Borussia Mönchengladbach: Alassane Plea und ein guter Plan bringen den 1:0-Sieg

Borussia-Angreifer : Plea macht den Unterschied

Mit großer Präzision vor dem Tor sorgte der Franzose Alassane Plea für Mönchengladbachs 1:0-Sieg bei Bayer Leverkusen. Seine Verlässlichkeit im Abschluss kann ein Garant für Europa sein für die Borussen.

Alassane Plea lächelte. „Es tut gut, die entscheidenden Tore zu machen“, sagte der französische Stürmer, der seit Anfang dieser Saison bei Borussia Mönchengladbach angestellt ist. Sein Treffer nach 37 Minuten brachte den Gladbachern den 1:0-Sieg bei Bayer Leverkusen sowie die Punkte 34,35 und 36 ein. Damit sind die Borussen Dritter. Und Plea hat mit seinen bisher zehn Saisontoren daran großen Anteil. Er machte in Leverkusen den Unterschied aus, weil er Bayer vormachte, was Konsequenz vor dem Tor bedeutet.

Der Werkself fehlte bei der Pflichtspielpremiere von Trainer Peter Bosz ein solcher Vollstrecker. Vor allem in der zweiten Halbzeit ließ Leverkusen mehrere gute Gelegenheiten liegen. „Mehr Chancen bekommst du gegen Gladbach nicht. Eine davon musst du nutzen“, sagte Bayers Sportgeschäftsführer Rudi Völler. Das Ergebnis sei enttäuschend, betonte der Weltmeister von 1990. Die Spielweise aber mache Hoffnung auf eine bessere Rückrunde. „Wenn wir unsere Leistung so wie gegen Gladbach abrufen, werden wir noch viele Punkte holen.“ Das mag vielleicht stimmen, ändert jedoch nichts daran, dass bei dem Bosz-Debüt der Plan von Hecking besser aufging.

„Wir wollten die Ketten im Zentrum überspielen, weil Leverkusens Sechser Charles Aranguiz oft auf unseren Sechser Tobias Strobl durchgedeckt hat. Lars Stindl konnte sich dann vorn zwischen die Abwehrreihe und das Mittelfeld fallen lassen, die Achter rücken nach und Lasso geht in die Tiefe – das hatten wir geplant und trainiert“, erklärte Gladbachs Jonas Hofmann. Sein halb freiwilliger Pass ebnete Plea den Weg, nachdem Nico Elvedi den Angriff mit seinem Zuspiel auf Stindl initiiert hatte und der Ball über Stindl und Plea zu Hofmann gekommen war. „Die erste Intuition war schon, dass ich mir den Ball selbst vorlege, als Wendell auf mich draufgesprungen ist. In dem Moment, als der Ball den Fuß verlässt, habe ich gesehen, dass Lasso wohl gedacht hat, dass ich ihm den Ball reinspiele“, gestand Hofmann. Er hätte den Plan selbst auch für seinen sechsten Saisontreffer nutzen können, doch beim nahezu einzigen gelungenen Konterzug nach der Pause schob er den Ball am langen Pfosten vorbei.

Plea arbeitete bei seinem Abschluss hingegen mit großer Präzision. Beim 3:1 gegen Frankfurt in der Hinrunde hatte er in einer ähnlichen Situation den Ball hart und hoch in die kurze Ecke geschossen, nun schob er das Spielgerät knapp am Standbein von Torwart Lukas Hradecky vorbei in die lange Ecke. „Der Winkel war schon sehr spitz, da lang und flach die Lücke noch zu sehen und zu treffen – Hut ab“, sagte Hofmann, der aber auch zugab, dass der Erfolg aufgrund der Leverkusener Überlegenheit nach der Pause durchaus glücklich gewesen sei.

Das „diagonale Tor“ in die lange Ecke ist derweil Pleas Spezialität, viermal schon führte er es in dieser Saison auf. „Wir trainieren das oft, der Trainer legt viel Wert darauf“, sagte Plea. Er widerlegt gerade nachhaltig, dass Borussia und Mittelstürmer nicht zusammenpassen. Allerdings auf Gladbacher Art. Denn Plea ist bei Hecking ein Mittelstürmer, der über den Flügel kommt, im Zentrum läuft derweil Stindl die Schusswege frei für den Kollegen. Der zweite Teil des Tor-Plans für Leverkusen war, Bayers Standard-Schwäche zu nutzen. Fast wäre auch der aufgegangen, doch Hradecky parierte Elvedis Kopfball nach Thorgan Hazards Ecke.

Mit Pleas Siegtor festigte Borussia Platz drei und die Champions-League-Ambitionen. Seine Verlässlichkeit im Abschluss kann ein Garant für Europa sein für die Borussen. Die haben 23 Millionen Euro ausgegeben und sind jetzt froh, dass Geld tatsächlich Tore schießt. „Man hat in der letzten Saison gemerkt, dass wir keinen Stoßstürmer hatten, der zehn bis 15 Tore pro Jahr garantiert. Das war ein Puzzleteil, das gefehlt hat“, sagte Abwehrchef Matthias Ginter im Interview mit unserer Redaktion vor dem Spiel, und prompt belegte Plea Ginters These mit Taten.

Gerade auswärts ist er wertvoll, gibt es da weit weniger Chancen als daheim, siehe jetzt in Leverkusen. „Ich habe auch in Nizza öfter auswärts getroffen, aber ich will natürlich auch im Borussia-Park noch viele Tore schießen.“ Damit will er bestenfalls am Samstag gegen Augsburg anfangen. Im Hinspiel erzielte er sein erstes Bundesliga-Tor beim 1:1. Nun hat er nach 18 Spielen zehn Tore beisammen, schneller schafften in Gladbachs Vereinsgeschichte nur vier Spieler ihr zehntes Bundesliga-Tor.

Plea ist dabei, in Gladbach Geschichte zu schreiben. Das Kapitel „Leverkusen“ trägt die Überschrift: „Der Matchwinner.“

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