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Borussia Dortmund feiert Torwart Roman Bürki nach dem Einzug ins Champions-League-Achtelfinale

Zittersieg gegen Slavia Prag : BVB feiert Torwart Roman Bürki

Dortmund zieht mit Glück und wegen der überragenden Leistung von Torwart Roman Bürki ins Achtelfinale der Champions League ein. Der 2:1-Zittersieg gegen Slavia Prag kann trotzdem Schwung für die ganze Spielzeit geben.

Als das Zittern und Zagen, das Hoffen und Bangen ein Ende hatte, da stieß Hans-Joachim Watzke die Faust in die Luft, da entspannten sich die Gesichtszüge des starken Mannes von Borussia Dortmund. Er sank seinem Geschäftsführer-Kollegen Carsten Cramer dankbar in die Arme, und unten vor der Ersatzbank bildete sich ein Knäuel aus führenden Mitgliedern von Lucien Favres Trainerteam. Mit einem 2:1-Erfolg über die Rennmäuse von Slavia Prag zog der deutsche Vizemeister ins Achtelfinale der Champions League ein. Das erste Saisonziel ist damit erreicht.

Das war auch ein Ergebnis glücklicher Umstände. Zunächst leistete der FC Barcelona Schützenhilfe, indem er mit einer B-Mannschaft beim Dortmunder Konkurrenten Inter Mailand 2:1 gewann (eine Niederlage der Spanier hätte für den BVB bereits das Scheitern bedeutet). Und dann bot Roman Bürki im Tor der Westfalen eine Weltklasse-Leistung, er allein vereitelte eine Fülle erstklassiger Möglichkeiten der Tschechen. Schließlich richtete sich die Mannschaft an ihrem Schlussmann und am kämpferisch überzeugenden Abwehrchef Mats Hummels auf und brachte den knappen Erfolg über die Runden.

Dabei wären gesundheitsgefährdende Blutdruck-Werte bei Funktionären und Zuschauern gar kein Thema geworden, wenn der BVB in seinem atemlosen Anfangstempo das Toreschießen nicht vergessen hätte. Jaden Sancho schloss zwar einen brillanten Angriff nach einem letzten einfachen Querpass von Marco Reus mit der Führung ab, aber zahlreiche Konterangriffe, bei denen ein Dortmunder dem Prager Torwart allein gegenüber stehen konnte, versandeten einfach.

So war das Spiel gegen den imponierend laufstarken Außenseiter aus Tschechien ein Spiegel der Saison. Dortmund zeigte seine Stärken in manchmal unwiderstehlichen Tempo-Kombinationen bis ins letzte Drittel. Dortmund bewies allerdings auch seine Schwächen im Abschluss, und Favres Team konnte wieder nicht überspielen, dass ihm ein erstklassiger zentraler Stürmer fehlt. Allen Bemühungen der stattlichen Ansammlung offensiver Mittelfeldspieler, die der BVB verpflichtet hat, mangelte es mal wieder an Zielstrebigkeit, an der im Profifußball so wichtigen wütenden Entschlossenheit.

Das ist manchmal ein Merkmal der gesamten Dortmunder Mannschaft, deren Sorglosigkeit in der Defensive dem Gegner reichlich Raum zur Entfaltung bot. „Es war manchmal zu offen“, sagte Favre. Das war eine sehr vornehme Umschreibung. Und dass der Dortmunder Trainer das Spiel „sehr schwer“ fand, gehört zu seinen Standardauskünften. Er hätte auch sagen können: Es wurde so schwer, weil seine Mannschaft vor allem in der ersten Halbzeit ein bisschen zu viel Kunst um der Kunst willen betrieb, statt sich vorher mal ums Ergebnis zu kümmern. Das zumindest klang bei Reus durch, der nach starkem Beginn ebenso stark abfiel. „Wir hätten es einfacher haben können“, erklärte der Kapitän, „wir haben als Team verpasst, früher für die Entscheidung zu sorgen.“

Deshalb bestätigte der Verlauf der Begegnung alte Fußball-Weisheiten. Weil Dortmund es zuließ, kam Prag auf, setzte den Gastgeber und vor allem dessen Torwart unter Druck, und die Westfalen mussten sich nach einer Gelb-Roten Karte gegen Mittelfeldspieler Julian Weigl in Unterzahl mit dem Rücken zur Wand verteidigen. Die Folge: „Das Spiel hat viel Kraft gekostet“, wie Reus feststellte. Das wunderte dann niemanden mehr.

Weil es jedoch zum glücklichen Ende reichte, wird Dortmund trotz aller Wackler Energie für die Saison gewinnen. So feinfühlig reagieren Fußballer auf Ergebnisse. Vor allem die Feierlichkeiten vor der Südtribüne werden den Dortmundern Schwung für die restlichen drei Bundesliga-Spiele bis zur Winterpause geben. Bürki, der nach seiner glänzenden Vorstellung im Mittelpunkt der Ovationen stand, war besonders angefasst. „Das hat mich unheimlich berührt“, erklärte der Schweizer Torwart, „daran werde ich mich mein ganzes Leben erinnern.“

Vorerst reicht es wohl, das Erinnerungsvermögen bis zu den nächsten Meisterschaftsaufgaben zu beanspruchen. Das ist offenkundig die Absicht des Kollegen Julian Brandt. Der offensiv überzeugende, in seiner defensiver angelegten Mittelfeldrolle an Weigls Seite im Aufbauspiel oft zu oberflächliche Nationalspieler urteilte: „Das gibt uns allen Kraft und tat besonders gut.“

Positive Auswirkungen hat der Achtelfinal-Einzug über eine schwierige Gruppe vor allem auf dem Konto. Mehr-Einnahmen von rund zehn Millionen Euro sind garantiert. Und große Gegner ebenfalls. Im Lostopf liegen Paris St. Germain, Manchester City, Juventus Turin, FC Liverpool und der FC Valencia. Konzentrationsmängel wie im Spiel gegen Prag sind dann verboten.