Borussia Mönchengladbach: Ärger nach dem 0:1 beim 1:5 gegen Bayern

Nach Borussias 1:5-Niederlage gegen Bayern : Trainer Hecking kritisiert Videobeweis-Entscheidung zum 0:1

Nach der 1:5-Heimniederlage gegen den FC Bayern München bleibt bei Borussia auch der Streit um das 0:1: Javi Martinez leistet sich davor einen leichten Schubser gegen Nico Elvedi. Gladbachs Trainer Dieter Hecking hält den Treffer deswegen für irregulär.

Dieter Hecking hatte eigentlich gehofft, dass die frühen Gegentore, die Borussia im Laufe der Saison bereits beschäftigt hatten, der Vergangenheit angehören. Doch bei der 1:5-Heimniederlage gegen den FC Bayern München sah Gladbachs Trainer gleich zwei Gegentore nach jeweils 66 Sekunden jeder Halbzeit. Da die Gäste auch in der elften Minute erfolgreich waren, stand es so nach 46 Minuten und sechs Sekunden 1:3. Der Hoffnungsschimmer, den Lars Stindls zwischenzeitliches 1:2 zur Halbzeit noch geweckt hatte, war da schon wieder verschwunden. Am Ende musste Hecking eingestehen, dass die Niederlage „auch in der Höhe verdient“ war.

Das sah sein Gegenüber Niko Kovac, Trainer beim FC Bayern München, ebenso: „Die Höhe ist schon auch okay, aber wir sind froh, hier gewonnen zu haben und wünschen den Gladbachern alles Gute, dass wir nächste Saison gemeinsam in der Champions League spielen.“ Dafür muss Borussia allerdings den Negativtrend der vergangenen Wochen abstellen und vor allem wieder deutlich konzentrierter zu Werke gehen. „Es ist natürlich äußerst schwer, wenn du so in ein Spiel reingehst wie wir heute“, sagte Hecking und ergänzte in klaren Worten: „Das war naiv. Dazu gibt es nichts anderes zu sagen. Das ist naiver Fußball gewesen. Du kannst in der Bundesliga nicht so in ein Spiel reingehen, wir mussten ja schon nach 30 Sekunden 0:1 hinten liegen. Unabhängig davon, dass ich das erste Tor abgepfiffen hätte.“ Vor dem Treffer hatte Bayerns Javi Martinez Borussias Nico Elvedi ein wenig geschubst und so freie Bahn für seinen Kopfball aus fünf Metern gehabt. Dazu später mehr.

Hecking fuhr fort: „So kann man nicht spielen, so kann man nicht verteidigen. Dann haben wir das 0:2 bekommen – zu Hause gegen die Bayern nach zehn Minuten. Da mussten wir den Spagat hinkriegen, ob wir das Risiko erhöhen oder uns hinten reinstellen. Diesen Spagat hat die Mannschaft wirklich klasse bewältigt. Sie ist zwar enorm hohes Risiko gegangen, hätte sich auch zwei, drei Konter fangen können, bei denen uns Yann Sommer hervorragend im Spiel hält, aber wir haben die Bayern zumindest 20 Minuten beschäftigt und auch das Anschlusstor gemacht. Ich habe gehofft, dass wir mit dem 1:2 in die Halbzeit kommen, damit wir uns dann nochmal sortieren.“ So kam es, in der Pause sprach Hecking an, wo sein Team „den Anpack finden sollte für die zweite Halbzeit“. Und dann traf Robert Lewandowski weitgehend unbedrängt 66 Sekunden nach Wiederanpfiff zum 3:1 für die Münchner. „Da kannst du dir dann noch so viel vornehmen: Das ist nicht das, was wir brauchen, um gegen eine Mannschaft wie die Bayern das Spiel zu drehen. Da gibt es nichts schönzureden, so können wir nicht spielen, so dürfen wir nicht spielen“, sagte Hecking.

Eine Erklärung hatte Borussias Trainer für die Dublizität der beiden Halbzeiten nicht. „Die Spieler sind auch nur Menschen, die machen das nicht mit Absicht. Vor dem ersten Tor gibt es ein Abstimmungsproblem zwischen Alassane Plea und Christoph Kramer, vor dem 1:3 spielt Nico Elvedi einen Ball ins Zentrum, der abgefangen wird. Wir stehen aber trotzdem hinten Drei gegen Zwei, da darf man dann auch mal dazwischenfegen. Es ist nicht verboten, gegen die Bayern auch mal Foul zu spielen. Das ist das, was dann noch fehlt. Wenn das eine schmerzhafte Erfahrung ist, die wir schon gegen Berlin und Wolfsburg gehabt haben, sollten spätestens jetzt alle verstanden haben, was wir damit meinen. Man kann das eine oder andere Foul ruhig nehmen.“

Fehlende Aggressivität hatte auch das 0:1 begünstigt, als Elvedi sich doch arg einfach aus dem Weg räumen ließ. Der ehemalige Stürmer Hecking fand, dass sich Martinez in der Situation „einen klaren Vorteil verschafft“ habe. „Jeder, der mal Fußball gespielt hat, weiß, dass Nico da gar keine Chance mehr hat, irgendetwas zu retten“, ergänzte Borussias Trainer und merkte an: „Unsere Spieler haben gehofft, dass der Videobeweis auch ergibt, dass es ein Foulspiel ist. Wenn aber in Köln auch so entschieden wird, muss ich sagen: Dann können wir wieder alles machen im Strafraum. Das ist wieder dieser schmale Grat. Aber ich bleibe dabei: Für mich ist das, sich einen Vorteil verschaffen, und daher ist es kein reguläres Tor gewesen. Wir haben deswegen das Spiel nicht verloren, aber ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum der Videobeweis das in dem Fall hat durchgehen lassen.“

Nicht wirklich überraschend sah Kovac das anders: „Es ist ein leichtes Schubsen, aber das reicht für mich nicht aus, um das abzupfeifen. Das ist mir zu wenig, um dafür im Bundesligafußball einen Freistoß zu bekommen. Daher bin ich der Meinung, dass das ein reguläres Tor war.“ Hecking beharrte: „Da bin ich anderer Meinung.“ Für Kovac blieb die Erkenntnis: „Wir haben in der ersten und in der zweiten Halbzeit einen perfekten Start erwischt. Wir haben jeweils nicht die erste Chance genutzt, machen dann aber jeweils den Rebound zum 1:0 und 3:1. Das ist natürlich für Gladbach ein Schock.“

Dass es wieder so frühe Gegentore gab, war auch das, was Hecking mehr ärgerte als das eventuelle Foulspiel vor dem 0:1. „Wir hatten eine Phase in der Vorrunde, in der es das auch gab, in der dann gefragt wurde: ,Hat der Wecker nicht geklingelt vor dem Spiel?‘. Das kenne ich alles. Es geht darum, dass du das verteidigst, was du hast. Es war eine Riesen-Basis bei uns, dass wir über 21 Spieltage sehr gut verteidigt haben, dass wir sehr kompakt sind und daraus sehr aggressiv spielen können. Das ist uns in den letzten Spielen etwas verloren gegangen. Das muss wieder her. Und wir brauchen wieder die Entschlossenheit und Spielfreude nach vorne.“ Am besten schon nächsten Samstag ab 18.30 Uhr beim Gastspiel in Mainz.

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