Borussia Dortmund schlägt Leipzig: Lucien Favre bleibt sich treu

Wenig Freude nach hohem Sieg : Favre bleibt Favre

Borussia Dortmund hat einen seiner ärgsten Konkurrenten um die Plätze für die Champions League nach einem frühen Rückstand mit 4:1 nach Hause geschickt. Trainer Lucien Favre bleibt auch nach so einem Erfolg der große Mahner.

Lucien Favre hätte nach dem Sieg gegen RB Leipzig am Sonntagabend vieles sagen können. Zum Beispiel hätte es ein Lob sein dürfen. Dafür, dass seine Mannschaft nach dem schwierigen Pflichtspielauftakt im Pokal (2:1 in Fürth) in der Liga ein paar Schüppen draufgepackt hat. Er hätte sich auch einfach freuen dürfen, immerhin hatte seine Mannschaft gerade einen der größten Konkurrenten um die Champions-League-Plätze 4:1 geschlagen, nachdem die Leipziger schon in der ersten Minute durch Jean-Kevin Augustin in Führung gegangen waren. Für seine Mannschaft hatte der Schweizer dennoch nur ein Mini-Lob übrig. „Wir haben eine gute Reaktion gezeigt“, sagte er.

Nach der Partie gab sich der 60-Jährige, wie man ihn kennt. Detailverssen. Nie sichtbar zufrieden. Den Blick nach vorne gerichtet. „Es gibt viel zu korrigieren“, sagte der Schweizer. „Sie waren 25 Minuten lang besser und schneller als wir.“

Der Schweizer hat sich den Ruf als großer Mahner erarbeitet. Bei seiner bislang längsten Bundesligastation in Mönchengladbach war Favre stets darum bemüht, die Erwartungen zu dämpfen. Angesprochen auf die positive Entwicklung in Gladbach betete er stoisch sein Mantra herunter: „Vergessen sie nicht, wo wir herkommen.“ Favre hatte Mönchengladbach abgeschlagen im Tabellenkeller übernommen, in der Relegation den Abstieg verhindert und aus dem Verein binnen weniger Jahre einen Champions-League-Teilnehmer gemacht. Favre war immer der „Underdog“ und pflegte dieses Image, in dessen Licht Erfolge noch einmal bedeutender wirken.

In Dortmund findet der 60-Jährige eine ganz andere Situation vor. Er kommt in einen Verein, der fertige Spieler in seinen Reihen hat. Die Anspruchshaltung ist eine andere. Er muss direkt liefern. Die Champions League ist das erklärte Ziel des BVB.

Dass der erste Schritt auf dem Weg dorthin gelang, hat Favre auch seinem Torwart zu verdanken. Roman Bürki verhinderte in der ersten Spielhälfte das 2:0 der Gäste. RB-Trainer Ralf Rangnick nannte die Leistung des Keepers „überragend“. Obwohl Rangnick der Geschlagene ist, verteilte er nach der Partie mehr Lob als der Trainer der Dortmunder, die nach dem ersten Spieltag die Tabellenführung übernommen haben. „In so einem Spiel machen Kleinigkeiten den Unterschied. Mit der ersten halben Stunde bin ich mit dem Spiel mit und gegen den Ball voll und ganz zufrieden“, sagte Rangnick. Für eine Saison ist er Trainer und Sportdirektor in Personalunion, bis im kommenden Jahr Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann bei RB übernimmt.

Apropos Zugänge: Bei Dortmund hat das Toreschießen auch ohne gelernten Mittelstürmer gut geklappt. Verstärkung soll trotzdem kommen. Die Dortmunder sind am Spanier Francisco Alcacer Garica, kurz Paco, vom FC Barcelona interessiert. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge steht der Transfer kurz bevor. Etwa zwei Millionen Euro Leihgebühr sollen die Dortmunder zahlen, vereinbart ist dem Vernehmen nach eine Kaufoption, die rund 25 Millionen Euro betragen soll.

Der 24-jährige Stürmer ist dabei keiner, der herausragt: Paco ist nur 1,74 Meter groß. Dortmund setzt damit auf spielende Mittelstürmer und Variabilität. Auch das ist typisch für Dortmunds Trainer Lucien Favre. In Gladbach prägte er den Begriff des polyvalenten Spielers, der mehrere Positionen spielen kann. Gegen Leipzig stürmte ganz vorne Maximilian Philipp, der kein gelernter Mittelstürmer ist.

Viel Zeit, seiner Mannschaft aufzuzeigen, was besser laufen kann, bleibt Lucien Favre in dieser Woche nicht. Bereits am Freitag spielen die Dortmunder bei Hannover 96.

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