Borussia: Des Stadions neuer Rasen

Borussia hat neuen Untergrund: Des Stadions neuer Rasen

Beim 0:1 gegen Dortmund hatte die Spielfläche im Borussia-Park etliche Flicken, seit Montag wurde sie ausgetauscht. Jetzt sind die Arbeiten abgeschlossen, der Rasen ist wieder saftig grün – und vor allem eben.

Beim 0:1 gegen Dortmund hatte die Spielfläche im Borussia-Park etliche Flicken, seit Montag wurde sie ausgetauscht. Jetzt sind die Arbeiten abgeschlossen, der Rasen ist wieder saftig grün — und vor allem eben.

Nach dem Abpfiff der Partie zwischen Borussia und der Namenscousine aus Dortmund am vergangenen Sonntag dauerte es nur rund zwölf Stunden, bis der "Flickenteppich" weichen musste. Der zerrupft wirkende Rasen im Borussia-Park hatte für Aufsehen gesorgt, Sky-Experte Dietmar Hamann hatte sogar vor der Partie gegen den BVB Verständnis dafür geäußert, falls Bastian Dankert die Partie nicht anpfeifen würde. Der Schiedsrichter tat es aber, und der Untergrund sorgte zwar immer wieder für ausrutschende Akteure auf beiden Seiten, war aber bei Gladbachs 0:1-Niederlage nicht spielentscheidend.

Der alte Rasen wurde vor dem Stadion aufgeschüttet. Foto: Georg Amend

Trainer Dieter Hecking sagte im Nachgang zu den Platzverhältnissen: "Wir machen so etwas ja nicht absichtlich. Wir wollten den Rasen vorher gewechselt haben, das ging aber nicht. Die Platzwarte haben alles versucht. Dass es so aussah wie es aussah, war kein schönes Zeugnis, keine gute Visitenkarte. Wir haben uns bei Borussia Dortmund entschuldigt, aber null Vorwurf an irgendjemanden."

Erst im November war der Rasen neu verlegt worden, die Beanspruchung seitdem nicht allzu hoch gewesen. Dennoch musste er nun bereits wieder erneuert werden. Warum so flott? "Zuerst mal haben wir Winter", sagt Bernhard Nießen, Direktor Stadionbetrieb bei Borussia. "Wir versuchen immer, die Natur ein Stückweit auszutricksen und der Rasensode alles zum Leben zu geben: Sonne, Wasser, Luft und Nahrung. Aber ab Januar gingen die Temperaturen in den Keller, erst hat es von oben geschüttet, dann kam die Gefrierung", berichtet Nießen. Das bekam dem Rasen nicht. "In der Weitsicht hätten wir ihn gerne vor dem Spiel gegen Leipzig Anfang Februar ausgetauscht, weil die Ur-Sode des Rasens erkennbar nicht mehr genug Kraft hatte. Sie hatte nur noch 50 Prozent Halm", erklärt Nießen. "Aber wir hatten keine Chance zu tauschen, alle Erntefelder waren gefroren."

Also tat das Team, was möglich war. "Wir haben dreieinhalbtausend Stöpsel und rund 250 Platten der Größe 40 mal 40 Zentimeter gesetzt. Dadurch wurde der Unterschied sichtbar: Die alte Sode hatte nur 50 Prozent, die neue 100 Prozent Halm", verdeutlicht Nießen, wie es zu der Flicken-Optik kam.

Die ist nun Vergangenheit, Montag und Dienstag wurde der Rasen "geschält", heißt, vom Untergrund getrennt. "Die Sodenstärke unseres Rasens beträgt dreieinhalb bis vier Zentimeter. Der Boden war weit genug aufgetaut, dass wir schälen konnten", sagt Nießen. "Wir haben in den vergangenen Tagen um die Mittagszeit Temperaturen von fünf bis sieben Grad gehabt. Das haben wir genutzt. Optimal war, dass es nicht geregnet hat. Mit der Rasenheizung konnten wir die Frosttemperaturen nachts ausgleichen." Mittwoch wurde dann die komplette Sode aus dem Stadion geholt, Donnerstag und gestern der neue Rasen verlegt. Zwölf Lkw-Ladungen lieferte die Firma Peiffer zum Borussia-Park, die Rasenbahnen wurden einzeln hinein transportiert, dort positioniert und Stück für Stück verlegt, bis gestern die letzte Lücke auf der rund 8000 Quadratmeter großen Fläche wieder in sattem Dunkelgrün erstrahlte — gerade, versteht sich. Dafür wurde auch der Untergrund entsprechend präpariert, unter anderem mit einer Walze, die per Laser die Höhe misst und das leichte Gefälle, das es im Borussia-Park gibt, vollständig ausgleicht.

Im Schnitt muss der Gladbacher Rasen übrigens nur einmal im Jahr ausgetauscht werden. "Jetzt war es nach drei Monaten schon nötig, wir hatten aber auch schon mal 13 Monate denselben Rasen liegen", sagt Nießen, der ergänzt: "Jeder Rasen im Stadion ist zum Sterben verdammt. Wir versuchen, ihn solange wie möglich am Leben zu erhalten." Durch die hohen Tribünen gibt es wenig Wind und zudem Schattendruck, dem man mit LED-Beleuchtung entgegenwirkt. In der Pflege setzt Borussia eher auf Pflanzenstärkung statt auf Unkrautvernichtung, um den Halmen mehr Kraft zu geben, damit sie sich selbst zum Beispiel vor Pilzbefall schützen können. Die einzige Variable: "Den Regen können wir leider nicht steuern, weil wir das Dach nicht schließen können", sagt Nießen. Das hat aber zum Beispiel Fortuna Düsseldorf auch nicht geholfen, wo der Rasen auch dringend getauscht werden muss. Da hatte Borussia die Nase vorn: Das Spiel gegen Bremen am 2. März steigt auf neuem Geläuf.

(ame)