Bochum akzeptiert Urteil DFB wertet Becherwurf-Spiel mit 2:0 für Gladbach

Frankfurt/Main · Die abgebrochene Bundesliga-Partie zwischen dem VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach ist nach dem Becherwurf-Eklat mit 2:0 für Gladbach gewertet worden. Dies gab der DFB am Donnerstag bekannt. Wie das Sportgericht das Urteil begründete und wie der VfL reagierte.

Becherwurf beim VfL Bochum: Reaktionen auf Spielabbruch gegen Gladbach
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Foto: dpa/Bernd Thissen

Seit Donnerstagnachmittag hat Borussia Mönchengladbach offiziell 33 Punkte auf dem Konto und den VfL Bochum damit in der Bundesliga-Tabelle überholt. Denn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat sechs Tage nach dem Duell beider Klubs seine Entscheidung bekanntgegeben, die Partie mit 2:0 für Borussia zu werten. Das Spiel musste am vergangenen Freitag nach 69 Minuten abgebrochen werden, nachdem Linienrichter Christian Gittelmann durch einen Becherwurf am Kopf getroffen worden war.

„Gemäß der für alle Vereine geltenden Rechts- und Verfahrensordnung des DFB ist das Spiel für den VfL Bochum mit 0:2 als verloren zu werten, da der Verein für seine Zuschauer verantwortlich ist und das Verschulden der Zuschauer dem Verein zuzurechnen ist“, wird Stephan Oberholz, der Vorsitzende des Sportgerichts, in der Mitteilung des DFB zitiert. Eine Spielwiederholung oder ein Nachspielen der verbleibenden 21 Minuten sei daher nicht möglich.

Noch am Mittwoch hatte der VfL Bochum auf eine Wiederholung der Partie gehofft. Horst Kletke, Anwalt des Klubs, äußerte sich wie folgt: „Wir verurteilen den Becherwurf, das ist eine massive Straftat, da gibt es nichts schönzureden, das ist verurteilungswürdig, das ist unerträglich“, sagte Kletke. „Aber wenn ein Straftäter einen Becher wirft, dann trifft den VfL Bochum keine Schuld.“ Der Straftäter habe völlig legal sein Getränk gekauft und der Verein dadurch kein Verschulden an der Straftat, lautete die weitere Argumentation.

Der DFB sah das anders und verwies in seinen Ausführungen auf mehrere Urteile des Internationalen Sport-Schiedsgerichts (Cas), in denen die „verschuldensunabhängige Haftung der Vereine für ein Fehlverhalten ihrer Anhänger“ bestätigt worden sei. Über weitere Sanktionen, wie eine Geldstrafe oder ein Zuschauer-Ausschluss, werde das DFB-Sportgericht zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

In Berufung gegen die Entscheidung wird der VfL nicht gehen, wie der Verein am Donnerstagabend mitteilte. „Der VfL Bochum 1848 verurteilt diesen Vorfall nach wie vor aufs Schärfste und unterstützt Polizei und Staatsanwaltschaft auch weiterhin bei ihren Bemühungen, den Täter zu überführen. Gleichwohl war und ist es die Pflicht des VfL Bochum 1848, die Rechte des Klubs im Rahmen des angesetzten sportgerichtlichen Verfahrens zu wahren“, heißt es auf der Webseite. „Dabei hat der VfL stets betont, angemessene Entscheidungen des DFB zu akzeptieren. Das Urteil des DFB-Sportgerichts zur Spielwertung liegt nun vor. Der VfL Bochum 1848 akzeptiert diese Entscheidung und wird keinen Einspruch gegen das ergangene Urteil einlegen.“

Der Spielabbruch in Bochum war der achte in der Geschichte der Fußball-Bundesliga und Borussia Mönchengladbach der erste Klub, der zum zweiten Mal betroffen war. Am 3. April 1971 hieß der Nutznießer des Pfostenbruchs auf dem Gladbacher Bökelberg Werder Bremen. Zum Zeitpunkt des Abbruchs hatte es nach 88 Minuten 1:1 gestanden, die Partie wurde im Anschluss allerdings mit 2:0 für Werder gewertet.

 Der DFB hat die Partie nach dem Becherwurf und dem Spielabbruch in Bochum mit 2:0 für Borussia Mönchengladbach gewertet.

Der DFB hat die Partie nach dem Becherwurf und dem Spielabbruch in Bochum mit 2:0 für Borussia Mönchengladbach gewertet.

Foto: dpa/Bernd Thissen

Genauso handhabte der DFB einen Fall vor elf Jahren, der sich vom jüngsten in Bochum quasi nur durch die Spielminute unterschied. Auch die beim Stand von 2:0 für Schalke 04 abgebrochene Partie beim FC St. Pauli wurde nach einem Becherwurf auf den Linienrichter mit 2:0 für Schalke gewertet.

(hgo, jaso, dpa)
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