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Borussia Mönchengladbach: "Arjen" Traoré beschert Favre den 100. Sieg

Borussia Mönchengladbach : "Arjen" Traoré beschert Favre den 100. Sieg

Schon wieder hat die Borussia ein Spiel in der Schlussphase für sich entschieden. Die späten Siege in der Rückrunde könnten am Ende den Ausschlag geben im Kampf um die Champions League. Vor dem Showdown gegen Leverkusen ist Gladbach im Vorteil.

1. Traorés großer Auftritt Es wäre keine Schande für Ibrahima Traoré, in einem Ranking von Borussias Neuzugängen hinten zu liegen. Zuletzt schienen die Dienste Fabian Johnsons sogar etwas wertvoller, André Hahn kann auf die Hinrunde verweisen, Thorgan Hazard auf die Zukunft und Yann Sommer ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Traoré schien sich hinten einzureihen mit einer durchwachsenen Saison, von der nur ein bärenstarker Auftritt beim 5:0 gegen Limassol in der Europa League und sein Fehlschuss im DFB-Pokal gegen Bielefeld im Gedächtnis bleiben würden. Gerade in der Bundesliga war der 27-Jährige selten ein Faktor gewesen. Allerdings hat sich das wohl mit nur einem Schuss erledigt: Traorés Arjen-Robben-Tor in der 85. Minute brachte den Sieg in Berlin. Vielleicht sollte man das mit dem Ranking einfach lassen.

2. Vorne und hinten stark Als fünftbeste Offensive und zweitbeste Defensive sammelt die Borussia an beiden Enden des Spielfeldes gute Argumente für die Champions League. Und auch wenn man die Verteilung der Tore und Gegentore auf 90 Minuten betrachtet, sieht es vorne und hinten besonders gut aus: Nach der 80. Minute gelangen dem VfL schon neun Tore, die insgesamt acht Punkte brachten. Besonders die späten Siege gegen Köln, Wolfsburg und Hertha in der Rückrunde können am Ende den Unterschied ausmachen. Sommer musste dagegen nur einmal spät hinter sich greifen, was im Hinspiel gegen Hertha beim 3:2 jedoch ohne Folgen war. Konzentration und Kondition in den Schlussminuten sind fast schon meisterlich.

3. Hellwach am Anfang Lucien Favres Spieler sind aber auch echte Frühstarter: Max Kruses Tor in der 11. Minute war das zehnte in dieser Saison, das in der Anfangsviertelstunde fiel. Auf der anderen Seite war Valentin Stockers Ausgleich 73 Sekunden später erst der dritte Gegentreffer in dieser Phase. Zuvor hatte ein derart frühes 0:1 in Wolfsburg (13. Spieltag) und auf Schalke (20. Spieltag) jeweils den Endstand bedeutet. Kruse brachte den VfL bereits zum siebten Mal in Führung.

4. Kein Platz für Romantik Unklar ist, ob Max Kruse die wahren Geschehnisse rekapitulierte oder lediglich den Pressespiegel der vergangenen Tage wiedergab. "Wir haben es ja überall gelesen, dass es stattgefunden hat", sagte der 27-Jährige nach dem Spiel bei Sky und meinte den angeblichen Medizincheck beim VfL Wolfsburg. Aktuell gibt es nur zwei Vereine in Deutschland, die Spielern der Borussia die richtige Mischung aus "mehr Aussichten auf sportlichen Erfolg" und "mehr Geld" bieten können. Da Kruse, bei allem Respekt, eine zu kleine Nummer für den FC Bayern ist, wäre Wolfsburg die einzige irgendwie vertretbare Option in der Bundesliga. Sympathie, Bodenständigkeit und tolle Fans — die romantischen Argumente für Gladbach — sind wohl nebensächlich in dieser Geschichte. Kruses erneut gute Leistung in Berlin zeigt immerhin, dass die ganze Sache sportlich keinen Einfluss zu haben scheint.

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5. Erstmals über 90 Prozent Die Borussia hat schon so einige Ballbesitz-Festivals hinter sich in dieser Saison. Von ideenlosem Anrennen gegen Schalke bis zu einem späten Happy End gegen Köln war alles drin. An die 75 Prozent Ballbesitz im Derby Mitte Februar reichte das Spiel in Berlin nicht ganz heran, 73 waren es am Ende. Dafür bedeuteten 804 gespielte Pässe und eine Erfolgsquote von 90 Prozent eine neue Bestmarke in dieser Spielzeit. Den Eindruck erweckte die Partie nicht immer, gerade Granit Xhaka vertändelte in der Vorwärtsbewegung einige Male das Spielgerät. Doch wer ohne längere Unterbrechungen am Ball ist, produziert eben auch fast jede Minute einen Fehlpass. Dabei müsste es so betont werden: Produziert nicht einmal einen Fehlpass pro Minute.

6. Favres Jubiläum Am 16. Spieltag der Saison 2007/2008 debütierte Ibrahima Traoré beim Auswärtsspiel in Nürnberg für Hertha BSC in der Bundesliga — sein Trainer damals hieß Lucien Favre. Am 31. Spieltag der Saison 2014/2015 hat Traoré Favre nun dessen 100. Sieg beschert. Der Schweizer liegt mit einer Durchschnittspunktzahl von 1,61 auf Platz 21 der besten Trainer mit mindestens 50 Spielen. Nur fünf Ausländer liegen vor Favre, in diesem Jahrtausend ist er insgesamt Achter. Ja, dieser Mann ist Gladbachs "Hennes Weisweiler der Neuzeit".

7. Immer wieder sonntags Immerhin gibt es nicht mehr viele realistische Ziele, von denen man behaupten kann, dass die Borussia sie am Sonntag verspielt hat. Bis zum Aus in der Europa League Ende Februar gewann die Mannschaft nur eines ihrer elf Spiele an jenem Tag. Es war das 3:1 gegen Hoffenheim, vor dem Gladbach am Mittwoch einen Pokaleinsatz in Frankfurt hatte. Seit Sevilla ist die Bilanz makellos: fünf Spiele, fünf Siege, 9:1 Tore. Samstags um 15.30 Uhr hat die Borussia in diesem Jahr übrigens immer gewonnen.

8. Auf Rekordjagd Und diese Ausbeute trägt einiges dazu bei, dass die Borussia nunmehr Spitzenreiter in der Rückrundentabelle ist. Nur 1974 sammelte sie ebenfalls 33 Punkte in 14 Spielen, umgerechnet auf die Drei-Punkte-Regel. Die 39 Zähler aus jenem Jahr sowie aus dem Jahr 1987 sind Vereinsrekord. Noch sieben Punkte fehlen also, um einen neuen aufzustellen.

9. Besondere Gäste im Gästeblock Es gibt zwei effektive Wege, potenzielle neue Fans von der Borussia zu überzeugen: Entweder sie sehen einen Sieg oder ein Spiel auf dem Bökelberg. Letzteres hat auch der umtriebige Fanclub "Block B" aus Berlin nicht mehr einrichten können, dafür hat er gemeinsam mit den "Berlin-Borussen" und den "Berliner Fohlen" ein anderes starkes Zeichen gesetzt. 20 Flüchtlinge, die in der Hauptstadt leben, wurden ins Olympiastadion zum Spiel gegen Hertha eingeladen. Schals gab es vom Verein und den erhofften Sieg im Kampf um die Champions League — wie von "Block B"-Mitglied Ingo Müller gewünscht — von der Mannschaft. "Wahnsinn, wie die abgegangen sind", berichtete Müller nachher von einem offenbar gelungenen Stadionbesuch.

10. Platz zwei im Augenwinkel Das ist ausnahmsweise mal eine reife Leistung der oft kritisierten DFL-Spielplanmacher: Am kommenden Wochenende stehen sich die beiden Teams der Stunde gegenüber. Borussia Mönchengladbach und Bayer Leverkusen haben aus den vergangenen sieben Spielen 19 Punkte geholt und beide den FC Bayern geschlagen. Sie haben die meisten Tore (Gladbach 14, Leverkusen 19) erzielt und die wenigsten kassiert (jeweils 3). Kein Wunder, dass der VfL Wolfsburg auch noch auf das Topspiel des 32. Spieltages blicken muss. Die "Wölfe" haben in sieben Spielen auf beide Teams sieben Punkte eingebüßt. Der Sieger der Partie Gladbach gegen Leverkusen darf sogar noch von der Vize-Meisterschaft träumen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Borussias späte Tore für die Champions League