BVB: Julian Weigl war bei Borussia Dortmund schon fast raus, jetzt ist er mittendrin

Julian Weigl beim BVB : Fast schon raus, jetzt mittendrin

Im Winter wollte Julian Weigl Borussia Dortmund schon verlassen. Jetzt scheint er sein Glück doch wiederzufinden.

Sobald der Ball an seinem Fuß ruht, überkreuzt Julian Weigl seinen Zeige- und Mittelfinger, als müsse er sich selbst besonders viel Glück wünschen. Das geht schon seit Jahren so, der Weiglsche Fingerknoten ist auf etlichen Spielbildern verewigt. Ein Tick.

Viel spricht dafür, dass es jenen bei Borussia Dortmund in dieser Saison häufig zu sehen geben wird. Häufiger als in der vergangenen Spielzeit allemal, in deren Mitte der veranlagte Defensivspieler schon hatte fliehen wollen. Zu seinem Förderer Thomas Tuchel: nach Paris. Der BVB legte sein Veto ein.

Ein halbes Jahr später gehört Julian Weigl durchaus überraschend zum Dortmunder Stammpersonal. In den ersten drei Pflichtspielen der Saison verdrängte er Thomas Delaney, neben Axel Witsel verrichtete er zuverlässig mit hoher Passquote seinen Dienst im "Maschinenraum". Plötzlich ist es wieder da, das "geile Gefühl", vor der Südtribüne Siege zu feiern.

Der 23-Jährige besitze nun "den richtigen Biss und die nötige körperliche Schärfe", lobte Sportdirektor Michael Zorc, der Weigl derzeit wie Trainer Lucien Favre "eher als Achter denn als Sechser" sieht. Zorc ließ damit auch durchblicken, was zuvor an Weigl kritisiert worden war: das mangelnde Durchsetzungsvermögen, fehlendes offensives Denken.

Zumindest die physische Komponente hat sich seit der Rückrunde erledigt: Da überzeugte Julian Weigl als Innenverteidiger, also in ebenso ungewohnter wie ungeliebter Rolle. Ohne zu murren.

Im Gegenteil. Das Steine-in-den-Weg-legen, wie er die Verhinderung eines Transfers zu Paris St. Germain zunächst empfunden hatte, deutete er sich um: "Natürlich war es am Anfang schwer, wenn man so eine Chance in Aussicht hat. Es gab keine Bereitschaft, mich gehen zu lassen - was auch eine Wertschätzung mir gegenüber ist."

Das war es in der Tat. Der BVB hatte Not in der Innenverteidigung, Weigl sprang ein und löste seine Aufgabe hervorragend - immer mit dem Gedanken, vielleicht "auch noch mal eine Position nach vorne zu rutschen". Dies scheint zu Beginn seiner fünften Saison bei der Borussia gelungen zu sein.

"Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich lieber dort spiele. Es war wichtig für mich, dass ich jetzt auf meine angestammte Position zurückkehre", sagte Weigl nach dem 5:1 gegen den FC Augsburg, bei dem er sogar beinahe noch ein Tor erzielt hätte. Von wegen mangelnder Offensivgeist. FCA-Torwart Tomas Koubek verhinderte den Einschlag bei Weigls 20-Meter-Volleykracher mit einer spektakulären Parade.

Schon sah sich Zorc gezwungen, angesichts der Stärke des beinahe Verlorenen zur Verteidigung Delaneys zu schreiten. In "Kategorien" wie eben Stammplätze oder Verdrängung werde in Dortmund nicht gedacht, betonte der Sportdirektor: "Julian hat eine super Vorbereitung gemacht, hat sein Spiel auch ein wenig geändert, ist ein bisschen offensiver in Verbindung mit Witsel. Momentan passt das sehr gut."

Momentan - aber auch dauerhaft? Sich selbst Glück zu wünschen, wäre jedenfalls erst einmal unnötig.

(SID/cbo)
Mehr von RP ONLINE