Borussia Mönchengladbach: 12 Profis bei ihren Nationalteams

Nationalspieler auf Länderspielreisen: Borussen-Quartett fordert Teamkollegen heraus

Der Kader von Borussia ist in diesen Tagen ausgedünnt, allerdings aus einem guten Grund: Gleich 12 Profis sind auf Länderspielreise, zudem steht Torben Müsel auf Abruf bereit. In Brüssel könnte ein Borussen-Quartett auf einen Teamkollegen treffen.

Am Montagabend ging es Schlag auf Schlag bei Instagram. Den Anfang machte Ex-Borusse Granit Xhaka, dann folgten Denis Zakaria, Yann Sommer und Nico Elvedi, der zwischendrin mit dem ebenfalls ehemaligen Gladbacher Djibril Sow zu sehen gewesen war und nun als Erwiderungs-Gruß unter sein Bild auf Englisch „Gut, dich wiederzusehen, dsow8“ schrieb. Nur Michael Lang verzichtete auf ein Foto, das ihn bei der Ankunft seiner Nationalmannschaft zeigte, sonst wären alle nominierten Schweizer Borussen zu sehen gewesen. Einzig Josip Drmic, der bei der WM noch für die Eidgenossen getroffen hatte, wurde dieses Mal nicht von Nationaltrainer Vladimir Petkovic eingeladen. Drmic arbeitet derzeit an seiner Form, in den Kader für ein Pflichtspiel mit Borussia hat er es unter anderem wegen anhaltender Rückenbeschwerden noch nicht geschafft. So ist der aktuelle Gladbacher Anteil an der „Nati“ ein Quartett und kein Quintett.

Die Borussen mussten dabei einen Umweg fliegen: Von Mönchengladbach ging es ins rund 600 Kilometer entfernte Zürich, wo sich die Nationalspieler sammelten, am Freitag gastieren sie allesamt in Brüssel – das liegt nur rund 180 Kilometer von Gladbach entfernt, die Anreise hätte kürzer sein können für die Borussen. Verständlicherweise ruft Petkovic sein Team aber in der Heimat zusammen, um es auf das Duell am Freitag (20.45 Uhr) innerhalb der „Nations League“ gegen Belgien einzustimmen. Dann könnte das Borussen-Quartett, so es denn gemeinsam aufläuft, auf einen Teamkameraden treffen: Thorgan Hazard ist erneut in die belgische Nationalmannschaft berufen worden. Der WM-Dritte trifft nach dem Spiel gegen die Eidgenossen am Dienstag (20.45 Uhr), ebenfalls in Brüssel in einem Testspiel auf die Niederlande. Die Schweiz spielt schon am Montag (20.45 Uhr) in Island, auch das im Rahmen der Nations League.

In diesem wird auch Matthias Ginter voraussichtlich zum Einsatz kommen: Wenn man die starken Leistungen von Borussias Abwehrchef mit denen vergleicht, die seine Nationalmannschaftskonkurrenten Mats Hummels, Niklas Süle und Jérome Boateng zuletzt bei Rekordmeister Bayern München gezeigt haben (die beiden Erstgenannten unter anderem bei Borussias 3:0-Sieg in München), müsste sich für Ginter ein Platz in der Defensive Deutschlands finden lassen. Zuletzt agierte der 24-Jährige in der Nations League zweimal als Rechtsverteidiger einer Dreierkette und löste auch diese Aufgaben sehr gut. Eine Fortsetzung in den Spielen am Samstag in Amsterdam gegen die Niederlande und Dienstag (beide 20.45 Uhr) gegen Weltmeister Frankreich ist daher alles andere als unwahrscheinlich.

Neuhaus will sich einen Traum erfüllen

Ebenfalls für Deutschland, allerdings für die U21, ist ein Gladbacher Duo nominiert: Florian Neuhaus, der in dieser Saison in allen acht Pflichtspielen inklusive DFB-Pokal für Borussia auflief und insgesamt bereits starke fünf Vorlagen und ein Tor verbucht hat, sowie Reserve-Torwart Moritz Nicolas. DFB-Trainer Stefan Kuntz hat das Duo für die EM-Qualifikationsspiele am Freitag (20 Uhr) in Ingolstadt gegen Norwegen und am Dienstag in Heidenheim gegen Irland nominiert. Es sind die beiden letzten Partien auf dem Weg zum Turnier im kommenden Jahr in Italien und San Marino. Dem deutschen Team fehlt nach sechs Siegen in acht Spielen nur ein Erfolg, um das Ticket als Gruppensieger zu lösen. Neuhaus hatte vor wenigen Wochen im Interview mit unserer Redaktion noch gesagt, dass er auf seinem ersten Startelf-Einsatz für die U21 aufbauen wolle. Er erinnerte dabei auch daran: „Vor zwei Jahren wäre ich bei der U20-WM dabei gewesen, habe sie aber leider verpasst aufgrund der Relegation mit 1860. Eine U20-WM in Südkorea möchte vermutlich jeder Junge spielen, aber ich hatte diese Chance dann damals nicht. Aber klar: Irgendwann möchte ich ein Turnier spielen, diese Erfahrungen da sammeln und alles aufsaugen.“ Nun steht er mit der U21 kurz davor und seine starken Leistungen in Gladbach in dieser Saison dürften Trainer Kuntz nicht entgangen sein.

Ebenfalls für diese EM qualifizieren will sich die Slowakei, für die Laszlo Bénes nominiert ist. In dieser Saison ist der Mittelfeldmann bei Borussia noch nicht zum Zuge gekommen, für die Auswahl seines Heimatlandes war er zuletzt aber enorm wichtig: Im September traf er sowohl beim 1:0-Sieg gegen Nordirland als auch beim 3:2-Erfolg gegen Island. Nun geht es am Freitag daheim gegen Estland und am Dienstag (beide 20.30 Uhr) auswärts gegen Nordirland. Ebenfalls für die EM-Quali-Spiele gegen Polen am Freitag und die Faröer am Dienstag (beide 18 Uhr) wurde Andreas Poulsen ins Aufgebot der dänischen U21 berufen. Der Rechtsverteidiger, der zuletzt regelmäßig in Borussias U23 spielte, ist damit zum zweiten Mal berufen worden.

Für die Altersklasse U20 ist Michael Cuisance für Frankreich nominiert, sein Team tritt am Samstag (18 Uhr) in Belgrad bei FK Cukaricki an sowie am Montag (15 Uhr) an selber Stelle gegen die serbische B-Nationalmannschaft. In derselben Altersklasse steht Borussias Torben Müsel auf Abruf für die Länderspiele Deutschlands gegen die Niederlande (Freitag, 17.30 Uhr in Meppen) und gegen die Schweiz (Dienstag, 16 Uhr in Emden) bereit.

Und dann wäre da ja noch Ibrahima Traoré. Nachdem Borussias Flügelstürmer zuletzt in der Liga vor allem Kurzeinsätze verbuchte, hofft der 30-Jährige auf ein längeres Comeback nach seiner langen Verletzungspause für Guinea, das sich in der Qualifikation des Afrika Cups 2019 zweimal mit Ruanda misst: Am Freitag (18.30 Uhr) im heimischen Conakry und am Dienstag (15.30 Uhr) auswärts in Kigali. So ist Borussias Kader derzeit ausgedünnt, anders als oft in der Vorsaison aber nicht durch Verletzungen, sondern durch internationale Einsätze.

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