FC Bayern München: Mehdi Benatia fiel einst beim SC Freiburg durch

30-Millionen-Euro-Transfer : Benatia: Bayerns teurer Last-Minute-Kauf fiel in Freiburg durch

Im Sommer 2009 absolvierte der Marokkaner Mehdi Benatia beim SC Freiburg ein Probetraining. Er wurde nicht verpflichtet. Ihm fehle die nötige Klasse für die Bundesliga, ließen die Verantwortlichen verlauten. Fünf Jahre später wechselt der Innenverteidiger für 30 Millionen Euro zum FC Bayern München.

Dirk Dufner, heute Sportdirektor bei Hannover 96 und damals in Freiburg verantwortlich für Transfers, und Trainer Robin Dutt (heute bei Werder Bremen) waren sich im August 2009 sehr sicher bei ihrem Urteil: "Er hat nicht die Qualität." Benatia war damals 22 Jahre alt und spielte für den französischen Zweitligisten Clermont Foot Auvergne. Fünf Jahre später überweist der deutsche Rekordmeister 26 Millionen Euro Ablöse an den AS Rom für die Dienste des Marokkaners, mit Prämien kann die Ablöse sogar noch auf 30 Millionen Euro steigen. Freiburg dürfte sich gehörig ärgern, der gesamte Lizenzspieleretat der Breisgauer liegt knapp über der Hälfte der Ablöse, Benatia hätte — eine ähnliche Entwicklung vorausgesetzt — den Klub sanieren können.

He's finally here "@BundesligaSpot: Vine of Mehdi Benatia arriving for #FCBayern medical. (Via @OrtivorOrt) https://t.co/bF7Z4yu9dC

Das Probetraining in Freiburg ist Geschichte, der Medizincheck in München Gegenwart und ein Stammplatz in der Dreierkette der Bayern die Zukunft. Der Marokkaner wird einen Fünf-Jahres-Vertrag in München unterschreiben, der mit vier MIllionen Euro jährlich dotiert ist. Der 27 Jahre alte kantige Verteidiger soll nach dem Kreuzbandriss von Javi Martinez der neue Abwehrchef von Trainer Pep Guardiola werden. "Ich bin glücklich, dass der Wechsel zu Bayern München endlich geklappt hat. Es hat sich ein bisschen hingezogen und zwischendurch dachte ich schon, dass der Wechsel doch noch platzen könnte. Herr Guardiola wollte mich unbedingt", verriet der in Frankreich geborene Abwehrspieler gegenüber "Sport1".

Décollage pour Munich nouveau départ pic.twitter.com/mcXeNrucHJ

1,91 Meter misst der neue Innenverteidiger, der in der abgelaufenen Saison in der italienischen Serie A beim AS Rom zum besten Abwehrspieler Italiens avancierte. Ein gutes Kopfballspiel, Zweikampfstärke und ein sensationelles Stellungsspiel zeichnen Benatia aus, wissen Beobachter des italienischen Fußballs zu berichten. Doch der 92 Kilogramm schwere Abwehrbrocken verfügt auch über eine passable Technik und ist auch für Guardiolas Kurzpassspiel im Aufbau zu gebrauchen. 2010 wechselte er aus der zweiten französischen Liga zu Udinese Calcio nach Italien und setzte sich in der Serie A auf Anhieb durch. Nach drei Jahren und 80 Spielen (sechsTreffer) wechselte Benatia nach Rom, dort kam er auf 33 Einsätze und fünf Treffer. Tore feiert Benatia übrigens auf eigentümliche Art: Er formt die Arme zu einem Maschinengewehr und ballert auf die Mitspieler. Das machte bei den Bayern schon einmal Luca Toni — im Dezember 2008 traf er in der Nachspielzeit gegen Hoffenheim und verdarb dem Aufsteiger damals die vorzeitige Herbstmeisterschaft.

Benatia braucht noch Zeit

Trotz des gelungenen Saisonstarts gegen Wolfsburg (2:1) benötigen die Bayern einen neuen Abwehrspieler, das wurde beim Auftaktspiel deutlich. Die neuformierte Deckung wackelte phasenweise bedrohlich, Benatia soll dieses Problem lösen. Von einem Spieler mit dieser Ablöse kann man das auch erwarten, schließelich waren nur Martinez (40 Millionen Euro Ablöse) und Mario Götze (37 Millionen Euro Ablöse) in der Bayern-Geschichte teurer. Doch Benatia wird etwas Zeit benötigen. Da wäre zum einen die Umstellung auf den deutschen Fußball, die fremde Sprache, das neue Spielsystem, die neuen Mitspieler und und und.

Die Bayern haben aber gute Erfahrungen mit teuren Last-Minute-Transfers gesammelt. Der niederländische Torjäger Roy Makaay wurde 2003 Anfang August aus La Coruna nach langem Transferpoker für knapp 20 Millionen Euro verpflichtet. Seine Erfolgsbilanz lässt sich sehen: In 183 Pflichtspielen erzielte er 103 Tore. Ende August 2006 heuerte Makaays Landsmann Mark van Bommel an der Säbener Straße an. Er blieb fünf Jahre und wurde der erste ausländische Spieler, der das Kapitänsamt bei den Bayern ausübte.

Und noch ein Niederländer kam kurz vor Ende der Wechselfrist nach München: Arjen Robben wurde 2009 für 24 Millionen Euro von Real Madrid verpflichtet. 2012 folgte dann Martinez, der für 40 Millionen Euro aus Bilbao an die Isar wechselte. Mit Robben und Martinez gewannen die Bayern 2013 das "Triple" bestehend aus Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League. Im Finale der "Königsklasse" war es Robben, der in der 89. Minute im Londoner Wembleystadion den 2:1-Siegtreffer erzielte. Die späten Investitionen zahlen sich also in der Regel für die Bayern aus. Es wird sich zeigen, ob Benatia sich in diese Reihe der Top-Transfers nahtlos einfügen wird.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Medhi Benatia

(can)
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