Borussia Möchengladbach: Kapitän Lars Stindl hofft auf ein schnelles Comeback

Borussias Kapitän : Stindl arbeitet an seinem Comeback

Lars Stindl ist wieder auf dem Platz, aber nach seinem Syndesmosebandriss noch in der Reha. Wann Borussias Kapitän wieder fit ist, ist offen.

Lars Stindl schaut entschlossen. Er macht Schritte, die ein wenig mechanisch aussehen. Ein paar Meter entfernt imitiert Torwart Tobias Sippel auf dem Nebenplatz der Sportanlage am Birkenmoos in Rottach-Egern seine Bewegungen. Stindl schickt eine Beschwerde-Geste hinüber zum Kollegen, beide grinsen.

Borussias Kapitän  arbeitet an seinem Comeback. Es soll so schnell wie möglich passieren, doch es ist ein langer Weg, das weiß er. Er hofft, dass es nach der ersten Länderspielpause Mitte September soweit ist, doch noch ist alles Spekulation. „Bis jetzt sind die Reha und die Heilung gut verlaufen. Ich habe einen Plan, aber keinen Fixpunkt, wann ich wieder fit sein werde“, sagt der 29-Jährige.

Am 28. April ist das Syndesmoseband im linken Sprunggelenk gerissen beim 1:1 auf Schalke im Zweikampf mit Thilo Kehrer. Stindls WM-Traum platzte in dieser Sekunde. „Mir wurde eine Riesenchance genommen“, sagt er nun. Er wirkt energisch, doch man spürt, das da die Ungewissheit ist. „Wir werden sehen, wie es weitergeht, es braucht seine Zeit“, sagte Stindl.

Er ist das erste Prestigeprojekt der neu sortierten medizinischen Abteilung. Stindl spürt das. „Es gibt viele Nachfragen während meiner Einheiten“, sagt er. Andreas Schlumberger, der Supervisor der medizinischen Abteilung, war auch am Dienstag oft bei Stindl, als dieser seine Übungen absolvierte.

Es tut Stindl „gut, auf dem Platz zu sein. So „kann ich ins Team reinhören“. Als Kapitän will er da sein für die Mannschaft, die sich verändert hat, die auch noch nicht fertig ist. Trainer Dieter Hecking spricht viel mit dem Borussen-Boss a. D., auch darüber, wo er ihn sieht im neuen 4-3-3. „Es gibt viele Möglichkeiten für mich in diesem System. Es passt gut zu unserer Mannschaft“, findet Stindl. Diese wird ohne ihn in die Saison starten, wie viel von der Hinrunde er mitmachen kann, ist offen.

Stindl weiß, wie es ist, wenn das Syndesmoseband reißt, das ist ihm schon einmal passiert, in Hannover, damals war es das rechte Sprunggelenk. Die Verletzung ist daher wie ein guter Bekannter für ihn, leider, daher kann „ich die Situation einschätzen“. Dass auch der Kopf eine Rolle spielt, wenn das Gelenk wieder okay ist, ist anzunehmen, „aber das kann ich ausblenden“, sagt Stindl. Doch er muss erstmal zurück sein. Im Teamtraining, in der Mannschaft...

Vor einem Jahr um diese Zeit war er Nationalspieler geworden und in Russland Confed-Cup-Held, weil er im Endspiel gegen Chile das entscheidende Tor schoss. Nun war er Zuschauer bei der WM. Er wäre gern dabei gewesen, auch wenn es so mies gelaufen ist für das DFB-Team. Was derzeit passiert, lässt Stindl unkommentiert. Zu Mesut Özil, sagt er nur: „Ich komme gut mit ihm aus, er ist ein hervorragender Fußballer. Die Diskussion hat ein großes Ausmaß angenommen.“

Stindl wird sich dezidierte Gedanken gemacht haben zu dem Thema, doch die behält er für sich. Er will sich auf sein Comeback konzentrieren, danach auf seine Leistung. Er hofft, dass die Verantwortung in der neuen Saison besser verteilt wird als in der vergangenen Spielzeit. Als viele wichtige Spieler ausfielen, war er doch sehr gefordert: als Stürmer, als Aufbauspieler, als Antreiber. Manchmal war es vielleicht zu viel.

Irgendwann fehlte die Frische, auch mental, und wer weiß, wäre er total frisch gewesen, wäre die Szene mit der Verletzung vielleicht nicht passiert. Es kam viel zusammen: fehlende Punkte bei Borussia, der Kampf um die WM. Dann der falsche Schritt und alles war vorbei. „Es war ein intensives Jahr“, sagt Stindl. Er hat es abgehakt, will den Fokus auf sein Spiel legen. Und Borussia? „Wir haben intern den größtmöglichen Anspruch, sind aber gut beraten, immer auf das Wesentliche zu schauen, das nächste Spiel“, sagt der Kapitän.

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