Jerome Boateng ist in München außen vor

Keine Lust auf Pokal-Sause : Boateng ist in München außen vor

Jerome Boateng hat beim FC Bayern München wohl keine Zukunft mehr. Beim Pokal-Finale konnte jeder Beobachter sehen, wie es um das Innenleben des Verteidigers bestellt ist.

Zu den führenden Münchner Feierbiestern wird Jerome Boateng (30) in diesem Fußballer-Leben nicht mehr. Die Meister-Party vergangene Woche versäumte der Weltmeister von 2014, weil er zur Hochzeit eines Freundes eingeladen war. Und als seine Bayern-Kollegen am Samstagabend im Berliner Olympiastadion vor der Ostkurve mit ihren Fans den 3:0-Erfolg im DFB-Pokalfinale gegen RB Leipzig feierten, verschwand der Verteidiger nach kurzem Spurt in der Kabine. Er sah offenbar keinen Anlass für eine Party.

Boateng ist außen vor bei den Bayern. Nie wurde das so unterstrichen wie am Abend des Pokal-Endspiels. Zum Aufwärmen kam der Ersatzmann gar nicht erst auf den Rasen. Das Spiel verlebte er weitgehend ungerührt auf der Bank, und über ihm schwebten dunkle Wolken grummelnden Selbstmitleids. So geht es einem, dessen Stern im Sinkflug ist.

In der Nationalmannschaft ist er ausgemustert, und anders als die Kollegen Mats Hummels und Thomas Müller, die das gleiche Schicksal ereilt hat, sendet der Berliner Münchner Boateng keine sportlichen Lebenszeichen. Seine Körpersprache während der Begegnung mit Leipzig unterstrich das noch, der ganze Mann scheint aus Widerwillen gegen diese Situation zu bestehen. Er sagte dazu am Samstag nichts. Und wenn er in den vergangenen Wochen einmal sprach, dann trug seine immer etwas temperamentlos klingende Stimme zu dem Befund bei: Das ist ein trauriger Kerl, dem irgendwo die Ehrgeiz-Leitung gekappt wurde.

Beim Double-Gewinner, so viel steht schon länger fest, gibt es für Boateng keine berufliche Zukunft. Das erkennt er selbst. Vor ein paar Wochen sagte er: "Als Fußballer wünscht du dir, dass du in den wichtigen Spielen mehr spielst." Dieser Wunsch wird bei Bayern nicht mehr in Erfüllung gehen.

Deshalb soll Boateng bereits um Auflösung seines bis 2021 gültigen Vertrags gebeten haben. Die Frage ist, ob nun die großen Klubs Schlange stehen, um sich die Dienste des Innenverteidigers zu sichern. Im vergangenen Sommer war Paris St. Germain sehr interessiert, da scheiterte ein Wechsel am Veto von Trainer Niko Kovac. Nun gibt es Kontakte zu Juventus Turin, aber es heißt, der italienische Meister habe sein Transferkonto überzogen. Und die "Bildzeitung" meldet Gespräche mit Inter Mailand. Sicher ist, dass sich die Angebote nicht mehr auf dem Niveau bewegen, das PSG 2018 vorgab. Die Franzosen (besser: ihre Geldgeber aus Katar) wollten 32 Millionen Euro für einen Wechsel zahlen. Die vergangene Saison hat den Marktwert gedrückt. So viel steht fest.

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