1. Sport
  2. Fußball
  3. Borussia Dortmund

Borussia Dortmund: Jadon Sancho sorgt vor Spiel beim FC Barcelona erneut für Ärger

Eklat vor Barca-Spiel : Sancho sorgt erneut für Ärger

Jadon Sancho von Borussia Dortmund saß beim 1:3 von beim FC Barcelona zunächst nur auf der Bank. Wie nun bekannt geworden ist, leistete sich der Engländer im Vorfeld der Partie eine erneute Disziplinloskigkeit.

Als Lucien Favre nach einem Durchstart-Manöver am Donnerstagnachmittag aus dem Flieger stieg, hatte der angezählte Trainer von Borussia Dortmund neben der bangen Zukunftsfrage ein weiteres Problem im Gepäck. Jungstar Jadon Sancho ist offensichtlich wieder über die Stränge geschlagen und vergrößerte damit Favres Sorgen vor dessen "Job-Endspiel" bei Hertha BSC am Samstag (15.30 Uhr/Sky).

Sancho soll vor der 1:3-Niederlage in der Champions League beim FC Barcelona laut übereinstimmenden Medienberichten das Frühstück und das Anschwitzen verpasst haben, zur Teambesprechung sei er verspätet erschienen. Zuerst hatte die „Bild“ über den Vorfall berichtet. Ob die Disziplinlosigkeit Sanchos der einzige Grund ist, oder ob die Entscheidung Favres auch einen sportlichen Hintergrund hat, ist unklar. Doch es ist nicht unwahrscheinlich, dass Favre den 19-Jährigen deshalb eine Halbzeit auf der Bank schmoren ließ.

„Wir brauchten elf Spieler, die fokussiert und bereit auf dem Platz sind“, sagte BVB-Trainer Favre nach der Partie. Auch die Äußerung von Abwehrchef Mats Hummels lässt viel Spielraum für Spekulationen: „Das Thema möchte ich jetzt nicht öffentlich kommentieren. Er hat eine gute Reaktion gezeigt.“

Klar ist: Die andauernden Disziplinlosigkeiten des englischen Nationalspielers kommen zur Unzeit - der Druck auf Favre ist ohnehin schon riesig. Dabei versuchte der Schweizer Lockerheit zu demonstrieren. Nach der leicht verspäteten Landung aufgrund des Manövers wegen starker Winde gab der Schweizer den wartenden Fans Autogramme und posierte für Fotos.

Kämpferisch hatte er sich bereits direkt nach der Niederlage gezeigt. Es sei zwar eine sehr schwierige Phase, betonte Favre, aber "ich bin überzeugt davon, dass wir es schaffen. Ich habe Vertrauen."

Das Vertrauen der BVB-Verantwortlichen in Favre schwindet allerdings. Vor dem Spiel bei der Hertha mit dem neuen Coach Jürgen Klinsmann erhöhten sie den Druck. Nur ein Sieg kann wohl Favres Aus beim achtmaligen deutschen Meister noch verhindern.

"Da wollen wir die Trendwende und den Anschluss an die oberen Plätze schaffen", sagte Sportdirektor Michael Zorc. Lizenzspielerchef Sebastian Kehl stellte klar, dass "wir dringend in die Erfolgsspur zurück müssen."

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke hatte nach den peinlichen Auftritten in München (0:4) und gegen Paderborn (3:3) Ergebnisse gefordert. Die Dortmunder präsentierten sich bei der großen Show des überragenden Superstars Lionel Messi im Camp Nou nur phasenweise leicht verbessert. Ein Schritt aus der Krise sei dies daher nicht gewesen, so Zorc nach den Gegentoren durch Luis Suarez (29.), Messi (33.) und Antoine Griezmann (67.). Den Achtelfinaleinzug in der Königsklasse hat die Borussia zudem nicht mehr in der eigenen Hand.

Die Gäste agierten lange Zeit zu mutlos, Favre hatte in Marco Reus und Julian Brandt nur zwei gelernte Offensivspieler in seiner Startformation aufgeboten. Beim Pressing mangelte es an der Abstimmung, zudem erlaubte sich der deutsche Vizemeister wie vor dem 0:2 in Person von Mats Hummels zu viele individuelle Fehler, die Barcelona vor allem durch Messi eiskalt bestrafte.

Der Großteil der Spieler zeigte sich selbstkritisch. "Wir kommen im letzten Drittel nicht richtig nach vorne. Da müssen wir zielstrebiger, auch mal einen riskanten Pass spielen. Und wenn wir den Ball verlieren, früher und höher pressen", sagte Kapitän Marco Reus.

Für Torhüter Roman Bürki war die Leistung in der ersten und zu Beginn der zweiten Halbzeit "zu wenig". Erst als Barca "ein paar Gänge zurückgeschaltet" habe, "haben wir unsere Chancen gekriegt". Die Einwechslung von Sancho wirkte sich dabei positiv aus, er bezwang Nationaltorhüter Marc-Andre ter Stegen mit einem sehenswerten Schuss in den Winkel (77.). "Wir brauchten elf Spieler, die fokussiert und bereit auf dem Platz sind", begründete Favre seine Entscheidung gegen Sancho in der Startelf.

Doch wie viele Entscheidungen darf Favre noch treffen? "Ein Sieg ist Pflicht", sagte Bürki mit Blick auf den Auftritt im Olympiastadion. Dass Klinsmann bei den kriselnden Berlinern den Trainerposten übernommen hat, sieht Kehl als Nachteil: "Wir müssen uns darauf einstellen, dass Berlin ein anderes Gesicht zeigen wird."

An das Gruppenfinale in der Champions League gegen Slavia Prag (10. Dezember) denkt daher noch niemand. Um in die K.o.-Runde einzuziehen, muss der BVB dort mehr Punkte holen als Inter Mailand im Parallelspiel gegen den schon als Gruppensieger feststehenden FC Barcelona. "Wir sind auf fremde Hilfe angewiesen, das ist keine schöne Situation", sagte Kehl. Auch für Favre ist die Situation nicht schön.

(SID)