Borussia Möchengladbach ist so, wie Schalke 04 sein will

Anspruch und Wirklichkeit : Borussia macht es Schalke vor

Borussia gastiert am Samstag beim FC Schalke 04. Die Gelsenkirchener wollen ein Spitzenteam sein, die Mönchengladbacher sind eines.

Schalke 04, Tabellenzwölfter, gegen Borussia Mönchengladbach, Dritter. Das Topspiel der Bundesliga (Samstag, 18.30 Uhr) dürfte bei den Königsblauen Sehnsüchte wecken. Denn die Gladbacher stehen da, wo Schalke gerne wäre, und wo es sich sieht. Doch es deutet vieles darauf hin, dass sich diese Machtverhältnisse auch auf Dauer einstellen könnten. Denn während sich die Fohlenelf in vielen Bereichen auf dem richtigen Weg befindet, entwickelt sich Schalke in eine andere Richtung.

Schon bei der Vizemeisterschaft mussten sich die Gelsenkirchener großer Kritik aussetzen. Der Erfolg sei Glück und einer destruktiven Spielweise geschuldet. Ein Eindruck, der in dieser Saison bestätigt wurde. Schalke verlor die ersten fünf Bundesligapartien, weil man sich im Verein darauf verständigt hatte, künftig attraktiver zu spielen. Doch die Spieler bewiesen ihrem Trainer Domenico Tedesco, dass sie dazu nicht in der Lage zu sein scheinen. Also wandte sich Schalke von diesem Vorhaben ab und fing sich einigermaßen. Der Start in die Rückrunde war mit vier Punkten aus den ersten beiden Spielen gelungen, doch die Probleme sind nicht beiseite geschafft.

Denn das Selbstverständnis in Gelsenkirchen erwartet mehr, als sich nur vom Abstiegskampf fernzuhalten. Mark Uth sprach in der Vorbereitung davon, die europäischen Plätze noch nicht aufgegeben zu haben. Auf Schalke wird der Europapokal noch immer als Ziel genannt. Bei Borussia läuft es anders. Trotz der bislang überragenden Saison ist das Europa-Thema rar. Man konzentriere sich nur auf das nächste Spiel und gucke, was am Ende dabei herumkommt. Die demütige Herangehensweise der Gladbacher ist aktuell die erfolgbringende. Dabei ist Borussia mittlerweile zu den Spitzenteams zu zählen – Schalke nicht.

Es gibt viele Erklärungen dafür. Das ruhigere Umfeld ist hilfreich, dass Trainer Dieter Hecking im Gegensatz zu Tedesco die richtige Taktik für seine Mannschaft entwickelt hat, ebenso. Doch der Hauptgrund für diese Entwicklung liegt in der Transferpolitik. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Seit der Wechselperiode im Sommer 2016 – damals startete Christian Heidel seine Amtszeit als Schalke-Manager – hat Borussia laut des Portals „transfermarkt.de“ 108,05 Millionen Euro ausgegeben, die Gelsenkirchener 154,30 Millionen Euro. Während die Gladbacher bei gleichzeitig 109,13 Millionen Euro Transfereinnahmen ein kleines Plus in Höhe von 1,08 Millionen Euro erwirtschaftet haben, haben die Königsblauen, die Spieler für 112,55 Millionen Euro verkauften, 41,75 Millionen Euro mehr ausgegeben als eingenommen.

Was diese Bilanz für Schalke so niederschmetternd macht, ist die Entwicklung des Kaderwertes seit der Saison 2016/2017. Trotz der Mehrausgaben ist die Gelsenkirchener Mannschaft nur 246,70 Millionen Euro wert, im Sommer 2016 waren es 238,75 Millionen Euro, ein geringes Plus von 7,95 Millionen Euro. Bei den Gladbachern schoss der Wert dagegen um 119,30 Millionen Euro in die Höhe. Vor zweieinhalb Jahren startete Borussia mit einem Kaderwert von 155,80 Millionen Euro in die Saison, heute wird Heckings Team auf 275,10 Millionen Euro taxiert. Ein Beleg dafür, dass ein Großteil der Transfers von Sportdirektor Max Eberl als gelungen zu bezeichnen ist.

So geht Borussia als Favorit in das direkte Duell mit den Königsblauen. Sie wird den Eindruck festigen wollen, dass sie Schalke als Spitzenmannschaft abgelöst hat.

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