessern. „Ich kenne die Situationen, in die ein Stürmer kommt ja aus meiner aktiven Karriere. Wenn ein Angreifer im Eins-gegen-Eins auf den Torwart zuläuft, hat er Zeit zum Überlegen. Da kann ich Tipps geben“, sagte Zickler.

Borussias neuer Tor-Experte trifft in Gladbach einen alten Bekannten: Oliver Neuville. Man kennt sich aus gemeinsamen Zeiten im Nationalteam. Zweimal standen sie zusammen für Deutschland auf dem Platz. Im September 2000 beim 4:1 gegen Spanien und im Mai 2001 beim 2:0 gegen die Slowakei. Neuville ist nun Co-Trainer der U19 Borussias, er kümmert sich da um die Offensiven. Und dann ist da noch U23-Trainer Arie van Lent, auch ein Tormacher aus der Generation von Neuville und Zickler. Wenn es also vorn drückt, könnte Rose mit den drei Experten eine „Task Force Tore“ einberufen.

„Wir haben unsere Philosophie in Salzburg, die sehr modern und sehr offensiv ausgerichtet ist. Dem stehe ich in nichts nach. Ich liebe den Fußball und mag es, offensiv und schnell nach vorne spielen. Wobei ich auch eine gewisse Ballzirkulation und ein Positionsspiel wie es Bayern macht, gerne habe“, beschrieb Zickler mal seine Idee vom Fußball. Das klingt nach Borussia. Der Bayern-Star soll nun helfen, ihre Torfabrik produktiver zu machen.

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