Borussia Dortmund geht als Bayern-Jäger ins Spiel gegen Mainz

„Wir haben keinen Druck“ : Dortmund gefällt sich in der Rolle des Verfolgers

Trainer und Spieler von Borussia Dortmund beteuern, dass sie der Meisterschaftskampf nicht unter Druck setze. Torwart Roman Bürki sagt vor dem Spiel gegen Mainz sogar: „Wir können frei ausspielen.“

Die Stimmung bei Borussia Dortmund war bestimmt schon mal besser. Vor allem Anfang der Woche konnte von guter Laune nicht unbedingt die Rede sein. Das ist nach der 0:5-Niederlage im Spitzenspiel bei Bayern München auch kein Wunder. Die halbe Republik hat sich an TV-Stammtischen und in Meinungsforen vor allem über eine mangelhafte Taktik von Trainer Lucien Favre illustre Gedanken gemacht. Und nun soll es nach Informationen der „Bild“ auch noch Unstimmigkeiten zwischen dem Coach und seinen Spielern geben. Manchen Profis sei der Schweizer zu leise, sie wünschten sich offenbar einen härteren Umgang.

Dafür aber steht Favre, der Feingeist, nicht zur Verfügung. Und er hat wohl doch noch erklärte Anhänger im Team. Torwart Roman Bürki jedenfalls erklärte vor der Begegnung mit Mainz 05, der Trainer habe „detailliert die Analyse gemacht und fachlich gesprochen“. Das muss wohl zumindest auf Bürki sehr überzeugend gewirkt haben. Denn der Torhüter übernahm bereitwillig die Einschätzung seines Landsmannes von der Trainerbank. Favre betonte: „Wir haben keinen Druck.“ Bürki machte es noch ein bisschen präziser: „Wir haben keinen Druck, wir werden mindestens Zweiter. Wir können frei aufspielen.“ Ob er das auch selbst glaubt, ist nicht überliefert.

Sicher ist allerdings, dass der BVB am 29. Spieltag beim Duell um die Meisterschaft in die Rolle des Jägers gewechselt ist. Die Bayern führen mit einem Punkt Vorsprung, und es kann durchaus sein, dass es der vergleichsweise unerfahrenen Dortmunder Mannschaft ganz recht ist, aus der Verfolgerposition zu agieren. Das macht es leichter, sich als Außenseiter zu fühlen und durch kleine Erfolge das nötige Selbstbewusstsein zurückzuholen.

Diese Selbstsicherheit ist irgendwo in den ersten Monaten des Jahres 2019 verloren gegangen. Je näher der Zielstrich kam, desto stärker setzte sich das Bewusstsein durch, nun doch nur noch kleine Schritte vom Titel entfernt zu sein. Das hemmte Favres Team. Und weil der Trainer selbst nicht gerade zu den forschen Typen gerechnet werden kann, leistete er den schüchternen Vorträgen seiner Mannschaft auf dem Feld Vorschub.

Es liegt nun am Team, den Weg aus der Verzagtheit zu finden. Am besten geht das mit einem deutlichen Erfolg über Mainz. In der vergangenen Saison gelang das schon mal nicht. Am vorletzten Spieltag gewann Mainz mit 2:1 im ehemaligen Westfalenstadion. Der Gast erzielte seine beiden Tore bis zur 13. Minute. Einen derart schläfrigen Auftakt werden sich die Dortmunder diesmal nicht erlauben können. Vor einem Jahr war die Saison bereits gelaufen, der BVB hatte das Champions League-Ziel erreicht. Jetzt geht es eindeutig um mehr, um viel mehr.

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