Supercup: Niko Kovac brennt auf seinen ersten Titel mit den Bayern

Supercup: Kovac will seinen ersten Titel mit den Bayern

Im deutschen Supercup trifft Pokalsieger Frankfurt auf Meister Bayern. Pikant: Trainer der Bayern ist Niko Kovac, der die Eintracht noch im Mai zum Pokalsieg über die Münchner führte.

Es ist erst gut zwei Monate her, da stand Niko Kovac im schicken Klub-Anzug von Eintracht Frankfurt im Konfettiregen auf einem Podium im Berliner Olympiastadion. Voller Rührung blickte er auf die Ränge, im Arm hielt er fast zärtlich den DFB-Pokal. „Das werde ich nie vergessen“, sagt er heute. Sehr verständlich, denn er feierte damals mit seinen Spielern den ersten Titel der Eintracht seit 30 Jahren. Die Frankfurter hatten das Kunststück fertig gebracht, die großen Bayern, den haushohen Favoriten, mit 3:1 zu bezwingen. Und es ist mehr als ein schöner Randaspekt dieser Geschichte, dass Kovac unmittelbar nach diesem Triumph die Seiten wechseln würde. Seit dem Sommer ist er Trainer der Bayern. Sein erstes Pflichtspiel ist der Supercup am Sonntag (20.30 Uhr/ZDF). Gegner und Gastgeber: Frankfurt. Ausgerechnet.

Seelische Qualen wird Kovac (46) nicht leiden. Das tat er auch in Berlin nicht, obwohl sein Wechsel und seine reichlich verpatzte Öffentlichkeitsarbeit für ziemlichen Unfrieden unter dem Frankfurter Vereinsdach gesorgt hatten. Mit seiner gewohnt kerzengeraden Körperhaltung, die immer etwas Militärisches hat, steckte er das bei seinen Auftritten vor dem Pokalfinale weg. Die Tonlage seiner Ansprachen fiel noch ein bisschen tiefer aus als sonst. Er bot das Bild eines sehr beherrschten Herrn. Die Tränen nach dem Sieg über die Bayern bewiesen, wie viel Gefühl hinter dieser Fassade wohnte.

Nun ist Kovac wieder ein Bayer. Als Spieler war er das schon mal. Aber das war tatsächlich in einer anderen Welt. Die Münchner waren zwar längst das beherrschende Team im deutschen Fußball, aber die Sonderrolle des zweiten Jahrzehnts in diesem Jahrhundert mit einem Abo auf die Halbfinalteilnahme in der Champions League, dem Titelgewinn in Europas wichtigstem Wettbewerb und Bundesliga-Meisterschaften mit zig Punkten Vorsprung gab es noch nicht.

Folglich muss Kovac mit Ansprüchen leben, die er weder aus seiner Spielerkarriere noch aus seiner Trainerlaufbahn kennt. Es erschreckt ihn allerdings nicht. Er weiß, dass von ihm bereits in diesem ersten Pflichtspiel der Saison ebenso wie in allen weiteren ein Sieg verlangt wird. Auch wenn der Erfolg im Supercup keinerlei Startrecht in irgendwelchen ausgefallenen europäischen Wettbewerben gewährt, geht es um einen Titel, der den Briefkopf des Klubs und die Vita seines Trainers zieren wird. „Deswegen bin ich hier“, erklärt Kovac. Einen Mangel an Selbstbewusstsein und Ehrgeiz wird ihm niemand unterstellen.

Er trifft mit den Münchnern auf eine Frankfurter Mannschaft, die zwei wesentliche Größen des Pokalsiegerteams verloren hat. Kevin-Prince Boateng versucht beim italienischen Erstligisten Sassuolo Calcio jene Führungsrolle einzunehmen, die er bei der Eintracht innehatte. Und Torwart Lukas Hradecky ist eine sportliche Etage höher beim Champions-League-Kandidaten Bayer Leverkusen untergekommen.

Dafür haben die Frankfurter kurz vor dem Supercup-Spiel wichtige Verträge verlängert. Die Vereinsvorstände Fredi Bobic und Axel Hellmann ließen sich die jüngsten Verfolge mit Verträgen bis 2023 honorieren, den Kontrakt mit dem offenbar umworbenen Sportdirektor Bruno Hübner dehnten sie darauf bis 2021 aus. Und gemeinsam überzeugten sie Ante Rebic, der im Pokalfinale ein großes Spiel geboten und für Kroatien eine beeindruckende WM gespielt hatte, doch bis 2022 bei den Hessen zu bleiben. „Das zeigt, dass er den Adler im Herzen trägt“, jubelte Bobic mit angemessenem Pathos, „und es zeigt, dass wir in Sachen Wirtschaftlichkeit einen Schritt weiter sind und Spitzenspieler halten können.“

Tatsächlich muss Bobic nicht mehr übers Land ziehen und Leiharbeiter in großer Zahl einsammeln. Das aus finanzieller Not geborene System mit Leihspielern aus vielen Nationen hat dennoch zum Aufschwung der Frankfurter entscheidend beigetragen. Schließlich stand die Eintracht zwei Jahre in Folge im Pokalfinale, und sie hofft in der Europa League auf ordentliche Einnahmen. Bobic darf sich das alles als Verdienst anrechnen. Begnügen will er sich nicht damit. „Wir haben eine spannende und ereignisreiche Zeit vor uns“, sagt er. Sie beginnt mit dem Heimspiel im Supercup.

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