Borussia Dortmunds Trainer Favre nach 0:2 in Mailand in der Diskussion

0:2-Niederlage in Mailand : Dortmunds Trainer Favre fehlt mal wieder Plan B

Borussia Dortmund bietet beim 0:2 in Mailand eine wenig inspirierte Vorstellung. Das bringt den Trainer unter Druck. Das kann er nur ändern, indem er sich selbst ändert. Will er das? Eine Analyse.

Die Vorsprecher waren sich erfreulich uneinig. „Eigentlich“, sagte Borussia Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels, „war das ein typisches 0:0-Spiel. Wir haben es geschafft, Inter Mailand seine Waffen zu nehmen.“ Sebastian Kehl, der Chef der Lizenzspieler beim BVB, aber murrte: „Wir haben zu viele Möglichkeiten zugelassen.“ Über das Ergebnis der Dortmunder Bemühungen konnte allerdings Einigkeit erzielt werden. Der deutsche Vizemeister unterlag bei Inter Mailand, dem wahrscheinlich härtesten Konkurrenten um Platz zwei in der Champions-League-Gruppe F, mit 0:2 und steht nun im Rückspiel gegen die Italiener unter Druck.

Das sieht auch Hummels so. „Wir müssen im Heimspiel dominanter auftreten“, stellte der Ersatz-Kapitän fest, „und mehr pressen.“ In Mailand hatte sich sein Trainer Lucien Favre für eine vollkommen andere Taktik entschieden. Er „verdichtete“, wie es so schön heißt, das Mittelfeld, indem er drei Mann in der letzten Linie verteidigen ließ, vier Spieler in die Mitte stellte und drei nach vorn. Das 3-4-3 sollte die Spielentwicklung der Italiener hemmen und gleichzeitig Überlegenheit auf den Flügeln herstellen.

Hübsch ausgedacht und in Maßen sogar erfolgreich – zumindest brannte Inter kein Feuerwerk fußballerischer Ideen ab. Das war aber ohnehin nicht das zentrale Ziel der Mailänder. Sie warteten geduldig auf eine Torgelegenheit, die der BVB durch viel zu passive Zweikampfführung gestattete. Und nach guter, alter Sitte wurde diese Gelegenheit kühl zur Führung genützt.

Die Hälfte des Dortmunder Konzepts, die der Spielvereitelung, war damit schon hinfällig. Und die Überlegenheit auf den Außenbahnen blieb ebenfalls ohne erkennbaren Nutzen, weil den Dortmunder Aktionen die vielzitierte Tiefe im Zentrum des Angriffs fehlte. Die Läufe des verletzt fehlenden Spielführers Marco Reus wurden schmerzlich vermisst. Und Julian Brandt, den Favre für den verletzten Paco Alcácer in die Mitte gestellt hatte, tauchte lieber im eigenen Mittelfeld auf, als sich in die gefahrbringende Zone zu bewegen.

Das Ergebnis war unergiebiger Breitwandfußball mit reichlich Ballbesitz, aber ohne erkennbares Fortkommen. Favre aber änderte seine Ordnung nicht, und er verteidigte das selbst im Rückstand allzu vorsichtige Spiel geradezu trotzig. „Wir dürfen nicht träumen“, erklärte der Schweizer, „wir können keine zehn Torchancen haben gegen so eine Mannschaft.“ Drei, vier wären schon ganz schön gewesen. So aber kombinierte Dortmund sich ohne großes Tempo gelassen in die Niederlage, die Inter in der Schlussphase noch deutlicher machte.

Natürlich wächst nun der Druck auf den Trainer, der wieder mal ein Opfer seiner Besessenheit vom vermeintlich schönen Ballbesitzfußball der erfolgreichsten Ära des FC Barcelona wurde. Wie schon bei seiner viereinhalb Jahre überwiegend sehr erfolgreichen Zeit bei Borussia Mönchengladbach ging er von seinem Konzept auch dann nicht ab, als es dringend dem Spielverlauf hätte angepasst werden müssen. Feuer und Leidenschaft auf dem Spielfeld zu entfachen, liegt nicht im Charakter des detailverliebten Tüftlers aus der Schweiz. Das hat möglicherweise auch zu unnötigen Punktverlusten in der Bundesliga geführt. Und es hat längst eine Debatte um Favre selbst entfacht. Dem Coach hilft auch nicht, dass Sportdirektor Michael Zorc diese Debatte (vor dem Spiel) kategorisch beenden wollte. „Wir führen keine Trainer-Diskussion“, stellte er fest und dementierte Kontakte zu José Mourinho, die „Sport-Bild“ gemeldet hatte. Zumindest von großen Teilen des Anhangs wird Favre dennoch in Frage gestellt. Er wird das nur selbst ändern können, indem er sich ändert. Ob er das will, ob er das kann, sind die entscheidenden Fragen.