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Borussia Mönchengladbach: 15 Treffer seit Juan Arangos Fehlschuss

Borussia Mönchengladbach : 15 Treffer seit Juan Arangos Fehlschuss

Der Venezolaner war am 23. Januar 2010 beim 0:0 in Berlin der letzte Borusse, der einen Elfmeter vergab. Danach landeten alle Schüsse vom Punkt im Tor. Filip Daems ist der Spezialist, zuletzt war Max Kruse zweimal erfolgreich.

Der 23. Januar 2010 war nicht der Tag von Juan Arango. Borussia spielte bei Hertha BSC Berlin und es war brutal kalt. Minus 20 Grad zeigte das Thermometer. Für einen Südamerikaner, der Arango nun mal ist, gibt es kaum schlechtere Wetterbedingungen. Und es schien, als sei nicht nur die Hauptstadt eingefroren, sondern auch der Kunstschütze aus Venezuela, zumindest in der 42. Minute. Weil Filip Daems, der zuvor zwei Elfmeter verwandelt hatte, fehlte, trat Arango an, nachdem Schiedsrichter Markus Schmidt ein Foul von Arne Friedrich an Roberto Colautti als elfmeterwürdig eingeordnet hatte. Arango, der sonst auch mal aus 44 Metern ins Tor trifft, schoss zu ungenau und Berlins Torhüter Jaroslav Drobny wehrte ab. Der Ball kam zurück zu Arango, doch Arango verstolperte den Nachschuss. Es blieb beim 0:0 — bis zum Ende des Spiels.

Arangos Fehlschuss ist inzwischen zur statistischen Kuriosität geworden. Denn seither hat Borussia alle 15 Elfmeter, die sie in der Bundesliga bekam, verwandelt — Vereinsrekord. Filip Daems, der Kapitän, traf zehnmal traumhaft sicher vom Punkt, insgesamt hat er eine Serie von zwölf verwandelten Elfmetern. Damit hat er neulich Vize-Präsident Rainer Bonhof überholt, der bis dahin mit zehn erfolgreichen Elfmeterversuchen den Vereinsrekord hielt. Aber auch Daems' Vertreter ließen sich nicht lumpen: Thorben Marx traf zweimal und auch Max Kruse. Sein wichtiger Einschuss zur 1:0-Führung am Samstag gegen Dortmund war sein zweites Elfmetertor für Gladbach. Der Elfmeter-Lupfer von Branimir Hrgota am vorletzten Spieltag der vergangenen Saison in Mainz war sicherlich der frechste in diesem Reigen.

Nach der Länderspielpause reisen die Borussen nun wieder nach Berlin. Ob die Erinnerungen an jenen miesen Tag vor mehr als dreieinhalb Jahren Arango dann noch mal einholen, sei dahingestellt. Dass ausgerechnet er damals verschoss, ist indes seltsam. Denn Arango ist und bleibt ein Mann für entscheidende Momente. Das ist ein Talent, das ihn derzeit vielleicht auch vor der Bank bewahrt. Denn seine Leistungen waren zuletzt nicht wirklich gut. Gegen Dortmund hatte der eine oder andere Experte ihn schon als Kandidat für die Note "6" gesehen — bis Arango dann den Pass spielte, der Raffaels 2:0 auf den Weg brachte. Zuvor hatte er im Mittelfeld ein wichtiges Kopfballduell gewonnen.

So gesehen ist Arango ein Phänomen. Weswegen der seit langem gesetzt ist bei Lucien Favre, selbst wenn er, wie in der nächsten Woche, gerade von einer langen Länderspielreise zurückkehrt. Arangos Effektivität ist sein Bonus. Gleichwohl könnte es sein, dass Favre auch ihn meinte, als er gleich nach dem Sieg gegen Dortmund, sicher noch schockiert vom angstvollen Auftritt in Halbzeit eins, sagte: "Wir müssen intensiver trainieren. Spieler, die das Tempo nicht spielen können, werden in Zukunft nicht mehr spielen."

Nun ist gerade Arango einer der Borussen, die die technischen Defizite im Umgang mit dem Ball, die Favre monierte, nicht haben. Gleichwohl ist die Zurückhaltung, die er phasenweise in der Defensivarbeit an den Tag legt, durchaus nicht unproblematisch. Gerade gegen den BVB, dessen Außenverteidiger weit vorn agieren, gab es deswegen zu viel Druck über links, Außenverteidiger Oscar Wendt stand oft allein gegen zwei oder drei Gelb-Schwarze. Lucien Favre hat reichlich Zeit, abzuwägen, welche Stellschrauben er drehen muss für das Spiel bei Hertha BSC.

Ganz sicher aber wird Arango in Berlin keinen Elfmeter schießen, wenn es einen gibt. Dafür ist er seit dem 23. Januar 2010 nicht mehr zuständig. "Wenn Filip Daems fehlt, sind Martin Stranzl und ich eingeteilt. Ich habe mir das Okay von Martin geholt und dann geschossen", berichtete Max Kruse nach dem Spiel gegen Dortmund.

(RP)