Borussia Dortmund: Kapitän Marco Reus in der Form seines Lebens

Dortmunds Kapitän : Der beste Reus aller Zeiten

Es gibt mindestens vier Gründe für den BVB-Höhenflug. Einer ist Marco Reus. Der Kapitän verkörpert Dortmunds Titelhoffnungen, auch beim 5:1 gegen Hannover war er überragend.

Es ist Samstag, der 26. Januar 2019, 16.50 Uhr, im ehemaligen Dortmunder Westfalenstadion, als den Zuschauern auf den Rängen so langsam und mal wieder die Superlative für Marco Reus (29) ausgehen. Borussia Dortmunds Kapitän hat gerade einen Rückpass von Achraf Hakimi derart kunstvoll und zugleich beiläufig ins Tor geschnibbelt, dass selbst die düpierten Verteidiger aus Hannover kurz erwägen, ob sie nicht auf dem Spielfeld Beifall spenden sollen. Das tun sie natürlich nicht, weil Reus gerade das 2:0 erzielt hat, einen echten Wirkungstreffer gegen die zuvor anständig mithaltenden Gäste. Danach bricht deren Gegenwehr zusammen, Dortmund stürmt zu einem 5:1-Sieg, der die Tabellenführung festigt und Hannovers Abstieg ein bisschen wahrscheinlicher macht.

Es gibt mindestens vier Gründe für den Dortmunder Höhenflug. Der eine ist zweifellos Reus, der zum ersten Mal seit seiner großen Zeit bei Borussia Mönchengladbach, die 2012 in der Wahl zu Deutschlands Fußballer des Jahres endete, ohne Probleme mit seinem so anfälligen Körper anmutig wie ein Tänzer durch die Saison fliegt. Der zweite ist Trainer Lucien Favre, dessen hingebungsvolle Arbeit an allen Details diese Mannschaft aus hochtalentierten Kräften beständig verbessert. Das segensreiche Wirken des manchmal so kauzigen Schweizers führt den Klub ganz nebenbei von Bestleistung zu Bestleistung. 48 Punkte nach 19 Spielen – das gab es beim BVB noch nie, nicht einmal auf dem stürmischen Weg zum ersten Meistertitel mit Jürgen Klopp 2011. Typisch Favre der Kommentar zu dieser Marke: „Das bedeutet mir nicht so viel, das ist doch nur Statistik.“

Der dritte Grund für die Stabilität des Tabellenführers ist Axel Witsel, der im defensiven Mittelfeld so etwas wie den Erziehungsberechtigten für die jugendlichen Hochgeschwindigkeits-Fußballer an seiner Seite gibt. Der Belgier ist eine große Persönlichkeit, einer der Spieler, von denen jeder Mitspieler weiß: „Wenn es schwierig wird, dem kannst du immer den Ball geben.“ Dass er damit nicht nur im Mittelfeld ordentliche Dinge anstellen kann, bewies er bei seinem Treffer zum 1:0 in Leipzig vor Wochenfrist und mit seinem knochentrockenen Abschluss zum 5:1 gegen Hannover.

Der vierte Grund ist der Dortmunder Mut zu einer grundsätzlichen Renovierung des Teams. Mit deutlich mehr Konsequenz, als sie der große Konkurrent Bayern München an den Tag legt, hat der BVB einen Umbruch vollzogen. Ein Beleg: An diesem 19. Spieltag standen nur noch vier Spieler (Bürki, Piszczek, Götze, Weigl) in der Startaufstellung, die beim 19. Spieltag der Vorsaison ein 1:1 bei Hertha BSC holten. Und die Elf, die zu Beginn des Jahres 2019 für Borussia Dortmund antritt, hat auch ihren Stil grundlegend verändert. Sie spielt ein sehr beeindruckendes Tempo, aber sie versteht sich immer besser auch auf Spielkontrolle.

Dennoch ist der Weg zur nächsten Meisterschaft natürlich nach zwei Spielen der Rückrunde nicht bewältigt. Das weiß jeder, auch wenn sich die Dortmunder durchaus gegenseitig Mut machen können. „Wenn wir einmal ins Rollen kommen, haben wir enorm viel Power“, sagt Reus nach der Begegnung mit Hannover, „dann wird es für jeden Gegner schwer. Aber nur dann.“

Reus bringt die notwendige Mischung zwischen großartiger Lässigkeit und Konzentration auf das Wesentliche inzwischen regelmäßig auf den Platz. Und wer ihn reden hört, der staunt über die Abgeklärtheit, mit der ein einst so zappelig-scheuer Öffentlichkeitsarbeiter durch sein Profileben geht. Reus ist nicht nur ein Fußballer, von dessen Klasse es auf der ganzen Welt vielleicht nur eine Handvoll gibt, er ist auch erwachsen geworden. Der nächste Dortmunder Trumpf im Titelrennen.

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