Prozess gegen Uli Hoeneß ändert die Steuermoral

Kommentar : Hoeneß-Prozess ändert die Steuermoral

Wie in einem altgriechischen Drama hat die spektakuläre Verurteilung des Bayernpräsidenten Uli Hoeneß zu einer Gefängnisstrafe die Wirkung einer Katharsis. Das heißt, sie läutert eine Gesellschaft, in der viele, wenn auch in ungleich geringerer Dimension, Teile ihrer Einkünfte nicht versteuert haben.

Das dürfte jetzt eher zur Ausnahme werden. Und damit vollzieht sich ein Stück größere Steuergerechtigkeit. Denn mit der Strafe für Hoeneß ist der Maßstab für andere Steuersünder gesetzt. Auf Milde kann in Zukunft niemand mehr hoffen.

Wenn aber viele Reiche, die bislang einen Teil ihrer Einkünfte dem Fiskus vorenthalten haben, nun voll herangezogen werden, verbreitert sich zugleich die Basis der Steuereinnahmen. Damit sollte auch der Reflex verschwinden, steuerehrliche Gutverdiener immer stärker zu belasten. Der höhere Grenzsteuersatz für Top-Einkommen ist ja für alle gleich scharf.

Für die künftige Steuerpolitik hat das Folgen. Bei reichlicher fließenden Steuereinnahmen entfällt der Zwang zu einer immer weiteren Anhebung der Sätze. Und damit schwindet auch der Anreiz, Steuern zu vermeiden oder gar zu hinterziehen. Der Hoeneß-Prozess könnte hier eine Wende einleiten.

(RP)
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