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Borussia Dortmund: Peter Bosz und die Frage nach dem System

Systemfrage beim BVB : Bosz wandelt auf einem schmalen Grat

Peter Bosz legte mit Borussia Dortmund einen furiosen Saisonstart hin. Doch inzwischen wird das System des Niederländers immer öfter kritisiert.

Seine Liebe zum System hat Peter Bosz schon früh entdeckt. In seiner Zeit als Spieler bei Feyenoord Rotterdam in den 90er-Jahren schaute er aus seinem Auto heraus gelegentlich beim Training von Ajax Amsterdam zu. Die Philosophie seines Landsmanns Louis van Gaal hatte es dem Niederländer angetan.

Daher verwundert es nicht, dass der Trainer Bosz bedingungslos seinem 4-3-3-System vertraut. Bei Borussia Dortmund legte der 53-Jährige damit einen furiosen Saisonstart hin, doch inzwischen mehren sich die Zweifel. Zu offensiv, zu riskant und anfällig für Konter - so lauten die Vorwürfe.

Rückschläge als Antriebsfeder

Der Johan-Cruyff-Verehrer Bosz zeigte sich von der Kritik vor dem Champions-League-Spiel gegen APOEL Nikosia am Mittwochabend unbeeindruckt. "Jedes System ist anfällig, wenn man es nicht perfekt ausführt und selbst Fehler macht", sagte Bosz der Sport Bild: "Wir müssen uns darin verbessern, unser System richtig auszuführen." Von seiner Taktik abrücken will er nicht. "Ich weiß aus Erfahrung: Oft ist diese Art von Rückschlägen, wie wir sie gerade erlebt haben, genau das, was dich nach vorne bringt."

Sein Landsmann Huub Stevens kennt Bosz als taktischen Sturkopf. "Er ist zu hundert Prozent von seiner Idee überzeugt, und die setzt er auch durch. Seine Gedanken über Fußball sind so, und davon lässt er sich nicht abbringen", sagte der ehemalige Schalker Erfolgscoach bei Sport1: "Wenn Plan A nicht greift, dann muss ein Trainer Plan B haben. Aber Peter weicht noch nicht von seinem Plan A ab. Ich hoffe nicht, dass ihm das zum Verhängnis wird."

Daran denken die BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc noch nicht. Zorc nannte aufkommende Zweifel zuletzt "schizophren" und "lächerlich". Doch auch die Verantwortlichen wissen, dass Bosz auf einem schmalen Grat wandelt. "Für Peter ist das jetzt eine ganz schwierige Situation, weil er an seine Philosophie glaubt. Das, was er macht, ist gefährlich", sagte Stevens.

Anlaufschwierigkeiten bei Ajax

Bei Ajax hatte Bosz in der vergangenen Saison einige Anlaufschwierigkeiten. Der niederländische Rekordmeister startete erst in der Rückrunde richtig durch und erreichte mit begeisterndem Offensivfußball das Europa-League-Finale. Dort gab es gegen Manchester United allerdings eine 0:2-Niederlage, Bosz muss weiter auf seinen ersten großen Titel als Trainer warten.

"Als Spieler fühlte ich, dass ich nie richtig gut sein würde. Als Trainer will ich zeigen, dass ich doch zu den Besten gehören kann", sagte Bosz einmal. Beim BVB, bei dem er einen Vertrag bis 2019 besitzt, will der ehemalige Profi von Hansa Rostock (14 Bundesligaspiele) diesen Nachweis antreten. Dafür müsste er sich allerdings ein Stück weit von seiner Sturheit in taktischen Fragen lösen, die ihm schon bei Ajax nachgesagt wurde.

"Wenn Zorc und Watzke ganz vernünftig mit Peter sprechen, dann denke ich, dass sie da rauskommen, wenn Peter etwas von seiner Philosophie abrückt. Es ist eine wichtige Woche für ihn. Interessant wird sein, ob die Bosse noch mit Peter an einem Strang ziehen", sagte Stevens.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Peter Bosz

(SID)