Borussia Dortmund ist mit Lucien Favre besser als unter Jürgen Klopp

Rekord : Dortmund ist mit Favre besser als unter Klopp

Borussia Dortmund hat Hannover 96 aus dem Stadion gefegt. Der BVB marschiert damit weiter in Richtung Meisterschaft. Nie zuvor stand der BVB zu diesem Zeitpunkt der Saison so gut da.

Selbst der Hinweis auf den Vereinsrekord lockte Lucien Favre nicht aus der Reserve. Bei allem Stolz, die Bestmarke des in der Revierstadt noch immer hochverehrten Jürgen Klopp aus dem Meistersaison 2010/11 getoppt zu haben, vermied der Dortmunder Trainer große Emotionen. „Das bedeutet mir nicht so viel“, kommentierte der Schweizer nach dem 5:1 (1:0) über Hannover 96 in für ihn gewohnter Zurückhaltung, „das ist doch nur Statistik.“

Nie zuvor stand der BVB nach 19 Spieltagen so gut da wie unter der Regie von Favre. Alle Hoffnungen der Konkurrenten, dass der Tabellenführer nach einer famosen Hinserie aus dem Tritt geraten könnte, erwiesen sich bisher als Wunschdenken. Mit der zu Beginn holprigen, aber am Ende meisterlichen Vorstellung gegen Hannover veredelte der BVB eine Woche nach dem beachtlichen 1:0 in Leipzig den Rückrundenstart. „Wir haben gezeigt, dass wir genauso stark wiedergekommen sind wie vor der Winterpause“, befand Raphael Guerreiro.

Dank der Tore von Achraf Hakimi (24. Minute), Marco Reus (60.), Mario Götze (63.), Guerreiro (67.) und Axel Witsel (90.) löste der BVB die Pflichtaufgabe gegen den Tabellenvorletzten in standesgemäßer Manier. „Wenn wir einmal ins Rollen kommen, haben wir enorm viel Power. Dann wird es für jeden Gegner schwer - aber nur dann“, kommentierte Marco Reus den deutlichen Sieg.

Ohne Sorge, dass der Sechs-Punkte-Vorsprung in Gefahr geraten könnte, verfolgten die Dortmunder am Sonntagnachmittag auf der heimischen Coach den Auftritt des Verfolgers FC Bayern gegen den VfB Stuttgart. Die leise Hoffnung auf einen Ausrutscher der Münchner erfüllte sich bei deren nicht minder souveränen 4:1-Erfolg jedoch nicht.

Schon am kommenden Samstag erwartet den BVB in Frankfurt eine schwerere Aufgabe als gegen Hannover. „Damit fangen die englischen Wochen an“, warnte Favre mit Verweis auf weitere anstehende Prüfungen im DFB-Pokal gegen Werder Bremen und in der Champions League gegen Tottenham Hotspur. „Wir denken weiter von Spiel zu Spiel.“

Doch die Borussia scheint für diese Herausforderungen gerüstet zu sein. Nicht nur der erfolgreiche Jahresbeginn, sondern auch das starke Comeback von Kapitän Reus, die fortschreitende Genesung von Abwehrspieler Dan-Axel Zagadou und der anhaltende Formanstieg des zuletzt von Verletzungen verschonten Guerreiro machen Mut. Der Portugiese hat selbst den im Sommer für 64 Millionen Euro zum FC Chelsea wechselnden Christian Pulisic aus der Startelf verdrängt: „Nun sieht man, dass Raphael der Mannschaft richtig gut tut. Er hat ein unfassbar gutes Spielverständnis“, schwärmte Reus.

Sorge, dass es seiner Mannschaft in der vorentscheidenden Saisonphase an Erfolgshunger oder Kritikfähigkeit mangeln könnte, muss sich Favre nicht machen. Darauf deutet die deutliche Reaktion der Profis auf den Treffer von Hannovers Marvin Bakalorz (86.) zum zwischenzeitlichen 4:1 hin, das Reus als „das unnötigste Gegentor des Jahres“ bezeichnete. „Wir müssen es mehr schaffen, dass die Gegner merken, hier gibt es nichts zu holen“, klagte der Kapitän.

Noch deutlichere Worte fand Roman Bürki. Der Torhüter wirkte, als hätte sein Team gegen Hannover nicht 5:1 gewonnen, sondern verloren: „Ich hatte das Gefühl, dass wir am Ende arrogant aufgetreten sind und kriegen dann auch noch das Gegentor. Das ist für mich enorm ärgerlich.“

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(sef/dpa)
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