Bundesliga: Borussia Dortmund hat keinen Grund für lange Trauer

BVB ist auch künftig Meisterschaftskandidat : Borussia Dortmund hat keinen Grund für lange Trauer

Nach dem enttäuschenden Ende einer tollen Saison sollte sich Borussia Dortmund nicht lange grämen. Der Traum von der Meisterschaft muss in den kommenden Jahren nicht ad acta gelegt werden. In manchen Dingen ist der BVB sogar weiter als der Konkurrent aus München.

Die Hoffnung währte nur kurz. Als die Kunde vom Frankfurter Ausgleich in München die Runde machte im Borussia-Park von Mönchengladbach, da standen auch die Dortmunder Fans auf den vergleichsweise teuren Plätzen. Die deutsche Meisterschaft schien doch noch mal greifbar. Der Anfall von Euphorie hielt allerdings nur vier Minuten, dann ging Bayern München gegen die Eintracht mit 2:1 in Führung. Die Fans nahmen wieder Platz auf den teuren Stühlen, und der BVB durfte sich endgültig mit dem zweiten Platz anfreunden. Die Kurve hatte damit die geringsten Probleme, sie nahm unmittelbar ihre ganz eigenen Feierlichkeiten auf. Das war gut zu hören, weil der Mönchengladbacher Anhang wegen der tristen Vorstellung seiner Elf in der zweiten Halbzeit vorübergehend den Betrieb einstellte.

Dortmund genügte ein kurzer Zwischenspurt für einen hochverdienten 2:0-Erfolg, den Treffer von Jadon Sancho und Marco Reus sicherstellten. Dass der Ball vor dem 1:0 die Grundlinie überschritten hatte, ehe Reus ihn noch vors Tor brachte, störte am Ende lediglich die Gastgeber.

Nach dem 2:0 schaltete der BVB angesichts des immer klareren Vorsprungs der Bayern im Fernduell um den Titel in den Verwaltungsmodus. Locker vorgetragene Kombinationen reichten nicht nur zur Sicherung des Siegs, sie hätten zu weiteren Toren führen können. Das spielerische Format der westfälischen Borussia wurde sichtbar.

Eine Halbzeit lang, die erste, hatten die Dortmunder ihr Können allerdings geschickt verborgen. Ihnen fehlten Tempo und Entschlossenheit, sie hatten zunächst Nachteile gegen die konzentrierter auftretende Namenscousine vom Niederrhein. Es sah bis kurz vor der Pause nicht so aus, als wolle der BVB zumindest seinen Teil der Arbeit im Zweikampf um den Titel mit Nachdruck erledigen.

Diesen Makel aber tilgten die Spieler von Trainer Lucien Favre nach der Pause. Sie hatten mehr Spaß am Spiel, und sie verabschiedeten sich in allen Ehren von ihren Fans. "Wir haben unsere Aufgabe erledigt, es war unser Ziel, hier zu gewinnen." In der Kurve wurde sein Team zu Recht für eine Saison gefeiert, die weit besser war als erwartet. Zur Krönung reichte es nicht, weil auf eine in allen Belangen überragende Hinserie eine viel kompliziertere Rückrunde folgte. Die Selbstverständlichkeit, mit der Dortmund in der Serie vor der Winterpause das heute so viel zitierte "Spielglück" strapazieren durfte, endete im neuen Jahr. Es wurde alles ein wenig schwerer, mit der Aussicht auf den ganz großen Erfolg schwand die Leichtigkeit. Und im Rückspiegel wurde der FC Bayern immer größer. Das führte zu verkrampfteren Vorstellungen, und wo anfangs schon mal das Glück in der Schlussphase den Dortmundern in Form später Tore zur Seite stand, gab es nun Punktverluste.

Das entscheidende Spiel verlor der BVB in München. Nach dem 0:5 glaubten einerseits die Bayern an ihre Unverwundbarkeit, und es setzte sich andererseits bei den Dortmundern die Überzeugung durch, noch nicht reif für den Titel zu sein.

Das heißt allerdings nicht, dass Dortmund Meisterschafts-Träume künftig wieder zu den Akten legen muss wie in den Zeiten der drastischen Münchner Überlegenheit in den Jahren 2013 bis 2018. Der BVB hat aufgeholt, er hat mit einigen großen Talenten schon sehr erfolgreich den Umbruch eingeleitet. Er ist in dieser Hinsicht sogar weiter als der Konkurrent in München. Am letzten Spieltag der alten Saison war das allerdings nur ein schwacher Trost. "Natürlich ist es eine Enttäuschung, wenn man den Titel verpasst", sagte Favre, "es hat uns wenig gefehlt, wir können zufrieden aus der Saison gehen. Wichtig ist, dass bis zum Schluss alles möglich war." So sehen das wahrscheinlich auch die Anhänger. Jedenfalls mit ein paar Tagen Abstand.

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