Borussia Dortmund will zurück zum Wir-Gefühl

Ansage an Spieler: Dortmund will zurück zu Zucht und Ordnung

Borussia Dortmund hat seine Mannschaft zur neuen Saison umgebaut. Nun soll innerhalb des Teams ein neuer Geist her. Ego-Trips wie die von Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembélé will der Verein nicht mehr dulden.

Die Worte von Sebastian Kehl hören sich erst einmal gar nicht bedrohlich an. „Wir werden wieder mehr und nachhaltiger Wert auf Details legen“, sagt der ehemalige Profi von Borussia Dortmund, der ab dieser Saison die Lizenz-Spieler-Abteilung leitet. Doch die Ankündigung des 38-Jährigen ist eine unmissverständliche Ansage an die Bundesligaspieler des BVB. Borussia Dortmund will wieder Zucht und Ordnung in den eigenen Reihen.

Kehl, der eng mit der Mannschaft arbeiten soll, gibt sich diplomatisch, fast einfühlsam. Jeder habe seine Rückendeckung, sagt er. Sportdirektor Michael Zorc wird deutlicher: „Ich mag keine Drohung aussprechen, aber bei uns kann sich keiner mehr wegstreiken.“

Zur neuen Saison hat Borussia Dortmund den Kader umgebaut. Der kauzige Schweizer Lucien Favre ist als Trainer gekommen. Nun gehen die Arbeiten auf anderer Ebene weiter. Der Verein will zurück zum „Wir“-Gefühl, das ihn unter Trainer Jürgen Klopp 2013 bis in das Finale der Champions League führte. Die Spieler hielten zusammen, holten in wilden Spielen Rückstände auf, so wie im Champions-League-Viertelfinale gegen Malaga, als Innenverteidiger Felipe Santana den Ball in der Nachspielzeit über die Linie drückte und die Borussia in den Fußball-Himmel schoss - in das Halbfinale gegen Real Madrid, das die Dortmunder auch gewinnen sollten.

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Fans und Verein standen eng zusammen. Die Fans fühlten die „echte Liebe“, die der Marketingtross des BVB als Motto herausgegeben hat. „Das Gefühl des totalen Zusammenhalts, dieses Gemeinschaftsgefühl, hat uns immer ausgezeichnet, gerade in schwierigen Zeiten“, sagt Sportdirektor Michael Zorc.

Zuletzt hatten einige dieses Gefühl mit Füßen getreten. Pierre-Emerick Aubameyang und schon davor Ousmane Dembélé führten den Klub vor, indem sie ihre Wechsel erzwangen. Aubameyang leistete sich eine Disziplinlosigkeit nach der anderen, bis er zum FC Arsenal zog. Dembélé boykottierte sogar das Training, um seinen Wechsel zum FC Barcelona zu erzwingen. Und der Verein, so warfen es ihm viele Fans vor, schaute zu.

Für die neue Saison haben die Verantwortlichen des BVB Verhaltensregeln für die Profis - wohl bemerkt: Es sind erwachsene Männer - festgelegt. Die Einhaltung soll streng kontrolliert werden. Dabei geht es um Kleinigkeiten wie Pünktlichkeit, aber auch die Sprache der Spieler und die Handynutzung. Das klingt wie der Strafen-Katalog einer Mannschaft von 16-Jährigen. Vermutlich soll es das auch. Den Spielern müsse klar sein, dass sie eine Verpflichtung eingegangen seien, mahnt Sebastian Kehl an. „Jeder muss wissen, dass wir bei Borussia Dortmund eine hohe Erwartungshaltung haben.“ Eigentlich sollten Pünktlichkeit und angemessenes Benehmen selbstverständlich sein.