Borussia Möchengladbach: Lob für Florian Neuhaus und Jonas Hofmann

Borussias Sieg gegen Augsburg : Hofmann und Neuhaus sammeln Pluspunkte

Offenisv präsentierte sich Borussia beim 2:1 gegen Augsburg in guter Form. Raffael, Fabian Johnson und Ibrahima Traroé sind „on Fire“. Vor allem aber zeigten Siegtorschütze Jonas Hofmann und Florian Neuhaus, welche Idee hinter der Doppel-Acht steckt.

Testspiele sollte man nicht überbewerten, natürlich. Sie sind Momentaufnahmen in der Vorbereitung, gehobene Übungseinheiten gegen ebenfalls unfertige Gegner. Und doch sind es wichtige Hinweise für Trainer, Standortbestimmungen, und für die Spieler quasi Bewerbungsgespräche im Kampf um die Plätze im Team.

Borussias 2:1 gegen den FC Augsburg auf dem Trainingsplatz am Birkenmoos in Rottach-Egern war in sportlicher Sicht ein gelungener Test für die Gladbacher. Erstens, weil aus einem 0:1 ein 2:1 gemacht wurde durch die Tore von Tobias Strobl und Jonas Hofmann, das ist gut fürs Gemüt. „Nichts ersetzt Siege“, pflegt Dieter Hecking zu sagen, zumal, wenn sie nach einem Rückstand zustande kommen, sind sie auch ein Moralfaktor. Und zweitens, weil die Borussen „einige sehr schöne Spielzüge“ auf den Rasen brachten, wie Hecking anmerkte. Der schönste war der doppelte Doppelpass den Ibrahima Traoré zunächst mit Florian Neuhaus und Fabian Johnson inszenierte, dann aber den Ball über das Tor trat.

Doch der Abend brachte auch Trübsal. Denn Lazslo Bénes verletzte sich am rechten Oberschenkel, am Freitag wird eine Kernspinuntersuchung ergeben, wie schwer es den jungen Slowaken, der so tatendurstig war in der bisherigen Vorbereitung, erwischt hat. Die Bilder gleich nach der Szene, in der er sich verletzte, lassen nichts Gutes erahnen, er weinte bitterlich. „So wie Laci reagiert hat, müssen wir davon ausgehen, dass er nicht nur eine leichte Zerrung hat und vielleicht länger ausfällt“, sagte Hecking.

Auch Florian Neuhaus erhielt Extralob vom Trainer. Foto: Dirk Päffgen

Die Bénes-Verletzung zeigt, wie schnell es gehen kann, immerhin ist es nach Michael Lang schon der zweite Ausfall in der Woche am Tegernsee. Bitter ist es für beide, denn das „sehr gute Testspiel“, wie Hecking befand, zeigte auch, dass der Konkurrenzkampf im vollen Gange ist und Ausfallzeiten richtig weh tun. Wie schon beim 3:2 gegen Betis Sevilla in Bochum war es vor allem die Offensive, die zu gefallen wusste.

Raffael macht einen sehr durchtrainierten und ausgeruhten Eindruck in dieser Vorbereitung. Früher war er in der vorsaisonalen Phase oft zurückhaltend, doch jetzt ist er absolut „on Fire“. Auch der „Maestro“ weiß, dass die Stammplätze nicht ohne Weiteres vergeben werden. Zusammen mit Johnson und Traoré, die beide ebenfalls sehr gute Ansätze zeigen in der Vorbereitung, zog Raffael gehörig auf gegen Augsburg: schnell und geradlinig kam das Trio daher. Johnson hatte Pech mit einem Lattentreffer (aufgrund einer vermeintlichen Abseitsstellung hätte das Tor aber nicht gezählt), Raffael bei seinem Fernschuss und Traroé eben in der zuvor erwähnten Szene.

Defensiv gilt es, stabiler zu werden. „Das 1:0 der Augsburger sollte in der Form nicht passieren, weil wir in Überzahl waren“, monierte Hecking. Tobias Strobl spielte mit Tony Jantschke und später Florian Mayer im defensiven Zentrum, da war nicht immer alles im Reinen. „Das Gegentor war zu einfach, dann war da noch ein Weitschuss an den Pfosten, bei dem wir schneller raustreten mussten“, sagte Hecking. Am Sonntag gegen Ingolstadt werden Matthias Ginter und Nico Elvedi, die als Erst-Besetzung in der Innenverteidigung eingeplant sind, eine Halbzeit vorspielen.

Strobl zeigte bei seinem Treffer jedoch regelrechte Mittelstürmer-Qualitäten, zudem war es ein langer Einwurf von Andreas Poulsen, dem nach der Pause eingewechselten neuen Dänen, der dem 1:1 vorausging. Strobl verlängerte dabei den Ball, der später auf Umwegen von Raffael zu ihm zurückkam. Einwürfe dieser Art könnten künftig eine größere Rolle im Plan der Gladbacher spielen.

Die meisten Pluspunkte haben aber Hofmann und Neuhaus eingesammelt. Sie bildeten vor Christoph Kramer, dem Single-Sechser, eine sehr vitale, laufstarke und kreative Doppel-Acht im 4-3-3-System. Beide spielten immer wieder sinnvolle Pässe in die entscheidenden Zonen, zum Beispiel bediente Hofmann Johnson vor dessen Lattenschuss und beim 2:1-Siegtor durch Hofmann war Neuhaus der Passgeber.

„Wir haben auf der Position eine Riesenauswahl und viel Qualität. Gegen Augsburg haben die beiden dort gespielt und waren lange auf dem Platz, weil ich sehr zufrieden mit ihnen war. Das ist genau das, was wir wollen: die beiden haben eine Duftmarke gesetzt, jetzt sind die anderen am Sonntag gegen Ingolsstadt gefordert“, sagte Hecking. Dass Hofmann vor dem Tor cool blieb, anders als oft zuvor, kam hinzu. „Es ging dabei aber gar nicht um den Abschluss, sondern darum, dass er in den Raum geht, in den der gute Pass kommt. Das ist genau, was die Achter machen müssen, wenn wir so spielen: Sie müssen aus der Tiefe mit Tempo kommen. Das ist die Spielidee, Wenn man dann noch Tore macht, ist es umso besser“, sagte Hecking.

Resümee: Es war ein Spiel, das zeigt, wie die Idee für Borussias Offensive ist, und dass es im 4-3-3-System fünf Männer gibt, die für Kreativität und Tore zuständig sind. Dass der FC Augsburg, in der Bundesliga einer der für Gladbach sehr unangenehmen Gegner, mit kämpferisch-spielerischen Mitteln besiegt wurde, zeigt, dass es funktionieren kann. Allein die Bénes-Verletzung tut doppelt weh: Weil ein begabter Spieler wohl wieder einige Zeit fehlen wird und weil das Verletzungspech offenbar sehr hartnäckig ist bei Borussia.

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