Düsseldorfer Rüstungskonzern BVB-Sponsoring durch Rheinmetall stößt auf Kritik

Düsseldorf · Der Düsseldorfer Rüstungskonzern steigt ins Fußball-Sponsoring ein. BVB-Chef Watzke betont die Bedeutung von Verteidigung – und erwartet Debatten. Ein Vertreter der EKD und die Fan- und Förderabteilung des BVB sind kritisch.

 Fans von Dortmund vor dem Spiel auf der Südtribüne. (Symbolbild/ Archiv)

Fans von Dortmund vor dem Spiel auf der Südtribüne. (Symbolbild/ Archiv)

Foto: dpa/Christian Charisius

Der Rüstungskonzern Rheinmetall steigt in das Fußball-Sponsoring ein und wirbt ab sofort beim BVB Dortmund. „Der Verteidigungs- und Technologiekonzern tritt künftig als Champion Partner im sportlichen und gesellschaftlichen Umfeld des Fußball-Bundesligisten auf“, teilte der BVB am Mittwoch mit. Die Vereinbarung gilt für drei Jahre. Erstmalig war das Rheinmetall-Logo während der Vorbereitung des BVB auf das Champions-League-Finale sichtbar. Das Finale gegen Real Madrid findet am 1. Juni in London statt.

So viel zahlt Rheinmetall für das Sponsoring

Rheinmetall soll dem BVB für Bandenwerbung in Dortmund einen einstelligen Millionenbetrag pro Jahr zahlen, wie es in der Branche heißt. Die Fan- und Förderabteilung von Borussia Dortmund sieht den Deal kritisch. Sie hätte bereits vor Abschluss der Vereinbarung gewarnt, heißt es in einer Erklärung unter anderem, weil man „Zweifel an einer Vereinbarkeit mit den Werten von Borussia Dortmund“ habe. Medienberichte, man habe zugestimmt, „weisen wir ausdrücklich zurück“.

Der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Thorsten Latzel, kritisierte die Vereinbarung. Er sprach sich zwar nicht dagegen aus, dass Rheinmetall die Ukraine mit Waffen unterstützt und dass die Bundeswehr gestärkt wird, aber es sei etwas anderes, „für Waffenfirmen zu werben und Kriege und Waffen zu 'normalisieren’.“ Er ergänzte: „Militärische Gewalt und Waffen können immer nur ein letztes Mittel sein, um schlimmere Gewalt einzudämmen. Sie sind nicht ‚normal‘ und dürfen es niemals werden.“

Der BVB verteidigt die Vereinbarung

Die Partner verteidigten dagegen ihre Vereinbarung. „Sicherheit und Verteidigung sind elementare Eckpfeiler unserer Demokratie. Deshalb halten wir es für die richtige Entscheidung, uns sehr intensiv damit zu beschäftigen, wie wir diese Eckpfeiler schützen“, sagte Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der Geschäftsführung von Borussia Dortmund. „Wir öffnen uns als Borussia Dortmund ganz bewusst für einen Diskurs.“

Das sagt der Rheinmetall-Chef

Rheinmetall-Chef Armin Papperger betonte: „Der BVB ist ein Verein aus dem Herzen von NRW und steht wie kaum ein anderer für das Streben nach internationalem Erfolg. Rheinmetall ist in der Metropolregion Rhein-Ruhr tief verwurzelt und möchte seine Marke als führendes Systemhaus der Verteidigungsindustrie und als Treiber industrieller Innovationen in zivilen Märkten auch international noch bekannter machen.“ Rheinmetall ist seit März 2024 auch Mitglied im Initiativkreis Ruhr, in dem sich auch Borussia Dortmund engagiert.

Bei Rheinmetall geht es beim Sponsoring nun offenbar darum, sich als positiver Arbeitgeber bekannt zu machen. Als Rüstungskonzern hatte Rheinmetall lange Zeit keinen guten Ruf. Seit dem russischen Krieg gegen die Ukraine hat sich die Wahrnehmung radikal geändert, Rheinmetall hatte schon früh Panzer für die Ukraine renoviert und zur Verfügung gestellt.

Die Düsseldorfer haben einen großen Fachkräfte-Bedarf, etwa in technischen Bereichen. Das Unternehmen baut an seinem Hauptstandort Unterlüß in Niedersachsen eine neue Fabrik für Artilleriemunition auf. Ab 2025 sollen dort im Jahr bis zu 200.000 Stück der Munition hergestellt werden. Zur Grundsteinlegung der neuen Fabrik im Februar kam auch Kanzler Olaf Scholz (SPD). Auch das zeigt bereits den Imagewandel.

Auch Mona Neubaur meldet sich dazu zu Wort

NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur von den Grünen äußert sich differenziert. Sie sagt, die öffentliche Wahrnehmung von Rheinmetall habe sich seit dem Überfall auf die Ukraine geändert, auch bei ihr persönlich: „Seit dem Putin seinen barbarischen Angriffskrieg auf die Menschen in der Ukraine begonnen hat, ist klar: Wir brauchen Unternehmen wie Rheinmetall, um im Ernstfall unsere Demokratie und unsere Freiheit verteidigen zu können.“ Trotzdem sei die Rüstungsbranche „keine Branche wie jede andere“.

Darum könne sie verstehen, „dass viele Fans das Sponsoring mit gemischten Gefühlen betrachten.“ Es sei Entscheidung des Vereins, welche Sponsoren er habe. Nun müsse Borussia Dortmund den Dialog mit den kritischen Fans suchen: „Ich habe den BVB immer als Verein wahrgenommen, der den intensiven Dialog insbesondere mit den organisierten Fans pflegt. Ich gehe deshalb davon aus, dass die aktuelle Führung auch in diesem Fall den Austausch und die Diskussion suchen wird.“

Evonik bleibt Hauptsponsor

Der Essener Chemiekonzern Evonik, der seit Jahren den BVB unterstützt, bleibt aber Hauptsponsor und Trikotsponsor für die Champions League wie den DFB-Pokal. Er zahlt den Dortmundern ebenfalls einen einstelligen Millionenbetrag im Jahr. Der Telefonkonzern 1&1 ist Trikotsponsor bei BVB-Spielen in der Bundesliga.

Bei Evonik war es mit dem Sponsoring bei den Dortmundern einst darum gegangen, den Namen des jungen Chemiekonzerns in Deutschland und weltweit bekannt zu machen. Evonik war 2006 aus dem früheren Kohle-Mischkonzern RAG hervorgegangenen.

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