Titelrennen in der Bundesliga Tuchels Aus ist ein Problem für Bayer Leverkusen

Analyse | München · Dass der FC Bayern München im Sommer einen neuen Trainer braucht, ist für Bayer Leverkusen eine schlechte Nachricht. Auf lange Sicht, weil man Xabi Alonso nach der Saison verlieren könnte. Aber auch kurzfristig.

Xabi Alonso: Weltstar bei Real Madrid und beim FC Bayern, nun Trainer
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Das ist Xabi Alonso

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Foto: dpa/Marius Becker

Bevor Bayer Leverkusen Ende September des vergangenen Jahres zum Auswärtsspiel beim FSV Mainz antrat, um es 3:0 zu gewinnen, wurde Trainer Xabi Alonso nach einem möglichen Interesse von Real Madrid an seiner Person befragt. Der Spanier moderierte es locker weg, er wolle auf Leverkusen fokussiert bleiben. Fünf Monate später steht das Rückspiel gegen Mainz an – und Alonso wird im Vorfeld ähnliche Fragen, die nichts mit der Partie zu tun haben, beantworten müssen.

Denn am Mittwoch wurde bekannt, dass sich der FC Bayern München am Saisonende von seinem Trainer Thomas Tuchel trennen wird. „Unser Ziel ist es, mit der Saison 2024/25 eine sportliche Neuausrichtung mit einem neuen Trainer vorzunehmen“, erklärte Jan-Christian Dreesen, Vorstandsvorsitzender des Rekordmeisters. Eng verknüpft mit dieser „Neuausrichtung“ wird nun fraglos Xabi Alonso.

Nachdem das Thema Real Madrid vom Tisch war, weil Carlo Ancelotti nun doch bei den Königlichen bleiben wird, wurde Alonso auch schon mit den Bayern in Verbindung gebracht. Seit Monaten berichten verschiedenste Medien aus Spanien, England oder auch hierzulande davon, dass Alonso der Wunschkandidat auf der Trainerbank der Münchner sein soll. Mit dem feststehenden Abgang Tuchels dürfte das lose Gerücht nur noch weiter an Fahrt aufnehmen, in Leverkusen wird es vorerst kein anderes Thema mehr geben.

Bayern sorgen immer wieder für Unruhe

Ob mit Kalkül oder nicht, den Bayern ist es in der Vergangenheit schon öfter gelungen, auf diese Weise bei Konkurrenten in der Liga für Unruhe zu sorgen. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass der Wechsel von Dortmunds Mario Götze 2013 alles andere als rein zufällig einen Tag vor dem Halbfinal-Hinspiel des BVB in der Champions League öffentlich wurde. Der FC Bayern beteuerte in einer Pressemitteilung jedoch, dass man den Wechsel „aus Rücksicht auf das bevorstehende Spiel“ erst später habe verkünden wollen.

FC Bayern München​: Diese Trainer werden schon als Tuchel-Nachfolger gehandelt​
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Diese Trainer werden schon als Tuchel-Nachfolger gehandelt

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Foto: AP/Matthias Schrader

Beispiele wie solche gibt es viele. Und die Äußerungen von Bayerns Ehrenpräsident sowie Aufsichtsratsmitglied Uli Hoeneß über Leverkusen und Alonso im Interview mit der FAZ Anfang Februar bekommen mit der bevorstehenden Tuchel-Trennung auch nochmal eine andere Note: In Leverkusen könnten sich die Verantwortlichen, anders als in München, „auf das Wesentliche konzentrieren. Ich glaube, dass sie Tag und Nacht nur über Fußball reden können. Wir lesen hier am Montagmorgen erst mal in der Zeitung, dass der Thomas Strunz, von dem ich seit Giovanni Trapattoni gar nichts mehr gehört hab, plötzlich sagt, was der Verein alles falsch macht.“ Das stört – nun auch im Rheinland?

Hoeneß und Rummenigge loben Alonso

Im selben Interview lobte Hoeneß den Ex-Bayern-Spieler Alonso dafür, „dass er das, was er hier als Stratege angedeutet hat, in Leverkusen auch als Trainer umsetzt“. Kurz zuvor hatte sich Bayerns früherer Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, heute ebenfalls im Aufsichtsrat, ebenso löblich über den Leverkusener Trainer geäußert. Die Bayern beherrschen dieses Spiel in Perfektion.

Inwiefern eine Korrelation zwischen solchen (medialen) Unruhen und dem sportlichen Erfolg besteht, ist natürlich nicht messbar. Die Bayern wurden 2013 auch ohne die Götze-Thematik (und noch größeres Theater um Robert Lewandowski) mit meilenweitem Vorsprung Meister und der BVB kam trotzdem ins Champions-League-Finale, wo er denkbar knapp gegen die Münchner verlor.

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Die Trainerwechsel der Bundesliga-Saison 2023/24

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Foto: dpa/David Inderlied

In diesem Jahr hat Bayer Leverkusen trotz der seit Monaten bestehenden Gerüchte um Alonso noch nicht den Hauch einer Schwäche gezeigt und ist mit acht Punkten Vorsprung Tabellenführer. Trotzdem: Die Schlagzeilen, wenn die Werkself plötzlich mal ein Spiel verliert und der Vorsprung schmilzt, kann man schon vor sich sehen: Werden die Leverkusener jetzt nervös? Lebt „Vizekusen“ weiter? Geht Alonso ohne Titel? Was haben die Bayern-Gerüchte damit zu tun?

Klar ist, dass die mediale Aufmerksamkeit nochmal deutlich zunehmen wird, jetzt, wo die Trainer-Stelle bei den Bayern spätestens im Sommer definitiv frei wird. Wo der Druck im Süden Deutschlands auf den Verantwortlichen groß ist, endlich einen Trainer zu finden, der die abhandengekommene Dominanz wiederherstellt. Xabi Alonso passt da wie die Faust aufs Auge. Und dann ist da noch der FC Liverpool, wo Alonso ebenfalls eine Vereinslegende ist und wo es nach dem Klopp-Aus im Sommer auch einen neuen Trainer braucht. Für beide Klubs wäre es fahrlässig, nicht zu versuchen, den einstigen Mittelfeld-Strategen zu holen.

Alonso-Bekenntnis? Eher nicht

Bayer 04 würde Alonso wohl gehen lassen, wenn er mit dem Wunsch auf den Verein zukäme. Eine Ausstiegsklausel habe er zwar nicht, sagte Geschäftsführer Fernando Carro im November zu talkSport, aber die brauche es auch nicht: „Am Ende des Tages werden wir niemanden zwingen, zu bleiben.“ Und spezifisch zu Alonso sagte Carro: „Wir wissen, dass wir miteinander reden können, wenn er etwas machen will.“ Tritt dieser Fall nun ein?

Beenden könnte die Spekulationen nur ein klares Bekenntnis pro Leverkusen von Alonso selbst. Doch das wird es am Donnerstag vor dem Mainz-Spiel eher nicht geben, es wäre zumindest eine große Überraschung. Realistischer ist, dass der Spanier wieder sagen wird, dass er sich voll auf das nächste Spiel fokussiere und das alles kein Thema für ihn und die Mannschaft sei. So wie vor dem Hinspiel. Die Real-Madrid-Sache erledigte sich damals von selbst. Leverkusen wird hoffen, dass es in diesem Fall ähnlich laufen wird.

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