Kaiserslautern - Bayern 1:1 (1:0): Bayern zum 20. Mal Meister

Kaiserslautern - Bayern 1:1 (1:0): Bayern zum 20. Mal Meister

Kaiserslautern (rpo). Bayern München ist zum 20. Mal deutscher Meister. Am 33. Spieltag sicherte sich die Elf von Felix Magath mit einem wenig überzeugenden Unentschieden auf dem Lauterer Betzenberg vorzeitig den Titel. Die Mannschaft profitierte dabei von der Niederlage ihres Verfolgers. Der Hamburger SV verlor 2:4 bei Hertha BSC Berlin und hat einen Spieltag vor Saisonende sechs Zähler Rückstand.

Trainer Felix Magath strahlte über das ganze Gesicht, Manager Uli Hoeneß atmete tief durch, und die Spieler tanzten wie ausgelassene Kinder vor den mitgereisten Fans: Mit Stolz und Erleichterung hat der FC Bayern München seinen 20. Meistertitel und das "Doppel-Double" gefeiert - nur auf die übliche Weißbierdusche wurde mit Rücksicht auf den 1. FC Kaiserslautern verzichtet. Während die Bayern ein weiteres Kapitel Fußball-Geschichte geschrieben haben, kämpft der FCK zehn Jahre nach seinem bislang einzigen Abstieg am letzten Spieltag im "Endspiel" beim VfL Wolfsburg gegen den erneuten Sturz in die Zweitklassigkeit.

Bei den Münchnern herrschte nach dem 1:1 (0:1) in Kaiserslauern und dem vorzeitigen Triumph in der Bundesliga ungetrübte Freude. "Ich bin stolz auf mein Team. Wer zweimal in Folge die Meisterschaft und den DFB-Pokal gewinnt, hat Außergewöhnliches geleistet. Auch wenn wir zum Schluss nicht immer überragend gespielt haben, war es eine glanzvolle Saison", sagte Magath und versprach im Hochgefühl: "Jetzt hauen wir richtig auf den Putz, und im nächsten Jahr holen wir einen Erfolg auch international nach."

Keine Routine

Wie im Vorjahr kürten sich die Münchner auf dem Betzenberg zum Champion, diesmal blieb Magath aber die Weißbierdusche seiner Spieler erspart. Die zogen sich unmittelbar nach Spielschluss rote T-Shirts mit zwei großen X als Symbol für den 20. Titel des Rekordmeisters über. Von Routine wollte Bayern-Kapitän Oliver Kahn nichts wissen. "Wir freuen uns riesig. Es ist ja kein Automatismus, dass wir immer Meister werden", meinte Deutschlands Torhüter Nummer zwei und konnte sich einen Seitenhieb gegen die Kritiker nicht verkneifen: "Nur die Leute, die dem FC Bayern nichts Gutes wollen, reiten jetzt noch auf dem frühen Aus in der Champions League herum."

Nach dem Spiel in Kaiserslautern brach der Bayern-Tross direkt mit dem Bus nach Köln auf, wo am Abend auf einem Boot auf dem Rhein eine erste Meisterfeier auf dem Programm stand. "Jetzt wird eine Woche gefeiert, und am kommenden Samstag gibt es nochmal eine große Fete vor 70.000 Zuschauern gegen Borussia Dortmund", erklärte Hoeneß. Dann gibt es als Belohnung auch die Meisterschale.

Erleichterung pur

Hoeneß machte aus seiner Erleichterung keinen Hehl. "Es ist ein Traum, dass wir uns eine Woche Nervenanspannung erspart haben", sagte der Bayern-Manager. Nach dem 0:1-Rückstand durch das 19. Saisontor von Halil Altintop (26.) sah es zunächst so aus, als ob das Starensemble von der Isar noch einmal um den Titel zittern müsste - zumal zu diesem Zeitpunkt auch der Hamburger SV bei Hertha BSC Berlin geführt hatte. Doch ausgerechnet Youngster Andreas Ottl räumte vor 50.754 Zuschauern im ausverkauften Fritz-Walter-Stadion mit seinem ersten Bundesliga-Treffer (68.) zum 1:1-Endstand die letzten Zweifel aus.

Zwar verbauten sich die Bayern, bei denen der zuletzt von Präsident Franz Beckenbauer kritisierte Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack in seinem vorletzten Spiel für die Münchner erneut kaum Akzente setzte, durch das Remis die Chance auf einen neuen Punkterekord in der Liga. Dafür hatte Mehmet Scholl besonderen Grund zum Jubeln. Für den 35-Jährigen war es die achte Meisterschaft - so viele Titel hat bislang noch kein Spieler geholt.

Der FCK wahrte unterdessen seine Chance auf den Klassenerhalt, benötigt beim von Trainer Wolfgang Wolf herbeigesehnten "Herzschmerzfinale" am letzten Spieltag in Wolfsburg aber einen Sieg. "Ich bin genauso stolz auf meine Mannschaft, dass sie sich diese Möglichkeit überhaupt erkämpft hat. Die Jungs haben bis zur Selbstaufgabe alles gegeben. Gottseidank ist es noch nicht vorbei", sagte Wolf und versprach vor dem heiklen Duell gegen seinen Ex-Klub: "Jetzt werden wir uns noch mal alle zerreißen. Diese Mannschaft hätte den Klassenerhalt verdient."

STATISTIK

Kaiserslautern: Fromlowitz - Hertzsch, Beda, Schönheim (46. Pletsch) - Reinert (66. Mikic), Lembi, Engelhardt, Bellinghausen - Skela - Halfar, Altintop (77. Borbely). Trainer: Wolf

München: Kahn - Sagnol, Lucio, Demichelis, Lahm - Ottl - Schweinsteiger (79. Salihamidzic), Ballack, Ze Roberto (65. Scholl) - Santa Cruz (46. Makaay), Pizarro. Trainer: Magath

Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)

Tore: 1:0 Altintop (26.), 1:1 Ottl (68.)

Zuschauer: 50.754 (ausverkauft)

Beste Spieler: Altintop, Lembi - Ottl, Schweinsteiger

Gelbe Karte: Hertzsch (4)

STIMMEN

Trainer Wolfgang Wolf (1. FC Kaiserslautern): "Die Mannschaft hat da angefangen, wo sie im letzten Spiel aufgehört hat. Sie hat keine Nerven gezeigt und eine Klasse-Partie geliefert. Die Jungs haben bis zur Selbstaufgabe gekämpft - jetzt geht es ins Endspiel nach Wolfsburg."

Trainer Felix Magath (Bayern München): "Das war heute eine hohe Nervensanspannung - in Berlin war es kritisch, und bei uns war es kritisch. Aber nun sind wir um so begeisterter, dass wir es schon eine Runde vor Saisonende geschafft haben. Wir werden heute sicher noch richtig auf den Putz hauen. Das Double zu verteidigen, ist etwas Einmaliges, die Mannschaft hat Herausragendes geleistet."

(sid)
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