Borussia Dortmund muss in der Länderspielpause das Kopfproblem in den Griff bekommen

Ungemütliche Länderspielpause : Borussia Dortmund hat ein Kopfproblem

Der erschreckende Auftritt von Borussia Dortmund im Topspiel bei Bayern München hat seine Spuren hinterlassen. Die Länderspielpause kommt für den BVB zur richtigen Zeit.

Um Lucien Favre wird es einsam. Das ist keine unmittelbare Folge des erschreckenden Auftritts von Borussia Dortmund im Bundesliga-Gipfel bei Bayern München, zahlreiche Spieler des BVB verabschiedeten sich zu ihren Nationalmannschaften. Eine Aufarbeitung des 0:4-Debakels beim deutschen Fußball-Rekordchampion ist daher nur bedingt möglich.

Dennoch kommt die zweiwöchige Pause zur richtigen Zeit, auch wenn die Trainingsbeteiligung eher übersichtlich sein wird. Dass die Profis des Vizemeisters guten, an manchen Tagen auch mitreißenden Fußball spielen können, ist nämlich unbestritten. Der BVB hat ein Kopfproblem.

"Ich glaube, dass sich viel zu viele Spieler verstecken auf dem Platz. Leute wie Roman Bürki oder Mats Hummels, die das Zeug dazu haben, eine Mannschaft zu führen. Auch Axel Witsel oder Marco Reus im Sturm. Man muss als Kollektiv vorne attackieren und sich dem Ganzen nicht ergeben", kritisierte Ex-Torhüter Roman Weidenfeller in der Sendung Sky90 und ergänzte: "Ich hatte nicht mal das Gefühl, dass man sich über diese Niederlage aufgeregt hat."

Michael Zorc schon. Der Sportdirektor, der vor dem Spiel "Männerfußball" von "echten Kerlen" gefordert hatte, ließ richtig Dampf ab. Zorc schimpfte über eine "Nicht-Leistung", es sei "überhaupt kein Fußball" gewesen. "Wir haben", sagte Zorc, "dem Druck nicht standgehalten."

In seiner Wutrede nahm Zorc Coach Favre zwar "komplett raus", doch der Schweizer gerät zunehmend in die Kritik. Der Rückstand des selbst ernannten Titelanwärters auf Tabellenführer Borussia Mönchengladbach ist auf stattliche sechs Punkte angewachsen. Auch die vermeintlich größten Konkurrenten RB Leipzig und Bayern München liegen nun zwei Zähler vor dem Tabellensechsten.

Vor zwölf Monaten war die Stimmungslage bei den Schwarz-Gelben noch eine andere. Nach einem Heimsieg gegen die Bayern (3:2) führte der BVB die Tabelle an und hatte acht Punkte mehr auf dem Konto als in dieser Saison nach dem elften Spieltag.

Jetzt ist Favre gefordert. Der 62-Jährige muss sein Team zurück auf Kurs bringen, ansonsten sind die Meisterträume frühzeitig geplatzt. Besonders die Auswärtsschwäche muss Favre in den Griff bekommen. Auf fremden Plätzen verspielten die Dortmunder - teils mit Alibifußball - schon in der vergangenen Saison den Titel.

Für Hummels war der blutleere Auftritt in München "ein Zeichen, dass wir keine Toptruppe sind". Man könne "an unseren guten Tagen" eine sein, "aber eine Topmannschaft ist das auch an schlechten".

Da der Innenverteidiger bei Bundestrainer Joachim Löw weiter keine Berücksichtigung findet, dürfte er in diesen Tagen ebenso wie der angeschlagene Kapitän Marco Reus einer der ersten Ansprechpartner Favres bei der Aufarbeitung sein. Ganz so einsam steht der BVB-Coach also doch (noch) nicht da.

(ako/sid)