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Becherwurf und Spielabbruch in Bochum: Polizei ermittelt mutmaßlichen Täter

Polizei ermittelt mutmaßlichen Täter : Der Becherwurf von Bochum und seine Folgen

Nach dem Spielabbruch in Bochum dürfte es beim 2:0 für Borussia Mönchengladbach bleiben. Wann mit einem Urteil zu rechnen ist, wie weit die Tätersuche fortgeschritten ist und welche Strafen in vergleichbaren Fällen verhängt wurden.

Zum achten Mal in der Bundesliga-Geschichte ist am Freitag ein Spiel abgebrochen worden. Viermal war das Wetter der Grund, einmal ein gebrochener Pfosten und nun zum dritten Mal ein von der Tribüne geworfener Gegenstand. In der 69. Minute zwischen dem VfL Bochum und Borussia Mönchengladbach bekam Linienrichter Christian Gittelmann aus einer der ersten Reihen einen gefüllten Bierbecher an den Hinterkopf. Der 39-Jährige ging in die Knie und schließlich mit Schiedsrichter Benjamin Cortus vom Platz – rund 20 Minuten später verkündete der Stadionsprecher den Abbruch der Partie beim Stand von 2:0 für Gladbach. Wie es nun weitergeht, welche Strafe die Bochumer zu erwarten haben – wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Becherwurf-Eklat.

Wie geht es dem Linienrichter? „Der Treffer hat mich mitgenommen, zumal es mich mit voller Wucht und unerwartet am Kopf getroffen hat“, berichtete Gittelmann am Vormittag nach dem Vorfall auf der DFB-Homepage. „Es wurde eine Schädelprellung und ein Schleudertrauma diagnostiziert.“ Er werde sich ein paar Tage nehmen, „um zur Ruhe zu kommen und die Sache zu verarbeiten“, so Gittelmann. Dann wolle er „schnellstmöglich wieder auf den Platz zurückkehren“.

Ist der Täter schon gefunden? Am Montagmittag teilte die Bochumer Polizei mit, dass sich durch die eingeleiteten Ermittlungen ein Tatverdacht gegen einen 38-jährigen Bochumer ergeben hätte. Dieser habe sich jedoch „nicht zur Sache eingelassen“, heißt es. Die weiteren Ermittlungen werden zeigen, ob dem Tatverdächtigen der Becherwurf zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. Geflogen kam der Becher aus einem Sitzplatzblock in der Nähe der Bochumer Fankurve.

Welche Konsequenzen drohen dem Täter? Neben einer zu erwartenden strafrechtlichen Verfolgung hat der Klub bereits deutlich gemacht, mit eigenen Mitteln hart vorgehen zu wollen. „Im Falle einer Identifizierung wird der VfL Bochum 1848 weitere Schritte einleiten, zum Beispiel Stadionverbot, Vereinsausschluss oder Einzug der Dauerkarte, und behält sich Schadenersatzansprüche vor“, heißt es. Eine Geldstrafe könnte der VfL zum Teil an den Becherwerfer abwälzen. Seit einigen Jahren ist es Fußball-Klubs nach einem Präzedenzurteil möglich, Fans in Regress zu nehmen. Für das Werfen eines Knallkörpers auf andere Zuschauer im Februar 2014 musste ein Mann nachträglich 20.340 Euro Schadenersatz an den 1. FC Köln zahlen. „Aber man muss auch beachten, dass man jemanden damit nicht komplett zerstört“, sagte Geschäftsführer Kaenzig.

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Wie wird das Spiel gewertet? Der DFB-Kontrollausschuss hat die Ermittlungen eingeleitet. „Im ersten Schritt wird er die Sonderberichte der Schiedsrichter und der Sicherheitsaufsicht sowie die Fernsehbilder auswerten“, heißt es auf der Webseite des Verbandes. „Außerdem werden ein Ermittlungsverfahren gegen den VfL Bochum eingeleitet und Stellungnahmen eingeholt.“

Paragraf 18, Punkt 4 der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB ist eindeutig: „Trifft eine Mannschaft oder ihren Verein oder beide Vereine ein Verschulden an dem Spielabbruch, ist das Spiel dem oder den Schuldigen mit 0:2-Toren für verloren, dem Unschuldigen mit 2:0-Toren für gewonnen zu werten. Hat der Unschuldige im Zeitpunkt des Abbruchs ein günstigeres Ergebnis erzielt, so wird dieses Ergebnis gewertet.“ Heißt: Es wird mit nahezu 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit beim 2:0 für Borussia bleiben, die mit dann 33 Punkten Bochum (32) überholen würde. Nach dem bis Freitag letzten Spielabbruch im Jahr 2011 zwischen dem FC St. Pauli und dem FC Schalke 04 vergingen vier Tage bis zur Verkündung des Urteils.

Welche Strafe hat der VfL Bochum zu erwarten? Zum besagten Becherwurf auf St. Pauli gibt es zahlreiche Parallelen. Wesentlich unterscheidet sich nur die Spielminute (damals war es die 88.). Zunächst wurde St. Pauli zu einem Geisterspiel verurteilt, musste dann jedoch das erste Heimspiel der neuen Saison mindestens 50 Kilometer von Hamburg entfernt austragen. In Lübeck waren 10.000 Zuschauer im Stadion, St. Pauli nahm rund 400.000 Euro weniger ein. Der VfL Osnabrück verlor 2015, nachdem der Schiedsrichter von einem Feuerzeug getroffen worden war, das Pokalspiel gegen RB Leipzig am Grünen Tisch und musste zweimal auf einen Teil seiner Zuschauer verzichten. Osnabrück hatte beim Abbruch allerdings geführt, das Aus im Pokal traf den Klub finanziell ohnehin empfindlich.

Hier geht es zur Infostrecke: Twitter-Reaktionen auf den Becherwurf von Bochum