Borussia: Bei Mönchengladbach gegen Dortmund treffen sich viele alte Bekannte

Gladbach gegen Dortmund : So viel Borussia steckt in der anderen Borussia

Am Samstag kommt es beim Duell zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund auch zum Aufeinandertreffen von alten (und kommenden) Bekannten — auf beiden Seiten.

Die Rückkehr von Lucien Favre ist die große Randgeschichte des großen Endspiels zwischen Gladbach und Dortmund. Favre hat 2011 die niederrheinischen Borussen wachgeküsst, nun kann er den BVB im Borussia-Park bei optimalem Verlauf des Spieltages zum Meister machen. Doch nicht nur für Favre und Gladbach ist es ein Wiedersehen, es gibt auch andere, für die es ein Treffen mit dem „Ex“ ist.

Matthias Ginter

Gladbachs aktuell einziger deutscher Nationalspieler wechselte 2017 von Dortmund nach Gladbach. Drei Jahre zuvor hatte er sich für den BVB entschieden, als er vor der WM in Brasilien seinen Heimatklub SC Freiburg verließ. Doch in Dortmund wurde er nicht richtig glücklich, der Vielseitige wurde hin- und hergeschoben in der Defensive, er hatte oft seinen Platz im Team, aber eben keinen festen. Und den wollte er haben. Darum entschied er sich für die andere Borussia und bekam dort, was er sich erhofft hatte: Ginter ist nun fixer Innenverteidiger. Als solcher ist er immer wieder aber auch torgefährlich. In seiner ersten Spielzeit in Gladbach erzielte Ginter fünf Tore, so viele wie nie zuvor. In der aktuellen Saison traf er zweimal – einmal gegen Schalke beim 2:1 am dritten Spieltag und zuletzt beim wichtigen 2:2 gegen 1899 Hoffenheim. Ginter kann also Tore in Topspielen, das kann am Samstag nicht schaden. Beim Hinspiel in Dortmund fehlte er wegen des Bruchs der Augenhöhle.

Jonas Hofmann

Der Offensiv-Allrounder kam im Winter 2016 vom BVB nach Gladbach. Er war der erste Zukauf in der Trainer-Zeit von André Schubert. Doch Hofmann tat sich lange schwer in Gladbach, fand seinen Platz nicht im Gladbacher Konstrukt. Dieter Hecking setzte aber auf ihn und schneiderte Hofmann im 4-3-3-System einen Job auf den Leib: der laufstarke und taktikfirme 26-Jährige wurde Achter und war das Gesicht des Höhenflugs in der Vorrunde. Fünf Tore erzielte er und bereitete fünf vor, so effektiv war er nie zuvor gewesen. Doch dann verletzte er sich und fehlte einige Spiele. Beim Hinspiel in Dortmund feierte er sein Comeback, doch in den Rhythmus der ersten Saisonphase kam er nicht mehr. Zuletzt in Nürnberg war er nach seiner Einwechslung aber ein entscheidender Mann: Hofmanns Pass auf Josip Drmic vor dem 1:0 war ein Teil des Dosenöffners. Gegen den BVB dürfte Hofmann wegen der Sperre von Florian Neuhaus zur Startelf gehören – und extrem tatendurstig sein.

Marco Reus

Als Marco Reus 2008 vom Zweitligisten LR Ahlen nach Gladbach kam, ahnte niemand, welch grandioses Talent der damals neue Manager Max Eberl gefunden hatte. Reus, in der BVB-Schule groß geworden, dort aber für zu leicht befunden, entwickelte sich zum Superstar in Gladbach. Mit seiner Ballfertigkeit, seiner Handlungsschnelligkeit und seinem enormen Speed wurde er zum Dreh- und Angelpunkt des Gladbach-Tiki-Taka in der Favre-Zeit. Reus schoss in der Relegation 2011 das entscheidende Tor zum 1:1 in Bochum, in der Saison danach war er mit 18 Toren und zehn Assists wesentlich am vierten Platz und der damit verbundenen Teilnahme an den Champions-League-Playoffs beteiligt. Danach ging er zurück zum BVB für 17,5 Millionen Euro, er war vor sieben Jahren Gladbachs Rekordtransfer. Reus ist auch in Dortmund das Herzstück im Favre-Spiel und inzwischen auch Kapitän. Gegen seinen „Ex“ trifft er seither besonders gern: sieben Tore in zehn Spielen stehen in seiner Vita. Weswegen es für Gladbach definitiv kein Vorteil ist, dass Reus nach seiner Sperre rechtzeitig zum Saisonfinale zurückkehrt.

Mo Dahoud

Der Mittelfeldspieler ist ein Spross der Fohlen-Akademie. Lucien Favre zog ihn hoch zu den Profis und sorgte am 11. April 2015 für sein Bundesliga-Debüt – beim 3:1-Sieg gegen Dortmund. Der Schweizer sah indes in dem strategisch veranlagten Deutsch-Syrer mehr ein Formungs-Projekt als eine echte Alternative. Seinen richtigen Durchbruch schaffte Dahoud erst, als Favre gegangen war – bei André Schubert. Dahoud wurde zur festen Größe im Gladbacher Team. 2017 entschied er sich dann aber, dem Werben des BVB nachzugeben und ging zu den Westfalen. Doch die Rolle, die er in Gladbach hatte, spielte er dort noch nicht. Daran hat auch Favres Trainersein nichts geändert: Dahoud kam in dieser Saison bislang nur zu zwölf Startelf-Einsätzen. Bei Dortmunds 2:1 im Hinspiel saß er 90 Minuten auf der Bank.

Manfred Stefes

Manfred Stefes ist ein Ur-Borusse – in Gladbach. Der gebürtige Korschenbroicher spielte schon in der Jugend für die niederrheinische Borussia. Als Profi machte er 50 Pflichtspiele (ein Tor) für Gladbach, später war er Co-Trainer von Hans Meyer, Ewald Lienen, Michael Frontzeck, Lucien Favre und André Schubert, er war Reha-Trainer, U23-Trainer und Koordinator für die Talentförderung. Zwischenzeitlich war er drei Jahre beim MSV Duisburg als Trainer tätig, von 2009 bis 2018 dann durchweg wieder für Gladbach. Als Favre nach Dortmund ging, nahm er seinen früheren Mitarbeiter, mit dem er bei der anderen Borussen schon in 189 Spielen zusammengearbeitet hatte, als Vertrauten mit.

Otto Addo

Addo kam 2017 als Trainer für die Gladbach-Talente aus Dänemark. Er ist gebürtiger Hamburger und macht seine meisten Spiele für Hannover 96. Doch in Dortmund ist er Kult, spätestens seit er mit einem Kreuzbandriss ein Tor erzielte gegen Austria Wien, das im September 2003 auch Tor des Monats wurde. Insgesamt 98 Spiele (16 Tore, 15 Assists) machte Addo für Gelb-Schwarz, mehr waren es nicht, weil er oft verletzt war. Im Sommer wird Addo zum BVB zurückkehren und sich dort künftig um die Talente kümmern.

Und dann sind da noch zwei, die bald die Seiten wechseln könnten…

Thorgan Hazard

Gladbachs Belgier hat zugegeben, dass er sich mit dem BVB auf einen Wechsel geeinigt hat. Nun ist es an den beiden Klubs, sich wegen der Ablösesumme zu einigen. Dortmund will, so wird kolportiert, nicht mehr als 30 Millionen Euro zahlen, Gladbach will hingegen möglichst viel für den schnellen Offensivmann haben. Es scheint indes, dass sich die Klubs angenähert haben und eine Einigung bald ansteht. „Es würde mich schon sehr überraschen, wenn es nicht klappen sollte“, sagte Sportdirektor Max Eberl. Dass die Wechsel-Debatte Hazard beeinträchtigt hat in der Rückrunde, war spürbar. In Nürnberg trug er aber mit einem Tor und einer Vorlage zum Sieg bei. Dass er trotz der wahrscheinlichen Dortmund-Zukunft gegen den BVB spielen wird, steht für Trainer Dieter Hecking außer Frage. Hazard weiß, dass er unter besonderer Beobachtung steht in seinem letzten Spiel für Gladbach.

Maximilian Philipp

Foto: dpa. Foto: dpa/Marius Becker
Foto: Diwi (Archiv). Foto: Dieter Wiechmann/Wiechmann, Dieter (dwi)
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Logo Borussia Dortmund. Foto: Verein

Einer wie Maximilian Philipp könnte ein guter Ersatz für Thorgan Hazard sein. Er ist ein etwas anderer Typ als Hazard, wohl mehr Mittel- als Außenstürmer, aber eben doch auch flexibel einsetzbar. Dass er einer der BVB-Männer ist, die im Verdacht stehen, nach der Saison zu gehen, kommt hinzu. So richtig glücklich ist der frühere Freiburger in Dortmund noch nicht geworden, seit der heute 25-Jährige vor zwei Jahren aus dem Breisgau nach Westfalen ging. Damals war er auch schon ein Thema in Gladbach, doch waren seine Dienste nicht erschwinglich. Derzeit gibt es, so ist zu erfahren, noch kein offiziell hinterlegtes Interesse aus Gladbach, eher wird Philipp mit dem VfB Stuttgart in Verbindung gebracht, der allerdings noch die Relegation gegen den Abstieg zu spielen hat. Doch wer weiß, was am Rande des Besuchs der Dortmunder am Samstag im Borussia-Park so alles besprochen wird. Und ein gutes Beispiel, dass Gladbach der richtige Weg für Ex-Dortmunder sein kann, ist unter anderem Matthias Ginter. Er und Philipp haben den selben Berater…

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