FC Bayern München: Warum Uli Hoeneß in der Bundesliga unersetzbar ist

Warum Uli Hoeneß unersetzbar ist : „Bad Boy“ Nummer eins

Blenden wir den Inhalt ein mal aus, dann ist Uli Hoeneß das Beste, was die Bundesliga zu bieten hat. Seine jüngste Wutrede ließ einmal mehr erlebbar werden: einer wie er wird irgendwann fehlen.

Für einen Wimpernschlag hielt ein Halbkreis aus Journalisten die Luft an, weil Uli Hoeneß gleich ausatmen würde. Den Kopf leicht in den Nacken gelegt, blinzelte er mit jenem angriffslustigem Schlafzimmerblick in den Horizont, den seine Kritiker ihm stets als arrogant auslegen werden. Längst wussten alle, was kommen würde: Der Bayern-Präsident, das menschgewordene Emoticon, ließ auch ohne eine Silbe durch die dünne Haut tief in seine Seele blicken. Hoeneß machte, was keiner besser kann und die Presse später poltern, wüten, pesten oder schießen nennen wird.

Dass diesmal erst der DFB und später auch Marc-André ter Stegen der Hoeneßschen Entladung als Projektionsfläche dienten, ist im Grunde einerlei. Der sportlich weitgehend unerhebliche Zank ums deutsche Tor ist ähnlich erbauend wie die unaufhörlichen Debatten zwischen Apple- und Android-Nutzern, Beatles- oder Stones-Anhängern. Doch wenn Hoeneß auf die Party kommt, wird's zuverlässig bunt. Deshalb ist es immer auch eine Lektion in Wehmut, wenn der Bayern-Präsident dieser Tage als Wüterich ans Mikro tritt. Auch wenn ein Leben nach Hoeneß noch nicht vorstellbar ist, werden seine öffentlichen Auftritte nach seinem Rückzug seltener werden. Ein Nachfolger in seiner Funktion als bayrischer Außenpolitik-Beauftragter ist nicht vorgesehen.

Kaum eine Figur der Bundesliga vereint so viel Angriffsfläche, so viel Kontroverse auf sich wie Uli Hoeneß. Und doch steht dort in der Mixed Zone kein Geläuterter. An der Schwelle zum Rentenalter genießt er es noch immer erkennbar, Fußball-Deutschland mit nie versiegender Angriffslust zu triggern. Mit den Höhepunkten seiner Ausbrüche ließe sich ohne spürbare Längen ein abendfüllender Spielfilm schneidern. Die Bundesliga, derzeit als „spannendeste Serie Deutschlands“ beworben, hat mit Hoeneß ihre vermutlich genialste Rolle besetzt. Während Weggefährten ihn zum unnachgiebigen Kümmerer erklären, haben sich ganze Generationen in gemeinschaftlicher Abneigung gegen seine Person sozialisiert. Hoeneß brilliert in der Rolle als Wüterich und Antipode, als Löwenmutter und Übervater. Je mehr Gegner sich an ihm abarbeiteten, auf desto übermenschliche Größe scheint er noch immer anzuschwellen.

Letztlich konnten nur die persönlichen Brüche und Widersprüche in seiner Biografie die moralische Institution Hoeneß nachhaltig erschüttern. Heute sind seine Auftritte seltener geworden. Hoeneß ist der vielleicht letzte seiner Art und wirkt als knurriger Patriarch unsanft aus der Zeit gefallen. Dass er sich auf den letzten Metern seiner Funktionärskarriere noch Vergleiche mit dem amtierenden US-Präsidenten Donald Trump gefallen lassen muss, gehört zum Berufsrisiko. Allerdings hilft ein Realitätsabgleich von Zeit zu Zeit bei der Einordnung. In vielerlei Hinsicht ist die Bundesliga schließlich nichts weiter ist als eine besonders gut inszenierte Schmonzette und auf diesem Metier geht Hoeneß ungeschlagen. Um an seiner Kunstfigur nicht zu kratzen, sollte der 67-Jährige jedoch auf der Hut sein, nicht gänzlich zur Karikatur zu geraten. Denn, auch das ist Teil der Wahrheit, zuckt längst nicht mehr ganz Fußball-Deutschland zusammen.

Foto: dpa/Matthias Balk

Ein letztes „Für die scheiß Stimmung seid ihr doch verantwortlich“, sei aber jetzt schon jedem ins Poesieheft geschrieben, der seine Rolle neu besetzen will. So trefflich man über sein gesamtes Tun und Sein auch streiten kann und muss, ist er als „Bad Boy“ unerreicht und das nicht obwohl, sondern gerade weil er ein lausiger Schauspieler ist.

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