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Borussia Dortmund: Gute Fans, schlechte Zeiten

Kommentar zur Bundesliga : BVB: Gute Fans, schlechte Zeiten

Die Dortmunder Fußballfans haben in Berlin großes Format bewiesen. Sie unterstützen ihre Mannschaft auch in der schwersten Krise seit der Beinahe-Pleite des Klubs vor gut neun Jahren. Das ist schön, rührend und jedenfalls ungewöhnlich.

Langsam aber sollten sich sich die BVB-Fans wirklich Sorgen machen um ihren Verein. Zwei Spiele werden in der Bundesliga-Hinrunde noch gespielt, und der ruhmreiche BVB steckt auf dem Relegationsplatz 16 fest. Im Schnitt hat er gerade mal ein Tor pro Begegnung geschossen, und die wöchentliche Gesundbeterei scheint nicht mehr zu helfen. Die "außergewöhnliche Mannschaft" (Berlins Trainer Jos Luhukay nach dem 1:0-Erfolg über den BVB) hat außergewöhnliche Probleme. Eines der nachweislich besten Teams in Europa kämpft in der nationalen Liga um den Klassenerhalt.

Das ist schwer zu verstehen, weil Dortmund nach seinen wirtschaftlichen und sportlichen Möglichkeiten der einzige Klub ist, der sich den um Welten einteilten Bayern einigermaßen entgegen stellen könnte. Aber auch eine Krise kann eine eigene Dynamik entwickeln. So wie Borussia Dortmund 2011 und 2012 auf einer regelrechten Begeisterungswoge zur Meisterschaft flog, so drückt die anhaltende Misserfolgsserie in der Bundesliga auf die Leistungen. Der BVB, dessen großartige Abwehrarbeit viele Spielzeiten lang zum Vorbild in Europa wurde und dadurch dem Fußballstammtisch das geflügelte Wort vom "Gegenpressing" schenkte, leistet mit unschöner Regelmäßigkeit entscheidende Beiträge zu den Treffern seiner Gegner. Auf der anderen Seite folgt das Team seiner eigenen Tradition und verschwendet Torchancen in Serie. Das sind die äußerlichen Gründe für die Talfahrt.

Sie wirken tief nach innen. Vor allem bei Trainer Jürgen Klopp. Die Krise spiegelt sich in seinem Gesicht, der einstige Strahlemann der Liga ist zunehmend verzweifelt. Das ist ein ganz schlechtes Zeichen.

(RP)