Borussia Mönchengladbach - 1. FC Köln: Chronologie der Ultra-Rivalität

Chronologie der Rivalität : Immer wieder Fan-Ärger zwischen Köln und Gladbach

2008 war es ein Fahnenklau, der der Rivalität zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln eine zeitweise verheerende Richtung gab. Dann blieb es zwei Jahre lang weitgehend ruhig. Nun stehen erneut die unschönen Seiten des Derbys im Fokus. Eine Chronologie der Ereignisse.

Früher duellierten sich die beiden Vereine um Titel, später um den Wiederaufstieg in die Bundesliga. Seit Jahrzehnten sind sich Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln in inniger Abneigung verbunden. 88 Bundesligaspiele (Stand August 2019) gab es bislang zwischen den beiden Traditionsvereinen.

Fast genauso lang wie die Liste der sportlichen Anekdoten ist mittlerweile die Liste der unsportlichen Auseinandersetzungen zwischen den Fanlagern: Pyro-Aktionen, martialische Choreographien, Schlägereien, Busangriffe, Fahnendiebstähle und Platzstürme sind spätestens seit 2008 ein teils unwürdiger Teil der rheinischen Derby-Rivalität. Ein Überblick:

20. März 2008: Kölner Ultras erbeuten Gladbach-Fahne

Die Ultras Mönchengladbach verlieren das „Herzstück der Gruppe“ an den Erzfeind. Drei Kölner waren in den Fahnenraum der Ultras im Stadion gelangt und hatten dort die größte Zaunfahne der Borussia-Ultras entwendet. Darauf erklärten die Ultras Mönchengladbach am 20. März 2008 ihre Auflösung.

7. April 2008: Gladbach-Fahne wird in Köln präsentiert – Borussia-Anhänger zündeln

Die erbeutete Fahne wird drei Wochen später beim Zweitliga-Derby im Müngersdorfer Stadion (1:1) in der Kölner Südkurve präsentiert. Daraufhin zünden die Borussia-Ultras im Gästeblock massiv Pyrotechnik. Am Saisonende steigen beide Vereine in die Bundesliga auf. Die aufgelösten Gladbacher Ultras sammeln sich zur neuen Saison unter dem Namen „Block 1900“ nicht mehr im Unterrang der Nordkurve sondern in Block 19, in einer Ecke des Oberrangs. Es gründet sich unter anderem die heute größte Gladbacher-Ultragruppe „Sottocultura“.

4. Oktober 2008: Verspäteter Anstoß nach Ausschreitungen

Gladbacher Hooligans schießen Leuchtraketen auf Shuttlebusse mit Kölner Fans. Die wiederum befreien sich, indem sie Scheiben kaputtschlagen. Rund 200 von ihnen versuchen daraufhin, das Gladbacher Fanhaus zu stürmen, was die Polizei verhindert. Das Spiel (1:2 für Köln)beginnt später, weil wichtige Anfahrtswege zwischenzeitlich gesperrt sind.

14. März 2009: Versuchter Blocksturm in Köln

Auf dem Weg zum Rückspiel in Köln wird eine Straßenbahn, in der Gladbacher Fans sitzen, mit Leuchtraketen beschossen. Zudem gibt es Schlägereien vor dem Stadion und Kölner Hooligans versuchen, den Gästeblock zu stürmen. Das Spiel gewinnt die Borussia 4:2.

24. Oktober 2009: Alkoholverbot und G20-Zustände

Rund um den Borussia-Park gibt es ein striktes Alkoholverbot. Die Sicherheitsmaßnahmen der Polizei erreichen ein trauriges Ausmaß, das mehr einem G20-Gipfel als einem Fußballspiel gleicht. Es bleibt dafür weitgehend friedlich. Auch auf dem Rasen tut sich beim 0:0 nicht allzu viel.

4. März 2012: Kölner drängen Gladbacher Fanbus ab und werfen Steine

Gladbach hat an diesem Nachmittag in Nürnberg gespielt, Köln in Hoffenheim. Auf der A3 drängen Mitglieder der Kölner Ultra-Gruppierung "Wilde Horde" einen mit sogenannten Gladbacher "Normalos" besetzten Fanbus auf einen Rastplatz ab. Mit Baseballschlägern und rot-weiß angemalten Pflastersteinen greifen sie den Bus an. Die Gladbach-Fans entkommen zumindest körperlich unversehrt. 2015 werden drei inzwischen ehemalige Mitglieder der "Wilden Horde" zu Bewährungsstrafen verurteilt. Nach der Attacke auf der Autobahn entzieht der FC der Ultra-Gruppierung ihren Fanklub-Status. Bei einer Razzia stellt die Polizei Baseballschläger, Gasrevolver, Vermummungsmaterial, Rauschgift und hochexplosives Bengalisches Feuer sicher.

21. September 2014: Angriff vor Kölner Südkurve

Vor dem Derby (0:0) greifen rund 60 Gladbacher Ultras gezielt Kölner Fans auf der Jahnwiese vor der Kölner Südkurve an. Die Lager gehen unter anderem mit Dachlatten aufeinander los, mehrere Fans werden verletzt. Insgesamt 93 Personen landen zwischenzeitlich in Gewahrsam. Vor Anpfiff des Spiels (0:0) zeigen die Kölner in der Südkurve eine Choreographie mit einem abgerissenen Fohlenkopf samt Gladbach-Schal. Außerdem wird eine - vor Spiel am Gladbacher Fanprojekt entwendete – Plane in der Kölner Kurve gezeigt. Gladbacher Ultras wiederum hatten in der Woche vor dem Spiel eine Halle der Kölner Rivalen attackiert, in der die Choreo vorbereitet worden war.

14. Februar 2015: Platzsturm im Borussia-Park

Granit Xhaka hat gerade in der Nachspielzeit den 1:0-Siegtreffer für Gladbach erzielt, als rund 30 Kölner Hooligans den Platz stürmen. Sie tragen weiße Maleranzüge - es ist Karnevalssamstag. Auf dem Rasen kommt es zu Jagdszenen und Handgreiflichkeiten. Der 1. FC Köln wird hart bestraft: In drei Heimspielen dürfen knapp 3000 Fans weniger ins Stadion, zudem muss der Verein 200.000 Euro zahlen. Die für den Vorfall verantwortlich gemachte Ultragruppe „Boyz“ erhält in der Folge ein kollektives Stadionverbot vom Verein.

19. September 2015: Kartenentzug sorgt für leeren Gästeblock

Die meisten Gladbach-Fans boykottieren das Derby in Köln, weil sie weniger Karten als sonst zur Verfügung gestellt bekommen haben und die Tickets nur personalisiert verkauft werden. Vor dem beinahe leeren Gästeblock hängt ein Transparent mit der Aufschrift "Wollt ihr das?". 500 zu Hause gebliebene Fans nehmen an einem Protestmarsch vom Fanhaus in die Gladbacher Altstadt teil. Borussia verliert 0:1, es ist das letzte Spiel von Lucien Favre.

20. Februar 2016: Kölner Fans demonstrieren in Mönchengladbach

Diesmal sind es die Kölner Fans, die demonstrieren - in Rheydt. Ihr Kontingent ist halbiert worden, die aktive Kölner Fanszene bleibt dem Spiel fern. Auch die Gladbacher Ultras reagieren, in ihrem Fall mit einem Stimmungsboykott. "Ein Derby ohne Gegenüber ist für uns schlicht und ergreifend kein richtiges Derby!", heißt es in einer Mitteilung.

14. Januar 2018: Kölner klauen erneut Gladbach-Fahne

Dreimal volles Karten-Kontingent, dreimal keine Randale, dreimal sportliche Hochspannung - zwei Jahre lang hat beim Derby das Geschehen auf dem Rasen im Mittelpunkt gestanden. Dann klauen Kölner Ultras – als Ordner verkleidet – die Fahne der Gladbacher Ultra-Gruppe „Scenario Fanatico“ vom Zaun des Gästeblocks. Die Täter flüchten über den Platz und verschwinden in der Südkurve. Daraufhin versuchen Gladbacher Ultras den Platz zu stürmen und demolieren später die Herrentoiletten im Gästeblock.

31. März 2018: Boyz-Fahne geklaut – Gruppe löst sich auf

Nur knapp zwei Monate nach dem Kölner Fahnendiebstahl spielt der FC in Hoffenheim. Vor dem Anpfiff wird im Gästeblock Rauchpullver gezündet. Währenddessen klettert eine Gruppe junger Männer von den benachbarten Sitzplätzen an den Zaun des Gästeblocks und entwendet dort die Fahne der Ultragruppe „Boyz“. Die Täter entkommen, die berüchtigte Kölner Gruppe gibt später ihre Auflösung bekannt.

9. Mai 2019: Gladbacher Ultras vor dem Borussia-Park attackiert

Etwa 15 Kölner Ultras fahren mit einem Kleintransporter vor dem Borussia-Park vor und attackieren dort Borussia-Ultras, die gerade Fahnen und Banner für ein anstehendes Auswärtsspiel packten. Dieses Material war das mutmaßliche Ziel der Angreifer, die jedoch lediglich Spraydosen erbeuteten und flüchteten. Daraufhin folgten die Borussia-Anhänger dem Kleintransporter, wurden aber ihrerseits von der Polizei gestoppt, während die Kölner Ultras entkamen. Verletzt wurde bei der Attacke niemand.

24. August 2019: Erneuter Angriff in Mönchengladbach

Drei Wochen vor dem nächsten Derby geraten im Gladbacher Ortsteil Neuwerk erneut Borussia- und Köln-Anhänger aufeinander. Zuvor war ein Bus mit Gladbacher Ultras durch Kölner Pkw gestoppt worden, ehe die beiden Lager aufeinander losgingen. Ein Kölner Fan wurde bei der Auseinandersetzung abseits der Lanstraße 390 schwer verletzt. Die Polizei kontrollierte in der Folge mehrere Fahrzeuge und stellte Vermummungsmaterial sicher, Festnahmen wurden nicht bekannt.

(jaso & cbo)
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