Pokalfinale gegen Bayern: Dolls letzte Chance

Pokalfinale gegen Bayern : Dolls letzte Chance

Dortmund (RPO). Mit versteinerter Miene saß Thomas Doll auf der Bank. Der Trainer des Bundesligisten Borussia Dortmund konnte die 1:3-Niederlage gegen Hannover 96 kaum fassen. Wieder einmal enttäuschte die Mannschaft auf ganzer Linie. Doll steht auf der Kippe. Nur der Sieg im DFB-Pokalfinale gegen die Bayern am kommenden Samstag (20 Uhr/LIVE!-Ticker) kann seinen Job retten.

Spätestens mit den peinlichen Auftritten des BVB am vergangenen Sonntag bei den Bayern (0:5) und der verpatzten Generalprobe gegen die Niedersachsen ist der Pokal-Bonus des 42-Jährigen aufgebraucht.

Eine erneute Pleite im Finale, und auch die erreichte Uefa-Cup-Teilnahme dürfte den Ex-Nationalspieler nicht mehr auf seinem Stuhl halten. Denn völlig verunsichert, ohne Herz, Leidenschaft und Struktur sowie der Aussicht auf ein Ende der Krise stolpern die Borussen seit Monaten durch die Liga. Gegen Hannover erreichte die Mannschaft ihren Saison-Tiefpunkt.

Mit dem Blick auf das Fußball-Fest in Berlin, das für den BVB in der derzeitigen Verfassung gegen den selbstbewussten Fast-Meister aus München mit einem Desaster zu enden droht, versucht Doll mit Durchhalteparolen zu retten, was zu retten ist.

"Wir haben jetzt innerhalb von ein paar Tagen zweimal richtig was auf die Mütze bekommen. Wir liegen am Boden. Jetzt zeigt sich, wer gewillt ist, aufzustehen, um sich so vorzubereiten, dass wir für die Bayern ein würdiger Gegner sind. Jetzt heißt es Flagge zeigen, Brust raus, ins Olympiastadion einmarschieren und den Pokal holen", meinte der 42-Jährige.

Kehls Appell

Wie der Hebel in der kurzen Zeit bis zum Anpfiff umzulegen ist, vermochte aber niemand zu sagen. "Wir müssen uns zusammenreißen. Wir haben hart gearbeitet, um ins Finale zu kommen und wollen uns auch dort entsprechend präsentieren", appellierte Nationalspieler Sebastian Kehl.

Auch Dolls 19. Viererketten-Variante der laufenden Saison, die Änderung der Anfangformation auf fünf Positionen sowie die überraschende Nominierung des Liga-Debütant Marcel Höttecke (20), Torhüter des Regionalliga-Teams, verpufften gegen einen mittelmäßigen Gegner.

Fans stinksauer auf die Mannschaft

Das aktuelle Gespräch mit Thomas Doll:

"Thomas Doll, von der angekündigten Wiedergutmachung für das 0:5 in München war beim 1:3 gegen Hannover 96 nichts zu spüren - und das drei Tage vor dem Pokal-Finale..."

"Am Samstag steigt das Saison-Highlight in Berlin. Wie wollen sie nach diesen beiden peinlichen Auftritten den Hebel wieder umlegen?"

"Das klingt eher wie eine Durchhalteparole..."

Doll: "Wir müssen nach vorn sehen. Die Spiele gegen Bayern und Hannover können wir jetzt nicht mehr drehen. Was wir drehen können, ist die Einstellung der Spieler wie sie am Samstag ins Spiel gehen. Jetzt heißt es Flagge zeigen, Brust raus, ins Olympiastadion einmarschieren und den Pokal holen."

"Ihre Mannschaft wirkt jedoch völlig verunsichert, von Selbstbewusstsein keine Spur..."

"Sie und auch die Klub-Vantwortlichen haben schon mehrfach in dieser Saison an die Ehre der Spieler appelliert. Was bleibt an Möglichkeiten der Motivation für das Endspiel?

"Gegen Hannover haben sie für alle überraschend den erst 20 Jahre alten Marcel Höttecker, den Torhüter des Regionalliga-Teams, ins kalte Bundesliga-Wasser geworfen..."

"Werden wir Höttecker auch in Berlin zwischen den Pfosten sehen, sollte Ziegler nicht zur Verfügung stehen?"

Doll: "Ich kann es noch nicht sagen, aber er hat gute Möglichkeiten."

(sid)