Borussia Mönchengladbach: Blatter beeindruckt von Borussia

Borussia Mönchengladbach : Blatter beeindruckt von Borussia

Der Fifa-Präsident besuchte gestern das Gladbacher Stadion und sprach im Haus Erholung.

Der Präsident des Weltfußballverbandes Fifa war beeindruckt. "Eigentlich", sagte Joseph S. Blatter gestern Abend im Kaisersaal des Haus Erholung, "müsste nicht ich hier stehen, sondern Rolf Königs. Der Präsident müsste über das sprechen, was Borussia tut", sagte Blatter und definierte den Bundesligisten und dessen Engagement jenseits des Fußballs als ein gelungenes Beispiel für die "soziale Verantwortung des Sports". Eben dies war das Thema über das Blatter auf Einladung des Initiativkreises Mönchengladbach referierte und anschließend mit Prof. Dietrich Grönemeyer diskutierte. 250 Gäste waren da.

Zuvor hatte sich Blatter einen ausführlichen Eindruck vom Borussia-Park verschafft. Vor einer Gruppe von Sponsoren sprach er dort und bekam von Rolf Königs eine umfangreiche Beschreibung dessen, was Borussia tut. "Ich kann nur Gutes sagen über den Klub. Die Struktur, das Stadion und die Finanzen — ich war mehr als zufrieden mit dem, was ich gesehen habe", sagte der Schweizer Blatter.

Trotz aller Neutralität gestand er dann, dass es ihn freue, dass "der Schweizer Lucien Favre auch dazu beigetragen hat". Favre sei schon ein großartiger Spieler gewesen, ein kreativer Spieler — "und als Trainer hat er jetzt nicht nur seine Erfahrung als Spieler, sondern ist auch eine Persönlichkeit. Er ist ein sehr gescheiter Mann, einer, der den Fußball mitlebt, der nicht die großen Sprüche macht und eine Mannschaft zusammenhalten kann", sagte Blatter.

Applaus gab es gestern nicht nur für Joseph S. Blatter, sondern auch für Rolf Königs (2.v.l.) und Borussia, die ein Sonderlob des Fifa-Bosses bekam. Prof. Dietrich Grönemeyer (ganz links) diskutierte mit Blatter über Nachwuchs- und Gesundheitsprojekte im Fußball. Foto: Isabella Raupold

Später im Dorint-Hotel, wo Favre wie gewöhnlich vor Heimspielen sein Team versammelt hat, trafen sich die beiden Eidgenossen nicht mehr. Favre tüftelte noch an seinen Ideen für das wichtige Heimspiel heute gegen den FC Augsburg.

Rolf Königs gestand, dass das Lob des mächtigsten Mannes im Weltfußball "gut tut". Borussia sei ein Fußballverein, "das ist unsere Kernkompetenz, aber wir engagieren uns auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen und füllen dieses Engagement mit Leben", sagte Königs. Blatter sagte ihm zu, seine Eindrücke von Borussia in dem Publikationen der Fifa als beispielhaft herauszustellen.

Königs war indes zufrieden mit der Performance des honorigen Gastes. "Ich war positiv überrascht von der Art und Weise, wie er gesprochen hat — es war nicht oberflächlich, sondern hatte Tiefgang. Wir haben heute Abend einen anderen Sepp Blatter kennengelernt als wir ihn aus den Medien kennen", sagte Königs. Ein Resümee, das viele Zuhörer zogen. Wie erwartet wählte Blatter den gepflegten jovialen Plauderton für seinen Vortrag. Wer erwartet hatte, dass sich Blatter an diesem Abend mit den Themen beschäftigen würde, die ihm viel Kritik eingebracht haben, der wurde — natürlich — enttäuscht.

Ganz ohne Schelte für die Vergabe der WM 2022 nach Katar ging es aber doch nicht ab. "XX Tote in Katar. Für Geld geht ihr über Leichen. Fifa = Mafia" hatten Fans aus der Gladbacher Ultra-Szene auf ein Plakat geschrieben, dass sie vor dem Haus Erholung entrollten.

(RP)