Borussia Mönchengladbach: Alassane Plea verpasst den optimalen Auftakt

Borussia Mönchengladbach : Plea verpasst den optimalen Auftakt

Der Franzose hätte Borussia im Finale des H-Hotels Cups zum Sieg gegen den VfL Bochum schießen können. Doch er ließ zweieinhalb gute Chancen aus und vergab im Elfmeterschießen. Für den Sieg sorgte am Ende Torwart Nicolas.

Um genau 18 Uhr hielt Moritz Nicolas seinen dritten Elfmeter an diesem Abend, fünf Minuten und einen Treffer seines Kollegen Mika Hanraths später stand er vor der Kabine im Bochumer Ruhrstadion, und es hatte den Anschein, als wolle Nicolas in voller Torwartmontur in einen der bereitstehenden Minibusse steigen. Logistisch wäre es clever gewesen, schließlich hatten sich die Borussen im Finale des H-Hotels Cups ein wenig in Zeitnot gebracht.

Erst gelang ihnen in 45 Minuten gegen den VfL Bochum kein Treffer, trotz guter Möglichkeiten. Dann lief es im Elfmeterschießen zunächst wie am Schnürchen, Nicolas hielt zweimal hervorragend, aber Mandela Egbo und Alassane Plea vergaben zwei Matchbälle – bis Nicolas und Hanraths die Gladbacher doch noch als Turniersieger ins Trainingslager fliegen ließen.

Die besten Momente dieses Fußballnachmittags, an dem neben Bochum und Borussia der spanische Europa-League-Teilnehmer Betis Sevilla und der englische Premier-League-Aufsteiger Wolverhampton Wanderers mitgewirkt hatten, lagen da schon einige Stunden zurück. Dieter Heckings Mannschaft hatte den Anfang gemacht im Halbfinale gegen Sevilla mit einem 3:2, dessen Ergebnis den Unterhaltungswert der Partie gut widerspiegelte.

Borussia lief den Gegner energisch an, eroberte häufig den Ball, um danach schnell in die Spitze zu spielen. Das zwischenzeitliche 3:1 durch Patrick Herrmann war dabei der wohl beste Angriff des gesamten Turniers: Am eigenen Strafraum holten sich Laszlo Bénes und Tobias Strobl gemeinschaftlich den Ball, über Torben Müsel und Jonas Hofmann ging es in die gegnerische Hälfte, wo Herrmann sich per Doppelpass mit Raffael in den Strafraum kombinierte und wuchtig in den Winkel traf. Zwölf Sekunden dauerte alles zusammen. Betis gelang noch der Anschlusstreffer, was zumindest die defensive Note der Gladbacher etwas verschlechterte.

Anschließend fiel in 141 Turnier-Minuten kein weiteres Tor, wozu auch Borussias Abwehrleistung im Finale gegen Bochum beitrug. „Das sehe ich gar nicht so“, sagte Hecking auf die Frage, ob Gladbachs erstes Spiel nicht eindeutig das bessere gewesen sei. „Im zweiten Spiel waren sehr viele Junge auf dem Platz, das war von den Abläufen her nicht so eingespielt, wenn man nur mal die Viererkette nimmt mit einem jungen Torwart hinten drin. Dazu Keanan Bennetts und Alassane Plea, der sein ein erstes Spiel gemacht hat und seine Position noch ein wenig finden muss“, sagte Hecking.

Insgesamt war der Trainer zufrieden, wenngleich Rekord-Einkauf Plea zu viele gute Möglichkeiten liegen ließ, um seinem Debüt das Prädikat „optimal“ zu geben. Nach Egbos Flanke in der 18. Minute bekam ein Bochumer noch rechtzeitig ein Bein dazwischen, später parierte Torwart Florian Kraft, und bei einem Freistoß von Ibrahima Traoré kurz vor Schluss kam Plea einen Schritt zu spät. Und dann war da, um kurz vor 18 Uhr, eben noch sein Elfmeter, den er über das Tor setzte. „Er ist drei, vier Tage da. Man sieht, er will Fußball spielen. Dass ihm ein wenig die Spritzigkeit fehlt und die Bindung noch nicht ganz da ist, das ist normal“, sagte Hecking. „Trotzdem kann er mit etwas Glück zwei Tore machen. Dafür ist er am Ende des Tages Stürmer.“

Den Flieger nach München bestiegen die Borussen in Düsseldorf rechtzeitig, mit einem geduschten Moritz Nicolas. Die Sevilla-Besieger, die direkt nach dem Spiel abgereist waren, saßen da schon im Bus vom Münchner Flughafen nach Rottach-Egern. Die kurzfristige Trennung hat nach drei Wochen Vorbereitung durchaus Symbolwert: Viele gute Ansätze und einige Baustellen gibt es bei Borussia, nun folgt eine wichtige Woche, um die Mosaiksteine allmählich zusammenzubringen.

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