Borussia Mönchengladbach: 1. FC Nürnberg ist wichtiger als Borussia Dortmund

Mentalitätsprobe : Nürnberg ist für Borussia wichtiger als Dortmund

Borussia empfängt in der Bundesliga am Abend den 1. FC Nürnberg. Für die Fohlen ist das Spiel eine besondere Herausforderung. Sie müssen die schillernde Aufgabe, die am kommenden Wochenende wartet, ausblenden.

Als Dieter Hecking am Montag bei der Pressekonferenz zum letzten Heimspiel des Jahres gegen den 1. FC Nürnberg gefragt wurde, ob sich seine Spieler angesichts des nahenden Topspiels gegen Borussia Dortmund überhaupt richtig einstellen könnten auf das Treffen mit dem abstiegsgefährdeten Aufsteiger 1. FC Nürnberg am Dienstag, reagierte Borussias Trainer einigermaßen verschnupft. „Wir sind hier bei der Pressekonferenz zum Spiel gegen Nürnberg. Punkt“, stelle er klar, auch auf eine Nachfrage kam der Hinweis erneut und sonst nichts.

Tatsächlich scheint das Spiel bei der Namenscousine aus Dortmund, ohnehin eine der herausfordernsten Herausforderungen der Saison, riesengigantischgroß zu sein. Da ist das erste Pflichtspiel-Wiedersehen mit dem Gladbach-Retter und -Erwecker Lucien Favre, da ist Marco Reus, der frühere Super-Borusse, der nun beim BVB der große Anführer ist. Ja, der Erfolg des BVB 2018 hat in dieser Saison Wurzeln auch in Gladbach. Und dann ist es vor allem das Duell zweier Überflieger der bisherigen Saison, zweier Teams, die mit ihrem Fußball begeistern und erfolgreich sind. Ein Leckerbissen.

Da wirkt der Besuch des 1. FC Nürnberg, mithin Heckings „Ex“, vergleichsweise winzig. Es ist ein bisschen wie in einer Europapokal-Saison: Da die magischen Nächte auf internationaler Ebene, dort der Alltag Bundesliga. Zumal das Nürnberg-Spiel umrahmt ist von den Vergleichen mit zwei Klubs, die in Champions League unterwegs sind bzw. waren: Am Samstag spielte Borussia bei 1899 Hoffenheim, nun geht es eben am Freitag zum BVB.

Aber vor Dortmund ist nun mal Nürnberg. Und genau genommen ist das Spiel für Gladbach sogar das wichtigere der beiden übrig gebliebenen dieses Jahres. Es gilt erneut, geduldig zu sein, seriös und erfolgreich. Bis jetzt hat Borussia die Spiele gegen die vermeintlichen Kleinen gut hingekriegt, sie selbst kann sich also ein Vorbild sein. Am Dienstag ist es wie immer in dieser Konstellation: Borussia kann nur verlieren. Hecking weiß das und daher will er nicht zulassen, dass das Gefühl aufkommt, Nürnberg als Nebenbeispiel zu sehen. Schon ein Prozent weniger fokussiert sein kann fatal sein. Borussia hat das „Von-Spiel-zu-Spiel-Denken“ mit Nachdruck neu belebt und will es im Jahres-Schlussspurt nicht aufgeben.

Denn Borussia kann eben auch viel gewinnen gegen den „Club“: Die Heimbilanz ist beeindruckend und die Basis für den Aufschwung. Gewinnt Gladbach auch das achte von acht Heimspielen in der Hinrunde wäre das nicht nur ein Rekord, sondern auch ein Statement: an die Konkurrenz, aber auch an sich selbst: „Ja, wir können in dieser Saison etwas Besonderes schaffen.“

In den vergangenen Spielzeiten fehlte hinten raus immer etwas, auch darum geht es am Dienstag: Borussia sollte mit allen Mitteln verhindern, mit dem Eindruck ein unbefriedigenden Heimspiels in die Pause zu gehen. Das würde den Gesamteindruck überschatten. 2018 gab es bislang elf Siege in 15 Spielen, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen, die eine gegen RB Leipzig, die bislang letzte am 18. Februar gegen Borussia Dortmund. Seither wurden zwölf Spiele nicht verloren und zehn in Serie gewonnen.

Borussia sollte dem 1. FC Nürnberg, der in der Fremde viel, viel Lehrgeld bezahlt hat in dieser Saison, nicht erlauben, den Trend zu stoppen. Zudem geht es darum, die Ausgangslage für die Rückrunde weiter zu optimieren. 33 Punkte wäre ebenfalls ein Statement in alle Richtungen. Darum hat Hecking Recht, wenn er klar macht, dass es nur eines geben kann: Nürnberg ist nicht vor Dortmund, sondern Nürnberg ist Nürnberg und sonst nichts.

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