Borussia Mönchengladach hat mit den FC Schalke 04 noch eine Rechnung offen

Sieg wäre ein Ausrufezeichen : Borussia hat mit Schalke noch eine Rechnung offen

In den vergangenen Duellen gegen den FC Schalke war die Borussia gefühlt stets die bessere Mannschaft, ging aber trotzdem nie als Sieger vom Platz. Am Samstag soll die offene Rechnung beglichen werden.

Wahrscheinlich war es nur ein Loch im Rasen, vielleicht aber auch die Schnauze eines neugierigen Maulwurfs. Jedenfalls prallte der Ball, geschossen vom Schalker Leon Goretzka recht seltsam vom Boden ab und hoppelte über den abwehrbereiten Arm von Yann Sommer, tätig als Torhüter bei Borussia Mönchengladbach, hinweg ins Tor. Das war das 1:2 der Schalker im zweiten Europa-League-Achtelfinale, das das Los den West-Klubs beschert hatte, und der erste Schritt für Blau und Weiß in die nächste Runde. Das letztendliche 2:2 reichte. Für die Gladbacher ist die Szene ein Teil jener Schalke-Geschichte der jüngeren Vergangenheit, die Trainer Dieter Hecking nun sagen ließ: "Es gibt offene Rechnungen."

Das klingt nach Ärger und Missstimmung, doch geht es einfach darum, dass die Borussen gefühlt immer ein bisschen besser waren als der Konkurrent aus dem Ruhrpott, gleichwohl aber nicht siegten. Die Maulwurf-Theorie, ein seltsamer Elfmeter, dann, im Hinrunden-Spiel dieser Saison, ein Eigentor der Gladbacher und ein zurückgenommener Strafstoß — das sind die Indizien, die Hecking zu seinen Schlussfolgerungen kommen lassen. "Wir haben in den zurückliegenden drei Partien gegen Schalke nicht verloren — aber auch nicht gewonnen. Es waren immer enge Spiele, in denen wir uns fast immer ein bisschen benachteiligt gefühlt haben — im Europokalspiel hier zu Hause und auch im Bundesliga-Hinspiel. Letzteres war vielleicht ein kleiner Knackpunkt für uns. Wenn wir diese Begegnung gewonnen hätten, weiß ich nicht, ob der Saisonverlauf nicht ein anderer gewesen wäre", erklärte Hecking.

Dass die Borussen zudem der Meinung sind, dass die Schalker etwas mehr Spielglück haben als sie selbst, kommt hinzu. "Die Schalker spielen eine großartige Saison", sagte Manager Max Eberl, fügte hinzu: "Wie sie ihre Punkte holen, ist bemerkenswert." Der extreme Pragmatismus der Mannschaft von Domenico Tedesco ist damit gemeint, wohingegen Heckings Borussen mit der Effektivität so ihre Probleme haben — und auch deswegen 13 Punkte weniger haben als die Schalker.

Gerade dieses Duell taugt für eine Stil-Debatte, die, aus Sicht der Erfolgreichen, immer auch als Neid-Debatte daherkommt. "Eine Mannschaft mit viel Struktur trifft auf eine Mannschaft, die Fußball spielen will", merkte Eberl an. Gladbachs Verteidiger Jannik Vestergaard befand, dass "die nicht besser sind als wir". Dass die Schalker ganz anderer Meinung sind in allen Anklagepunkten, ist logisch. Sein Schalker Pendant Naldo stellte klar: "Glück ist das nicht. Zum Glück gehört auch, dass wir Leistung zeigen".

Beim 3:0 gegen Wolfsburg war das zuvor holprig gewordene Borussen-Tiki-Taka wieder in voller Schönheit zu besichtigen, zumindest vor der Pause. Auf ihre Spielweise sind die Gladbacher stolz. Schalke hingegen steht hinten sehr sicher und hat vorn echte Mittelstürmer, die tun, was Mittelstürmer tun sollten: ihre Chancen eiskalt nutzen.

Vor allem aber ist Schalke auf dem Weg in die Champions League, die mit einem Heimsieg am Samstag fix gebucht wäre, während die Borussen nur noch geringe Chancen haben auf eine Europa-Tour in der neuen Saison. Da ist dann wieder die Gretchenfrage des Fußballs: Das schöne Spiel oder der Erfolg, was ist wichtiger? Beides soll es bestenfalls sein, das werden die Fans in Schalke und Gladbach sagen, doch am Ende liegt die letzte Wahrheit doch eher in der Tabelle. "Nichts ersetzt Siege", weiß auch Hecking.

Ein Sieg wäre für sein Team eine ein Ausrufezeichen im Schlussspurt. Wobei es den Borussen auch darum geht, ihr Ding zu machen, also gut zu spielen. Gelingt das, gepaart mit Erfolg wie gegen Wolfsburg, wäre wohl die offene Rechnung beglichen. Misslingt es aber, dürfte es das schon wieder gewesen sein mit der gerade wieder aufgekeimten Hoffnung, vielleicht noch Frankfurt oder Leipzig, die beiden Konkurrenten, die über den Borussen wankelmütig scheinen, abzufangen. Um das zu schaffen, würden die Borussen auch die Hilfe eines Maulwurfs in Anspruch nehmen.

(kk)