Borussia Dortmund bedient sich gerne bei der Konkurrenz

BVB auf Shopping-Tour : Dortmund bedient sich gerne bei der Konkurrenz

Ein beliebter Vorwurf an den FC Bayern München ist, er würde die Liga „kaputt kaufen“. Vor allem Dortmund ist dahingehend nicht gut auf den Rekordmeister zu sprechen. Dabei bedient sich der BVB selbst nur allzu gern bei der Konkurrenz.

Fans von Borussia Dortmund schimpfen gerne über die Vorgehensweise des FC Bayern. Dem Rekordmeister wird vorgeworfen, durch gezielte Käufe die Liga-Konkurrenten zu schwächen. So verlor der BVB in Mats Hummels (2016), Robert Lewandowski (2014) sowie dem inzwischen zum BVB zurückgeholten Mario Götze (2013) gleich drei Leistungsträger innerhalb von drei Jahren an die Münchner. „Bayern kauft die Liga kaputt“ wurde zu einer gern verwendeten Phrase – manchmal ernst gemeint und manchmal mit einem Augenzwinkern.

Was jedoch auffällig ist und man beim BVB auch mal vergisst: Die Schwarz-Gelben bedienen sich selbst gern bei der Konkurrenz aus dem Fußball-Oberhaus. Vor allem Borussia Mönchengladbach muss die Kaderplaner der Dortmunder fürchten. Erst am Mittwochmittag gab der BVB die Verpflichtung von Thorgan Hazard bekannt. Der Mittelfeldspieler unterschrieb beim BVB einen Fünfjahresvertrag. Nach Informationen unserer Redaktion sollen für den Deal mit Ablösesumme plus Zusatzvereinbarungen knapp über 30 Millionen Euro fällig werden.

2012 verlor Borussia bereits Marco Reus an den BVB. Das damalige Herzstück der Fohlen hatte den Verein mit 18 Toren und 12 Vorlagen auf Platz vier geführt - und sich so in den Fokus der Dortmunder gespielt. Im Jahr eins nach Reus stürzte Borussia auf Platz acht ab, der BVB wurde Vizemeister. Als Entschädigung überwiesen die Dortmunder immerhin 17,1 Millionen Euro nach Gladbach. Fünf Millionen Euro weniger flossen 2017 für Mahmoud Dahoud.

In der gerade abgelaufenen Saison standen 13 Profis im Kader des BVB, die von einem Ligakonkurrenten kamen. Alleine im vergangenen Sommer wurden in Abdou Diallo (FSV Mainz 05), Thomas Delaney (Werder Bremen) und Marius Wolf (Eintracht Frankfurt) für 53 Millionen Euro drei Profis aus der Bundesliga verpflichtet.

Weitere Spieler sollen und werden folgen. Nach der knapp verpassten Meisterschaft hat man beim BVB bereits angekündigt, den Kader für den Titelkampf weiter aufrüsten zu wollen. „Die Saison ist eine Verpflichtung und Motivation, im nächsten Jahr wieder anzugreifen und eine noch bessere Mannschaft aufzustellen“, sagte Sportdirektor Michael Zorc. Den markigen Worten lässt der Verein auch Taten folgen.

Hazard wäre der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte. Bisheriger Transfer-Rekordhalter beim Revierklub war André Schürrle, der im Sommer 2016 für 30 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg zum BVB gewechselt war. „Jetzt war genau der richtige Zeitpunkt, um den nächsten Schritt in meiner Karriere zu gehen. Das ist ein Top-Verein mit unfassbaren Fans“, sagte Hazard nach seinem Abschied.

Neben dem Belgier sind auch Julian Brandt und Nico Schulz dem Ruf aus Dortmund gefolgt. Vor allem mit der Verpflichtung des Offensivspielers von Bayer Leverkusen ist ihnen ein echter Coup gelungen. Der 23-jährige Brandt wechselt für die festgeschriebene Ablösesumme von 25 Millionen Euro zum BVB.

Die Vergangenheit zeigt, dass sich die Dortmunder gerne beim Werksklub bedienen, denn Brandt ist bereits der dritte Bayer-Profi, der mit einem Wechsel zum BVB den nächsten Schritt machen will. 2015 wechselte Castro vom damaligen Tabellenvierten aus Leverkusen zum Tabellensiebten nach Dortmund. Gleich in seiner ersten Saison landete er mit dem BVB (Platz 2) in der Abschlusstabelle vor seinem Ex-Klub (3). Ihm folgte 2017 Bayers Abwehrchef Ömer Toprak nach Dortmund.

Die Transfers von Brandt, Hazard und Schulz passen gut zur neuen Strategie des Revierklubs, der mittlerweile auch forschere Töne anschlägt - und eine klare Botschaft an die Konkurrenz sendet. „Es gibt keine andere zweite Kraft in Deutschland als Borussia Dortmund. Wir haben im gesamten Jahrzehnt nur 2018 am Ende nicht mehr um einen Titel gekämpft. Deshalb werden wir das jetzt offensiver angehen. Mal schauen, was wir dafür kriegen“, sagte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke. Eine Woche, drei große Transfers, drei Konkurrenten geschwächt - die Sommerpause hat nicht so schlecht begonnen für den BVB.

(old)
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