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Borussia Mönchengladbach: Alassane Plea und Marcus Thuram als Sinnbild der Krise

Gladbacher Torkrise : Plea und Thuram als Sinnbild für Borussias Harmlosigkeit

Zur Halbzeit hatte Gladbachs Trainer Adi Hütter im DFB-Pokal-Achtelfinale genug gesehen: Marcus Thuram und Alassane Plea wurden in Hannover nach 45 Minuten ausgewechselt. Nach dem Spiel erklärte Hütter, was er sich ursprünglich von beiden erhofft hatte.

In der zwölften Minute sah es in der HDI-Arena am Mittwoch für einen Moment so aus, als hätte Borussia einen Plan, wie sie offensiv gefährlich werden könnte: Nico Elvedi leitete mit einem Steilpass auf Lars Stindl in die Tiefe den Angriff ein. Stefan Lainer kam auf der Außenbahn an den Ball, behauptete diesen gegen Hannovers Verteidiger Niklas Hult und passte zurück zu Matthias Ginter, der den Ball Richtung Strafraum flankte. An der Sechzehnerlinie legte Marcus Thuram per Kopf rüber zu Florian Neuhaus, der völlig frei vor Torwart Ron-Robert Zieler auftauchte und nach einem soliden Angriff mit dieser Chance den zwischenzeitlichen Ausgleich auf dem Fuß hatte.

Doch die Vermutungen, die vor dieser Szene bereits getroffen wurden, bestätigten sich danach immer mehr: Borussias Spiel im Achtelfinale des DFB-Pokals in Hannover war harmlos, erschreckend harmlos. Es fehlte den Gladbachern von hinten bis vorne an Ideen, Kreativität, Durchschlagskraft und Tempo. Wenn der Ball im Mittelfeld erobert wurde, hatte Hannover stets genügend Zeit, wieder hinter den Ball und in die defensive Grundordnung zu kommen. Dadurch hatten die Borussen häufig zehn gegnerische Feldspieler vor sich, was die Schwächen und Probleme, die die Gladbacher im Offensivspiel seit Wochen haben, nur noch mehr zum Vorschein kommen ließ. Einfache Doppelpässe, ein schnelles Hinterlaufen, ein überraschender Seitenwechsel, all das war nicht zu finden – von pfiffigen Spielzügen mal ganz abgesehen.

Thuram hatte mit der Torschussvorlage auf Neuhaus seine auffälligste Szene, insgesamt kam der 24-Jährige bis zur Halbzeit nur auf 21 Ballkontakte, obwohl Gladbach meist über 60 Prozent Ballbesitz hatte, zeitweise sogar noch deutlich mehr. Ansonsten sah es bei Thuram wie bei zahlreichen seiner Mitspieler nach Alibi-Fußball aus: Der Gegner wurde vorne zwar attackiert und angelaufen, wirklich entschlossen und schnell wirkte es aber nicht. In den Zweikämpfen ging Thuram öfter leicht zu Boden, um ein Foulspiel zu provozieren – Schiedsrichter Florian Badstübner ließ sich davon aber nicht beeinflussen. Zweikampfhärte? Gegenwehr? Speed? Fehlanzeige.

„Wir sind vor dem Spiel davon ausgegangen, dass wir mehr Ballbesitz haben werden. Mit Marcus Thuram wollten wir im Eins-gegen-Eins-Dribbling Überzahl schaffen“, sagte Gladbach-Trainer Adi Hütter nach dem enttäuschenden 0:3 beim Zweitligisten. Zur Halbzeit hatte er genug gesehen von Thuram, ebenso von dessen Landsmann Alassane Plea, der keinen Zweikampf für sich entscheiden konnte und sich darüber hinaus in 45 Minuten zehn (!) Fehlpässe leistete.

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„Ich habe dann reagiert, weil mir einfach ein paar Dinge nicht gefallen haben“, sagte Hütter deutlich und begründete Thurams und Pleas Startelf-Comeback unter anderem damit, dass man bei Embolo, der in der Vergangenheit immer wieder von Verletzungen ausgebremst wurde, bei drei Spielen in einer Woche aufpassen müsse. „Deshalb habe ich mich zunächst für die anderen beiden entschieden. Dann habe ich noch mal frische Kräfte gebracht, das hat in Summe nicht viel gebracht“, gab Hütter zu. Neben Breel Embolo brachte er nach der Pause Denis Zakaria ins Spiel.

Als wenige Minuten nach dem Seitenwechsel das 0:3 fiel, dürften Thuram (kein Saisontor) und Plea (drei) schon unter der Dusche gestanden haben. Dass beide zusammen in der vergangenen Saison 23 Pflichtspiel-Tore erzielt haben, klingt angesichts der Auftritte in den vergangenen Monaten fast wie eine Sage. Thuram dürfte die Borussen spätestens im Sommer verlassen, bei Plea drehen sich die Gerüchte aktuell um Newcastle United und Zenit St. Petersburg. Noch tragen sie allerdings das Gladbach-Trikot und müssen schauen, dass sie schleunigst wieder in die Spur finden, um dem Verein im Abstiegskampf weiterhelfen zu können.

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