Müssen Stars wie Marco Reus geschützt werden?

BVB-Profi erneut verletzt : Müssen Stars wie Marco Reus geschützt werden?

Die schwere Verletzung von Marco Reus hat erneut die Frage nach einem besseren Schutz des "Stars" aufgeworfen. Wirklich sachlich blieb die Diskussion nicht.

Die Schock-Diagnose für Marco Reus war noch gar nicht offiziell, da begann schon die Hexenjagd. "Den Bakalorz musst du bis Weihnachten aus dem Verkehr ziehen", wetterte Ex-Nationalspieler Didi Hamann bei Sky: "Der geht über den Ball und riskiert eine Verletzung des Gegenspielers." Durch das üble Foulspiel des Paderborners Marvin Bakalorz erlitt Dortmunds bester Fußballer einen Außenbandriss - und die Diskussion über den sorgsameren Schutz der "Stars" begann aufs Neue.

Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) hatte in der Partie am Samstag (2:2) "nur" die Gelbe Karte gezückt, ein nachträgliches Eingreifen des Kontrollausschusses des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bzw. des DFB-Sportgerichts ist dadurch ausgeschlossen. "Im Spiel habe ich es so gesehen, dass Bakalorz zum Ball grätscht, den Ball auch leicht berührt und danach Reus trifft. Für mich war das in dem Moment Foul und Gelb", sagte Stark der Bild: "Als ich nachher die Zeitlupe gesehen habe, habe ich mich selbst erschrocken und muss sagen: Rot wäre die richtige Entscheidung gewesen".

Aber hätte Stark anders entscheiden müssen, weil Marco Reus nun mal Marco Reus ist? Neu ist die Überlegung nicht. Auch von Rekordmeister Bayern München kam in der Vergangenheit die Forderung, die Stars der Mannschaft besser zu schützen. Dribbelkünstler wie Franck Ribery, Arjen Robben oder eben Reus sind oft nur durch Fouls zu stoppen. Der Dortmunder bezahlte das mit einer Zwangspause bis mindestens Anfang 2015.

Die DFB-Schiedsrichter gaben keinen Kommentar ab, "Unterschiede zwischen der Szenenbewertung auf Grund des Starpotenzials eines Spielers" gebe es natürlich nicht. Warum auch. Bei den Profis im Rampenlicht nimmt Diskussion aber immer größere Ausmaße an - und der "Übeltäter" steht deutlich länger und heftiger in der Schusslinie. Zum Vergleich: Zweitligaprofi Marc Rzatkowski (St. Pauli) erlitt am Sonntag im Spiel bei RB Leipzig (1:4) nach einem rüden Foul einen doppelten Außenbandriss. Leipzigs Daniel Frahn wurde ebenfalls nur verwarnt - ein Aufschrei blieb aus.

"Bakalorz hat das in diesem Zweikampf billigend in Kauf genommen", sagte Stefan Effenberg: "Das ist bitter für Marco Reus. Möglicherweise ist das aber auch ein Vorteil für Borussia Dortmund, und Marco Reus bleibt noch zwei drei Jahre in Dortmund."

Reus hatte bereits die WM in Brasilien wegen eines Syndesmoseanrisses verpasst. Anfang September erlitt er im EM-Qualifikationsspiel gegen Schottland in Dortmund einen Außenbandanriss im Sprunggelenk. Nun die erneute Blessur und eine Pause bis ins neue Jahr. "Es tut mir tierisch leid für Marco, er musste in der Vergangenheit einiges einstecken", sagte Effenberg.

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(sid)