Hitzfeld-Nachfolge: Klopp - reif für den FC Bayern

Hitzfeld-Nachfolge : Klopp - reif für den FC Bayern

Düsseldorf (RP). Günter Netzer hält die Idee, "jemanden von der Art eines Jürgen Klopp" nach München zu holen, für faszinierend. Es gibt in der Tat gute Gründe, die für den Mainzer Trainer sprechen. Jetzt wird auch Volker Finke als möglicher Nachfolger von Ottmar Hitzfeld genannt.

Heute nehmen die Spieler des FC Bayern München wieder das Training auf. Trainer Ottmar Hitzfeld geht erst einmal davon aus, dass er die Mannschaft des Rekordmeisters bis zum letzten Spieltag betreuen soll.

Aber mit diesem Ziel hatte sich vor einem Jahr auch Felix Magath nach dem Weihnachtsurlaub wieder an die Arbeit gemacht - und war nach zwei Enttäuschungen in der Bundesliga, der 2:3-Niederlage in Dortmund und einem 0:0 im Heimspiel gegen den VfL Bochum, entlassen.

Deshalb darf sich Hitzfeld mit seinem Team keine weiteren Rückschläge leisten - sie könnten für ihn das vorzeitige "Aus" bedeuten. Da er bereits seinen Abschied zum Saisonende angekündigt hat, wird bei den Spekulationen um seinen Nachfolger jetzt fast täglich ein neuer Favorit genannt.

Auch "Hochkaräter" der internationalen Trainergilde fühlen sich geehrt, dass sie als Kandidaten erwähnt werden. José Mourinho etwa, dessen Name Franz Beckenbauer in die Diskussion geworfen hat ("Warum nicht?") und der laut "Welt" über seinen Sprecher Eliado Parames zu verstehen gab, er sei erfreut, wenn eine der größten Persönlichkeiten des Weltfußballs ihn ins Gespräch bringe. Frank Rijkaard, Trainer des FCBarcelona, wird in der Münchner "tz" mit den Worten zitiert: "Es ist stets eine Ehre, mit einem so großen Verein in Verbindung gebracht zu werden."

Die Entscheidung über den neuen Coach ist eine strategische Entscheidung - die seit langem wichtigste für den FC Bayern, nachdem der Klub in den vergangenen Monaten geschätzt mehr als 80 Millionen Euro in neue Spieler investiert hat. Im Zentrum der Diskussionen stehen diese Möglichkeiten.

Holt Bayern wieder einen Ausländer?

Erstens: Zieht der FC Bayern erneut eine deutsche Lösung vor wie zuletzt mit Magath und Hitzfeld - oder holt er erstmals nach Giovanni Trapattoni wieder einen Ausländer? Als möglicher deutscher Kandidat wird nun auch der langjährige Trainer des SC Freiburg, Volker Finke, genannt. Ein ehemaliger Lehrer, wie Hitzfeld.

Zweitens: Setzen die Münchner auf einen Mann mit höchster internationaler Reputation wie Mourinho, Rijkaard, Marco van Basten, Guus Hiddink, Rafael Benitez, Marcello Lippi - oder wagen sie das Experiment, die Arbeit mit seinen teuren Stars einem Mann der jungen Trainergarde wie Jürgen Klopp anzuvertrauen? Mönchengladbachs früherer Meisterspieler Günter Netzer spricht im Zusammenhang mit dem Mainzer von einer erlaubten Überlegung, ja sogar von einer faszinierenden Idee.

Die Bayern müssten sich ihren neuen Fußballlehrer erst noch backen, könnten Spötter die Suche vor dem Hintergrund der Tatsache kommentieren, dass jeder Trainer mit öffentlicher Kritik der Bayern-Troika, bestehend aus Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, Manager Uli Hoeneß und Präsident Franz Beckenbauer, rechnen muss.

Ein von ausnehmendem Selbstbewusstsein geprägter Mann wie der Portugiese Mourinho dürfte darüber besonders intensiv nachdenken, sollte er tatsächlich eine Offerte erhalten. Einer wie Klopp wäre aus Sicht der Bayern-Führung geradezu pflegeleicht. Dass sein Vertrag bei den Rheinhessen Ende der Saison ausläuft und der geplante Bau eines neuen Stadions zu platzen droht, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Klopp Mainz nach 18 Jahren als Spieler und Trainer verlässt.

Klopp fehlt die Star-Erfahrung

Insbesondere die fehlende Erfahrung wird als Argument gegen Klopp angeführt. Der gebürtige Stuttgarter hat bisher nicht bei einem Verein mit dem Renommee à la FC Bayern gearbeitet - also auch nicht mit Stars der Kategorie Toni, Klose, Ribéry, van Bommel.

Seinen nach außen kumpelhaft wirkenden Umgang mit den Spielern und sein sehr emotionales Verhalten müsste er bei einem Engagement in München ablegen. Das Alter spricht, anders beim fast schon 60-jährigen, zuweilen oberlehrerhaft wirkenden Volker Finke, nicht gegen Klopp. Mit 40 Jahren ist er keineswegs zu jung; in der Wirtschaft werden Männer und Frauen dieses Alters oft in Chefpositionen befördert.

Klopp hätte gegenüber Finke und wohl auch ausländischen Trainerstars einen weiteren großen Vorteil: Er ist äußerst gewinnend im Umgang mit der Öffentlichkeit, erfrischend souverän gegenüber den Medien. Womit der FC Bayern wohl auch noch bei vielen Fans punkten könnte, die der Art, wie sich der Klub präsentiert, bislang keine Sympathien entgegenbringen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese Trainer werden für die Bayern gehandelt

(RP)