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Borussia Dortmund: Michael Zorc spricht Trainer Lucien Favre das Vertrauen aus

BVB-Coach unter Druck : Zorc spricht Favre das Vertrauen aus

Nach Medienberichten steht BVB-Trainer Lucien Favre am Samstag bei Hertha BSC vor einem Endspiel. Eine neuerliche Niederlage könnte ihn den Job kosten. Doch der Mangel an geeigneten Nachfolgekandidaten könnte diese Entscheidung weiter hinauszögern.

Michael Zorc wählte diplomatische Worte. Auf die Frage, ob Lucien Favre auch im Falle einer Niederlage am Samstag (15.30 Uhr/Sky) bei Hertha BSC noch Trainer von Borussia Dortmund bleibt, antwortete der Sportdirektor ausweichend. „Wir bleiben in der Realität und begeben uns nicht in den Konjunktiv“, sagte er wenige Stunden vor dem Abflug des Fußball-Bundesligisten nach Berlin. Noch hofft Zorc auf eine gemeinsame Zukunft: „Wir haben Vertrauen zu Lucien, er arbeitet sehr hart, will die Trendwende schaffen. Wir glauben, dass wir das hinkriegen in dieser Konstellation.“

Bleibt die ersehnte Trendwende aus, dürfte der 62 Jahre alte Fußball-Lehrer jedoch kaum zu halten sein. Nach dem 1:3 am Mittwoch beim FC Barcelona, das den BVB den Einzug in die K.o.-Runde der Champions League kosten könnte, gilt das Trainerduell mit dem neuen Hertha-Coach Jürgen Klinsmann in den Medien als Endspiel für Favre. Diese Spekulationen blendet der Schweizer aus: „Ich konzentriere mich auf das Wesentliche, mein Fall ist unwichtig. Das gehört dazu, wenn die Ergebnisse nicht da sind. Ich akzeptiere das. Aber ich habe Vertrauen in die Mannschaft und in mich.“

Ob die Partie in Berlin wirklich seine letzte Chance ist, um seinen Arbeitsplatz zu retten, ist fraglich. Denn noch ist für die Dortmunder Vereinsführung kein Nachfolgekandidat in Sicht. Die zunächst gehandelten Mauricio Pochettino und Ralf Rangnick gelten mittlerweile nicht mehr als wirkliche Optionen. Stattdessen wird in den Medien neuerdings immer häufiger der Name Daniel Farke gehandelt. Sein Vorteil: Als ehemaliger Coach der zweiten Dortmunder Mannschaft ist er mit den Verhältnissen beim Revierclub bestens vertraut.

Allerdings steht der 43 Jahre Ostwestfale beim englischen Club Norwich City, den er in der vergangenen Saison überraschend in die Premier League geführt hatte, unter Vertrag und dürfte deshalb erst im nächsten Sommer zu haben sein.

Für zusätzliche Störgeräusche in den vergangenen Tagen sorgte wieder einmal Jadon Sancho. Der englische Nationalspieler soll zu spät zur Mannschaftssitzung vor dem Spiel in Barcelona gekommen und deshalb von Favre aus der Startelf gestrichen worden sein. Schon vor fünf Wochen war er für die Partie gegen Mönchengladbach suspendiert und mit einer Geldstrafe in Höhe von 100 000 Euro bestraft worden, weil er verspätet von einem Länderspiel zurückgekehrt war.

Dennoch gehört der 19 Jahre alte Flügelspieler in Berlin zum Kader und muss keine weitere Konsequenzen befürchten: „Wir haben es intern schon längst besprochen, mit ihm persönlich und in der Mannschaft. Es ist abgehakt, wir schauen nach vorne. Jadon ist ganz normaler Bestandteil der Mannschaft“, sagte Zorc.

Aus sportlichen Gründen wird es sich die Borussia kaum leisten können, auf Sancho zu verzichten. Dafür steht zu viel auf dem Spiel. Schließlich ist er mit vier Toren und sieben Assists der drittbeste Scorer der Liga und belebte das Offensivspiel des BVB in Barcelona nach seiner Einwechslung zur Pause merklich. Erste Medienberichte, wonach Sancho mit seinen Disziplinlosigkeiten einen Transfer schon in diesem Winter provozieren will, hält Zorc für übertrieben: „Ich habe nicht den Eindruck, dass ein Wintertransfer vorbereitet wird“, sagte der Sportdirektor mit Verweis auf zahlreiche Gespräche mit dem von anderen Clubs umworbenen Talent und dessen Berater.

Unabhängig von der Causa Sancho ist Lizenzspielerchef Sebastian Kehl guter Dinge, dass die Profis die Zeichen der Zeit erkannt haben: „Die Mannschaft weiß, dass wir eine richtig gute Leistung und einen Ruck brauchen. Wir wissen, wie wichtig die Bundesliga für uns ist und dass wir dringend in die Erfolgsspur zurück müssen.“ Der Trainerwechsel in Berlin könnte seiner Meinung nach die ohnehin knifflige Aufgabe jedoch zusätzlich erschweren: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass Berlin ein anderes Gesicht zeigen wird.“

Auch Sportdirektor Zorc sehnt das Ende der Talfahrt herbei: „Es ist eine schwierige Aufgabe in Berlin. Aber wir erwarten, dass wir auch mal mit einem lachenden Gesicht nach Hause fliegen nach dem Spiel.“

(ako/dpa)