Borussia Mönchenglabach: Thorgan Hazard ist Experte für den Pokal

Doppelt so torgefährlich wie in der Liga: Hazard ist Borussias Pokal-Experte

Thorgan Hazard kann Pokaltore und Elfmeter. Qualitäten, die im beim Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen <a href="http://www.rp-online.de/app/live-ticker/dfbpokal.php#/live-e959364" target="_blank">(Mittwoch, 18.30 Uhr/Live-Ticker)</a> durchaus gefragt sein könnten.

Thorgan Hazard hofft. Darauf, dass die Beziehung zwischen Borussias Team und den eigenen Fans morgen, wenn es im Pokal-Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen geht, wieder besser ist als zuletzt beim 3:1 gegen den Hamburger SV. Da hatte es Pfiffe gegeben. Dass es die gab, konnte Hazard nicht nachvollziehen. Als Raffael dann das 2:1 erzielte, legte der Belgier den Zeigefinger auf die Lippen, um zu zeigen: Nicht pfeifen, Leute, es gibt keinen Grund.

Später erklärte er, was ihn störte an der Stimmung im Borussia-Park. "Die Fans sollten der Mannschaft helfen. Auf diese Weise tun sie das nicht. Als wir dann das 2:1 und das 3:1 gemacht haben, waren alle wieder happy. Es ist so im Fußball: Wenn du gewinnst, bist du gut, wenn nicht, bist du nicht gut. Wir hatten zwei 18-Jährige dabei - für die ist es schwierig, wenn gepfiffen wird. Und wir können auch nicht immer nur nach vorn spielen, wir müssen auch mal die Ruhe bewahren und den Ballbesitz ausspielen. Das müssen die Fans verstehen", sagt Hazard.

Es gehört zu seinem neuen Selbstverständnis als Führungsspieler im Gladbacher Ensemble, zu derartigen "politischen" Themen Stellung zu nehmen. Er war lange eher ein stiller Vertreter, zog sich bei Interviews zurück ins Englische. Nun spricht er Deutsch und sagt, was er denkt. Wie am Freitagabend. Da gab es klare Worte von Hazard. Auch, was das Pokalspiel angeht (18.30 Uhr, nur beim Bezahlsender Sky live zu sehen). "Wichtig ist, dass wir im Pokal weiterkommen, dafür werden wir alles tun. Es geht ja auch darum, sich mit einem Sieg aus dem Jahr 2017 zu verabschieden", sagte Hazard.

Damit ist die Vorgabe klar. Und klar ist auch, dass Hazard bei der Umsetzung hilfreich sein kann. Er ist ein Pokal-Experte, das zeigt seine Gladbach-Biografie. In der Liga trifft er alle 333 Minuten, in Pokalwettbewerben (inklusive Europapokal) alle 164. Und in elf DFB-Pokal-Partien für Gladbach erzielte Hazard fünf Tore. Das letzte brachte den 1:0-Sieg bei Fortuna Düsseldorf in der zweiten Runde. Im ersten Pokalspiel in Essen legte er Raffael das Siegtor auf.

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Eben dieser Raffael, gegen den HSV noch doppelter Torschütze, wird wohl gegen Bayer fehlen. Die Wade des Brasilianers schmerzt. Auch Nico Elvedi, der gegen die Hanseaten einen Pferdekuss einsteckte, wird wohl nicht fit werden. Fraglich ist weiterhin Christoph Kramer, der wie insgesamt neun Borussen, gestern beim Training fehlte. Fällt Raffael aus, könnte Hazard ins Zentrum wechseln an die Seite von Kapitän Lars Stindl. Patrick Herrmann (ohnehin ein Leverkusen-Experte mit sechs Tore und zwei Vorlagen in zwölf Spielen) und Vincenzo Grifo wären dann die Flügel-Optionen. Es wäre das Offensiv-Quartett, das gegen 1899 Hoffenheim (3:1) stark spielte. In Sinsheim machte Hazard das wichtige 1:1.

Er ist Borussias bester Scorer mit insgesamt 14 Punkten, leicht aber hätte sein Torkonto schon zweistellig sein können. Doch ließ er einige Großchancen liegen. Trotzdem ist es bisher seine Saison. Nicht nur wegen seiner Tore, sondern weil er weit mehr Verantwortung übernimmt als zuvor. Bei Elfmetern zum Beispiel. Alle vier, die er geschossen hat, hat er verwandelt, teilweise sogar nach langen Videobeweis-Wartezeiten. In Hannover war es die letzte Minute, in der er danach das 2:1 erzielte. Die Szenerie hatte etwas vom Showdown im Elfmeterschießen. Hazard, den Trainer Dieter Hecking "Eisvogel" nennt, blieb cool. Die Probe aufs Exempel für morgen?

Dass es ein enges Spiel werden wird, ist anzunehmen. Zweimal schon (1992, 2010) gab es zwischen beiden rheinischen Rivalen ein Elfmeterschießen um die nächste Runde. Dieses Mal geht es den Borussen zudem darum, etwas zurechtzurücken. "Es ist ein anderes Spiel, ein Pokalspiel. Aber natürlich hat man das 1:5 im Kopf", sagte Hazard. Dieses seltsame Treiben, bei dem die zweite Halbzeit ein Desaster war, ist fast genau zwei Monaten her. Hazard vergab kurz nach der 1:0-Führung, die er selbst vorbereitet hatte, die große Chance zum vielleicht vorentscheidenden 2:0. Dann nahm die Geschichte nach der Pause ihren Lauf. Auch er selbst hat gegen Leverkusen also etwas aufzuarbeiten. Sein Experten-Wissen im Pokal und beim Elfmeter könnte da sehr hilfreich sein.

(kk)